Montag , 28. September 2020
Diese aktualsierte Außenansicht der Arena verbreitete der Landkreis in der vorigen Woche. Foto: Landkreis Lüneburg, bloomimages

Behinderte nur als Besucher

Lüneburg. „Wir haben das Projekt als Scherbenhaufen übernommen und bemühen uns, die Scherben zusammenzusetzen.“ Es ist ein Satz von Hans-Richard Maul, der so vieles erklärt, aber eigentlich unbegreiflich ist. Denn die Planung der Arena Lüneburger Land ist dem Landkreis nicht über dunkle Kanäle vor das alte Michaeliskloster gelegt worden, noch hat er es auf einer Resterampe ersteigert. Vielmehr entzog der damalige Landrat Manfred Nahrstedt im vorigen Frühjahr die Projektleitung seinem Stellvertreter, dem Ersten Kreisrat Jürgen Krumböhmer (beide SPD).

Seit 1. Mai 2019 setzen Projektleiter Maul und sein Team die im eigenen Hause produzierten Scherben zu der Millionen um Millionen teurer gewordenen Sport- und Eventhalle zusammen. Wie kompliziert das ist, wurde am Freitag im Hochbauausschuss einmal mehr deutlich.

„Ernstzunehmende Pläne“ erst nach sechs Monaten

Dass der Behindertenbeirat in das Projekt gar nicht eingebunden war, ist Maul und Co. nach eigenem Bekunden im vorigen Jahr erst am 19. August deutlich geworden. Noch an dem Tag verließ ein erstes Schreiben an den Interessenverband das Kreishaus. „Ernstzunehmende Pläne“, wie Beiratsvorsitzender Jörg Kohlstedt es formuliert, habe dieser dann am 10. Februar erhalten. „Das hätte schneller gehen können“, kommentiert er diese Zeitspanne von sechs Monaten.

Ziemlich schnell war dann Kohlstedt. Keine zwei Wochen brauchte er für eine 18 Seiten umfassende Mängelliste. Maul, der um die Arena zu retten seinen Ruhestand um ein Jahr verschoben hat, lieferte danach in der gleichen Zeitspanne eine Übersicht, die erhellend ist: Bei vielen Punkten, die der Beirat moniert, liegt die Planung noch nicht vor, werden Punkte noch geprüft beziehungsweise sind offen und sollen geklärt werden.

Maul weiß um die Situation und weiß sie am Freitagnachmittag im Hochbauausschuss auch zu entschärfen. „Es mag der Eindruck entstanden sein, dass Unterlagen vorhanden seien und wir auf Zeit spielen wollen. Das ist mitnichten der Fall“, betont er und verspricht: „Wir legen die Dinge vor, die wir entsprechend vorlegen können.“

Doch den größten Konflikt löst Maul damit nicht. Den hat er von seinem Vorgänger übernommen: Der zunächst als Profi-Sporthalle und für gelegentliche Veranstaltungen konzipierte Bau wurde vor fast drei Jahren – mit Zustimmung des Kreistages – in eine multifunktionale Sport- und Veranstaltungshalle umgewandelt. Schul- und Breitensport ist demnach nur noch mit Einschränkungen möglich.

Behindertenbeirat bietet seine Mitarbeit an

Und so schreibt der Projektleiter zum bemängelten Fehlen eines auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung abgestimmten Nutzungs- und Betriebskonzepts: „Ist nach der Zielkonfiguration nur für Behinderte als Besucherinnen/Besucher von Veranstaltungen relevant. Seitens des Projektteams wurde eine bestehende Planung übernommen.“

Eine Halle ohne Behindertensport? In der bei einem Uni- oder Schulsportfest Menschen mit Handicap nicht aktiv werden können? Kohlstedt nennt das ein „No Go“. Und der Vorsitzende des Behindertenbeirates weist die Mitglieder des Hochbauausschusses auf die Baugenehmigung für die Halle hin. Die sei nach der für öffentliche Bauten geltenden Norm 18040 erfolgt – und die regelt, dass behinderte Menschen sich dort ohne fremde Hilfe barrierefrei bewegen können müssen.

„Wir finden da Lösungen“, betont der Beiratsvorsitzende. Umkleidekabinen oder die Wände der Büroräume könnten jetzt im Rohbau noch problemlos angepasst werden. „Wir bieten da unsere Mitarbeit an“, sagt Kohlstedt, der als Architekt mit größeren Projekten vertraut ist.

Ganz so einfach ist dies nicht in allen Fällen, muss der Projektleiter einräumen. Denn selbst bei den vorhandenen Plänen sei nicht alles richtig eingezeichnet. „Da ist nicht überall Trockenbau, wo Sie das lesen können“, sagt Maul, „die Zeichnungen sind in einigen Punkten nicht aktuell.“

„Eierköpfe“-Vorwurf sorgt für Widerspruch

„Wir haben viele Dinge auch im Nachhinein falsch gemacht“, räumt Hinrich Bonin (SPD) ein. Als der erklärte Arena-Befürworter dies damit begründet, dass „die Mehrheiten immer sehr knapp gewesen sind“ und einige Kritiker – namentlich Michael Gaus und Detlev Schulz-Hendel (beide Grüne) – als „Eierköpfe“ tituliert, weist ihn CDU-Fraktionschef Günter Dubber zurecht: „So geht es nicht, Hinrich. Die Fehler haben nicht die Kritiker gemacht.“

Was jetzt noch geht, soll am Donnerstag in der nächsten Sitzung des Fachausschusses (15 Uhr, Kreishaus, Auf dem Michaeliskloster 4) besprochen werden. Und was es kostet.

Von Marc Rath