Sonntag , 27. September 2020
Nicht alle Restaurant- und Hotelbetreiber reagieren in angemessener Art und Weise auf die Corona-Krise, Mitarbeiter werden unter Druck gesetzt. Foto: Adobe Stock

Wildwuchs in Betrieben

Lüneburg. Corona lässt die Gästezahlen in Restaurants und Hotels nach unten sausen, Betriebe müssen reagieren. Das tun aber nicht alle auf angemessene Art. So bestätigt Gewerkschaftssekretärin Manuela Schäffer, dass die Geschäftsleitung eines Lüneburger Hotels den Mitarbeitern die Pistole auf die Brust gesetzt haben soll: „Es hieß, wenn die Kollegen nicht einen Antrag auf Kurzarbeitergeld stellen, erhielten sie gar kein Geld mehr.“ Einer Kollegin sei per WhatsApp geschrieben worden, unterzeichne sie die Papiere nicht, werde sie fristlos entlassen. Dieses Vorgehen hält die Gewerkschaft NGG für rechtlich mehr als zweifelhaft: „Unmöglich.“ Um einen entsprechenden Antrag bei der Arbeitsagentur stellen zu können, brauche der Chef die Zustimmung der Betroffenen. Generell begrüßt die Gewerkschaftssekretärin das Kurzarbeitergeld: „Sinnvoll und hilfreich.“

Im Gewerkschaftshaus ist Kurzarbeitergeld ein großes Thema. Das sei „eine gute Sache, um Jobs zu retten“. Manuela Schäffer berichtet: „Ich kümmere mich seit drei Tagen um nichts anderes.“ Betroffen ist nach ihrem Eindruck die gesamte Gastronomie der Region: Restaurants, Hotels, Raststätten, Fast-Food-Ketten und zum Teil auch Bäckereien. Während die meisten Chefs gut mit ihren Leuten umgingen, gebe es andere, „bei denen läuft es chaotisch“.

Es trifft die gesamte Gastronomie der Region

Für Kollegen in den Lokalen, ihr Geld verdienen, sei es ein harter Schlag: „Das Kurzarbeitergeld beträgt nur 60 Prozent des Gehalts. Das ist bitter für Beschäftigte, die nicht zu den Spitzenverdienern gehören.“ Erschwerend komme hinzu, dass für Servicekräfte und Co. auch das Trinkgeld wegfalle – für viele eine feste Größe beim Einkommen.

Auch Lüneburgs DGB-Chef Matthias Richter-Steinke und den IG-Metall-Sekretär Lennard Aldag beschäftigt das Thema. „Da gibt es Wildwuchs. Gerade in kleineren Betrieben werden Mitarbeiter gezwungen, jetzt Urlaub zu nehmen“, schildert Aldag. Aus seiner Sicht ist ein Zwangsurlaub nicht mit dem Arbeitsrecht vereinbar. Wenn Arbeitgeber Urlaub aufgrund der Corona-Gefahr anordnen, solle sich der Arbeitnehmer eine schriftliche Begründung geben lassen: „Dann kann man das im Zweifel im Nachhinein klären.“

„Niemand sollte aus dem Stand etwas unterschreiben.“ – DGB-Chef Matthias Richter-Steinke

Aus anderen Betrieben kommen Meldungen ins Gewerkschaftshaus an der Heiligengeiststraße, Mitarbeiter bekommen neue, geänderte Arbeitsverträge vorgelegt, um so auf die Lage zu reagieren. Richter-Steinke warnt: „Niemand sollte aus dem Stand etwas unterschreiben. Die Kollegen sollten vorher prüfen lassen, worum es geht.“ Mitglieder können bei ihrer Gewerkschaft nachfragen, andere sollten zu einem Fachanwalt für Arbeitsrecht gehen und sich beraten lassen.

Beide betonen wie auch ihre Kollegin Schäffer, das Kurzarbeitergeld als hilfreich. Sie appellieren an Arbeitgeber aber, dass diese die Differenz zum Lohn ausgleichen sollten. In der Vergangenheit hätten viele Unternehmen gute Gewinne erzielt, daran sollten Belegschaften nun teilhaben. Gleichwohl sehen sie angespannte Lage einiger Betriebe, denen solle der Staat unter die Arme greifen.

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Von Carlo Eggeling