Freitag , 18. September 2020
Bei der Arbeitsagentur kommen viele Anfragen zum Thema Coronavirus. Foto: A/t&w

Lieferketten sind infiziert

Lüneburg. Manchmal hängt es an einem einzigen Teil, dass eine ganze Produktionskette stoppt und die Belegschaft quasi arbeitslos macht. „Die Autozulieferindustrie ist ein Beispiel“, sagt Bernd Wiechel, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes (AV) Lüneburg-Nordostniedersachsen. China liefert dieses wichtige Teil nicht, der Betrieb ist faktisch stillgelegt – ein Fall für Kurzarbeit. Auftragsengpässe durch das Coronavirus – in der Wirtschaft der Region ist das derzeit ein großes Thema. Das Telefon beim hiesigen Arbeitgeberverband an der Stadtkoppel läuft heiß, „die Mitgliedsbetriebe haben eine Vielzahl praktischer Fragen“, schildert Wiechel.

Auch bei der Arbeitsagentur häufen sich die Anfragen zu dieser Thematik. „Tatsächlich können krankheitsbedingte Lieferengpässe oder Schutzmaßnahmen bei Betrieben erhebliche Arbeitsausfälle verursachen“, sagt Agentursprecherin Jeanette Unterberger. Die Kitas sind zu, Mitarbeiter müssen deshalb zur Betreuung zu Hause bleiben oder befinden sich in Quarantäne – wohl in jeder Firma fehlen in dieser Woche Kollegen. Wie viele Anfragen es gibt, kann die Arbeitsagentur aktuell nicht beantworten, dazu habe sie aktuell keine belastbaren Zahlen.

Tourismus-, Gastronomie- und Hotelbranche besonders betroffen

Bei Kurzarbeit übernimmt der Staat Gehalt oder Teile davon bis zu einem gewissen Prozentsatz. Die Bundesregierung plant kurzfristig Erleichterung bei der Beantragung von Kurzarbeitergeld und Entlastungen der Arbeitgeber bei den Sozialversicherungsbeiträgen. Genaue Details und ihre Umsetzung würden erst noch bekanntgegeben, erklärt Unterberger.

Besonders betroffen vom Arbeitsausfall sind Betriebe aus der Tourismus- und Freizeitbranche, sowie der Gastronomie und dem Hotelgewerbe, schildert Wiechel. Betroffen davon seien große Arbeitgeber wie der Heidepark Soltau oder der Center Parcs in Bispingen. Aber es könne auch viele Hotels in Stadt und Landkreis Lüneburg treffen, da Touristen und Geschäftsleute ausblieben.

,In dieser Thematik wird gerade vieles in einen Topf geworfen“, weiß Wiechel: Kita-Schließungen und damit verbundene fehlende Kinderbetreuung auf der einen Seite, die Pflicht zur Arbeit zu erscheinen auf der anderen, dann ist da noch der Komplex Quarantäne – „wir haben jetzt ein Sonderrundschreiben an unsere Mitgliedsbetriebe mit den wichtigsten Antworten verschickt“.

Von Thomas Mitzlaff

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