Mittwoch , 30. September 2020
Peter Strampe hat zu wenige Erntehelfer. Er hofft darauf, dass sich die Situation schnell ändert. Foto: phs

Spargelernte ist in Gefahr

Neetze. Eigentlich wäre es für Peter Strampe eine gute Nachricht gewesen, ein toller Saisonauftakt: Der Spargel guckt drei bis vier Wochen früher als sonst üblich aus dem Boden und ist reif für die Ernte. Doch die Freude bei dem Neetzer Landwirt hält sich in engen Grenzen. Wegen der Corona-Krise sei die Lage bei ihm im Betrieb stattdessen ernst. „Mir fehlen Erntehelfer“, sagt er.

Rund 20 Saisonarbeiter zu wenig hat er jetzt bereits, 30 bis 40 werden es dann schon kommende Woche sein, wenn der Spargel mit jedem warmen Sonnenstrahl mehr Gas gibt und geerntet werden müsste. Und zwar tonnenweise. Der Bedarf an Helfern steigt daher täglich.

Auch treue Mitarbeiter sind nicht gekommen

„Für heute war die Ankunft von 20 Ungarn geplant. Doch wegen der Corona-Krise hat Ungarn seine Grenzen rigoros geschlossen, lässt niemanden mehr raus“, berichtete der Neetzer gestern. Statt bei ihm auf den Feldern sind die Helfer nun wieder bei sich zu Hause.

Die Grenzschließungen sind nur ein Grund für das Problem. Treue Mitarbeiter aus Polen, die bereits seit Jahrzehnten dem Neetzer Betrieb bei der Spargelernte helfen, sind fortgeblieben. „Aus Angst vor Ansteckung haben sie uns abgesagt.“

„Mein derzeitiger Plan ist, Leute aus Rumänien per Flugzeug zu uns zu holen.“ – Peter Strampe

Nun heißt es für Peter Strampe zu versuchen, eiligst Löcher zu stopfen. Die acht polnischen und zwei rumänischen Saisonarbeiter, die bereits seit Februar da sind, und nach Strampes Worten problemlos anreisen konnten, reichen nicht aus. Auch wenn sie gestern Verstärkung von zwei weiteren Helfern aus Polen erhalten haben. „Mein derzeitiger Plan ist, Leute aus Rumänien per Flugzeug zu uns zu holen“, berichtet er. Ausgang offen.

Hoffnung macht zudem, dass zwei Deutsche sich als Spargelstecher angeboten haben. In der Vergangenheit seien es eher wenige Einheimische gewesen, die bei der Ernte mithelfen wollten. „Aber ich versuche, in jeder Krise etwas positives zu sehen. Vielleicht ändert sich ja etwas und es setzt ein Umdenken ein“, meint Peter Strampe: „Wenn die Leute die leeren Supermarktregale sehen, beginnen sie hoffentlich darüber nachzudenken, wo die Ware herkommt, wer sie produziert und in unserem Fall, wer sie erntet.“

Noch herrscht Optimismus

Wie die jetzt beginnende Spargel-Saison für ihn endet, das weiß er beim besten Willen nicht. „Klar ist nur, dass sich die Leute auf Spargel freuen, Lust darauf haben“, sagt er. Nun hänge alles an der Frage, ob das Gemüse auf ihre Teller kommt.

„Bekomme ich genügend Erntehelfer, wird es den Spargel wie gewohnt überall geben: im Supermarkt, auf dem Wochenmarkt, im Hofladen. Denn überall dort darf er verkauft werden. Trotz aller Einschränkungen, weil der Lebensmittelverkauf ja weitergehen soll“, erklärt er.

Landwirt Peter Strampe glaubt, dass es mit der Spargelernte auch mit Corona-Krise und deren negativen Folgen klappen kann: „Alles wird gut“, gibt er sich trotz aller Probleme und derzeit noch offenen Fragen optimistisch.

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Von Stefan Bohlmann