Donnerstag , 1. Oktober 2020
Alexander sitzt allein in der Bibliothek und spielt mit Bauklötzen. Neben ihm: Schulleiter Hendrik Garbers. Foto: t&w

Die Einsamkeit in Schulen und Kitas

Lüneburg. Alexander hat seinen Schulleiter Hendrik Garbers ganz für sich allein. Der Neunjährige sitzt am Montagmittag allein in der Bibliothek, keines der anderen 300 Kinder ist in die Grundschule Im Roten Felde gekommen. Seit gestern gilt das Notfallprogramm, nur noch in Ausnahmefällen betreuen die Lehrer Schüler. Deren Eltern müssen in der allgemeinen Daseinsvorsorge tätig sein, einfach übersetzt, beide arbeiten etwa in medizinischen Berufen oder bei der Polizei. Gleiche Vorgaben gelten für Kindertagesstätten.

Alexander findet es ziemlich blöd, dass seine Freunde nicht da sind: „Es ist langweilig.“ Die Sendung mit der Maus, der Zusammenbau einer kniffeligen Murmelbahn, lesen und malen – irgendwann hat alles seinen Reiz verloren. Der Neunjährige freute sich: „Um eins holt mich Mama ab.“

„Es herrscht eine große Solidarität.“ – Schulleiter Hendrik Garbers

Schulleiter Garbers kann das gut verstehen, es sei etwas anderes, ob ein Lehrer mit zum Fußballspielen komme oder die Kumpels. Der 43-Jährige und seine Mitarbeiter müssen nur in wenigen Fälle eine Notbetreuung anbieten. In Alexanders Fall arbeitet die Mutter als Ärztin, bei anderen Kindern, die in den kommenden Tagen stundenweise untergebracht werden, seien Mütter und Väter als Polizisten gefordert. „Die Eltern versuchen alle etwas zu organisieren. Ich habe keinen bösen Anruf gehabt, alle sind bemüht. Es herrscht eine große Solidarität. Der Gedanke der Politik, Ansteckungsketten zu unterbrechen, wird ernst genommen.“

Die Lehrer hätten den Kindern Aufgaben mitgegeben, sodass sie zu Hause lernen und sich beschäftigen können. Das Kollegium selber arbeiten weitgehend zu Hause, um Konzepte zu entwickeln oder Kataloge zu erstellen. Sie sollen untereinander per Telefon oder Internet Kontakt halten. Garbers selber hat genug zu tun: „Mein Schreibtisch ist voll.“

Eltern reagieren verständnisvoll

In den Kindertagesstätten läuft es ähnlich. Gestern haben sich die Kolleginnen in den Kitas der Stadt auf die Notbetreuung vorbereitet. Am Heidkamp bilanzierte Leiterin Martina Kettner: „Wir haben wohl neun Kinder, die wir auf drei Gruppen aufteilen. Wir trennen das räumlich, je eine Erzieherin pro Gruppe macht etwas mit den Kindern.“ 140 Mädchen und Jungen fühlen sich sonst in der Kita wohl, betreut von 36 pädagogischen Kollegen, von denen einige in Teilzeit arbeiten, und sieben Beschäftigten in der Hauswirtschaft. Aufräumen, Berichte schreiben, Konzepte entwickeln, das steht erst einmal an. Was dann kommt? „Ich plane eine Woche im Voraus, dann müssen wir sehen.“ Auch Martina Kettner berichtet davon, dass Eltern verständnisvoll und ohne Vorwurf reagiert haben.

Eine ähnliche Erfahrung hat Elisabeth Ritter gemacht, sie leitet die evangelische Kita der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Neu Hagen mit 85 Kindern: „Wir betreuen niemanden, weil die Eltern nicht in die Gruppe fallen.“ Auch bei ihr standen Besprechungen an. Die Personalplanung sei eh schwierig. Eine der Mitarbeiterinnen haben jemanden im Bekanntenkreis, de rmöglicherweise infiziert sei: „Die Kollegin kommt nicht zu uns.“

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Von Carlo Eggeling