Martin Seiselberg ist Depotleiter bei Heid Löper GmbH. Er koordiniert die Zustellung und weiß um die Probleme, die durch das Virus in dem Bereich entstehen. Foto: t&w

Noch kommt alles pünktlich

Lüneburg. Rund 850 Mitarbeiter des Unternehmens Heid Löper sorgen täglich dafür, dass Briefe bei den Lüneburger Behörden und mehr als 300 regionalen Kunden abgeholt und zu den Lüneburgern nach Hause gebracht werden. Außerdem stellen sie pünktlich bis 6 Uhr morgens die Landeszeitung zu. Offiziell gelten sie aber nicht als Teil der „kritischen Infrastruktur“ – sind also nicht relevant für die Aufrechterhaltung des Systems und fallen somit in der aktuellen Krisenzeit bei einigen Aspekten hinten runter. Das ärgert Oliver Grebe, Leiter der Logistik: Er wünscht sich mehr Anerkennung für seine Mitarbeiter.

Das Thema Notfallbetreuung sei ein gutes Beispiel dafür, dass die Arbeit seiner Kollegen nicht ausreichend wahrgenommen werde, meint Grebe. „Da mussten wir uns im Nachhinein informieren, ob das auch für uns gilt. Wir waren nicht direkt angesprochen.“ Da aber nur zwölf der 850 Mitarbeiter überhaupt ins Homeoffice gehen können, sei das Angebot für die übrigen 838 essenziell. „Die stehen täglich draußen ihren Mann oder ihre Frau. Deshalb waren wir froh, als wir erfahren haben, dass sie das auch in Anspruch nehmen können“, betont Grebe.

Viele Mitarbeiter, die zur Risikogruppe zählen

Denn auch in Zeiten von Corona setze die Heid Löper GmbH alles daran, optimale Arbeit zu leisten. Doch das Unternehmen ist dabei vor einige Herausforderungen gestellt. Zum einen gebe es viele Mitarbeiter, die zu der Risikogruppe zählen und deshalb zu Hause bleiben müssten. „Und der Vorfall am Johanneum hat uns ordentlich erwischt.“

Aber Grebe betont, dass das Team zusammen hält: „Einige Mitarbeiter haben ohne Murren ihren Urlaub verschoben, um für krankgeschriebene Kollegen einzuspringen. Das ist natürlich ein tolles Zeichen.“

Doch trotzdem wird sich das Problem über kurz oder lang zuspitzen, vermutet Grebe: „Je weniger Zusteller wir haben, desto mehr muss jeder einzelne mitnehmen und desto später wird die Zeitung geliefert.“ Das könne in der nächsten Zeit, bei vermehrtem Ausfall, dazu führen, dass die Zeitung nicht morgens um 6 Uhr im Briefkasten liegt. „Im allerschlimmsten Fall kann es sein, dass die Zeitung erst mittags kommt.“

Grebe weiß, dass das für viele Leser eine große Umstellung wäre. Auch deshalb haben er und seine Kollegen der Verlagsleitung den Vorschlag unterbreitet, den LZ-Abonnenten bis Ostern einen kostenlosen E-Paper Zugang zu gewährleisten. „Das entlastet uns enorm.“

„Mitarbeiter haben ohne Murren ihren Urlaub verschoben, um für krankgeschriebene Kollegen einzuspringen. Das ist natürlich ein tolles Zeichen.“- Oliver Grebe, Logistik-Leiter

Doch nicht alle LZ-Leser nutzen elektronische Medien, weshalb die pünktliche Zustellung für sie besonders wichtig ist. Eine davon ist die über 80-jährige Abonnentin Ursula Drewes. „Die Tageszeitung ist für mich sehr wichtig, mein Tag beginnt damit morgens am Frühstückstisch. Wenn die Zeitung erst mittags kommt, wäre ich traurig. Aber natürlich hätte ich vollstes Verständnis dafür, die Gesundheit der Austräger geht vor.“ Sie findet, dass die Zusteller vor allem in diesen Zeiten nicht vergessen werden dürfen. „Ärzte, Krankenschwestern und Kassiererinnen leisten gerade hervorragende Arbeit, aber auch den Austrägern müssen wir zeigen, wie wichtig sie sind.“

Um genau dieses Verständnis bittet Grebe auch alle anderen Lüneburger: „Wir geben unser Bestes, aber wir können es nicht weiter entzerren.“

Von Lilly von Consbruch

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