Dienstag , 20. Oktober 2020
Die LZ-Leser Rudolf Wieland und Sabine Dippner haben während ihrer Woche des Klimafastens besonders auf klimafreundliches Heizen geachtet. Das Ehepaar hat zum Beispiel verstärkt auf seinen Kachelofen gesetzt, den auch Hund Gino mag. Foto: t&w

Thermostat runter, Kamin an

Vögelsen. 320 Punkte. Pro Kopf. Und das trotz Ökostrom, Elektroauto, Photovoltaikanlage und Brennwertkessel. Die Internetseite „Ein guter Tag hat 100 Punkte“, die jedem Nutzer 6,8 Kilogramm CO₂-Ausstoß pro Tag gönnt und das in 100 Punkte umrechnet, zeigt sich wieder von ihrer unbarmherzigen Seite. Wer mehr als 6,8 Kilogramm CO₂ – also 100 Punkte – verbraucht, konsumiert nicht mehr mit einer ausgeglichenen CO₂-Bilanz, also zulasten der Erde.

Das Leben in Deutschland hat seinen Preis: Allein 29 Punkte pro Kopf laufen bereits für den öffentlichen Konsum auf. Dann kommen die Punkte für die Herstellung von unserem Haus und Auto, verteilt über die Nutzungsdauer, sowie die Konsumgüter von elektrischen Geräten bis hin zur Bekleidung dazu. Damit liegen wir bereits bei 120 Punkten. Dabei haben wir noch nicht geheizt, gegessen oder getrunken oder sind irgendwo hingefahren. Das dazugerechnet, liegen wir bei 320 Punkten pro Kopf und pro Tag für das Jahr 2019. Immerhin noch unterhalb des deutschen Durchschnitts: Der liegt bei 450 Punkten pro Einwohner.

Einsparen beim Heizen und bei der Ernährung

„Gute Tage“ können wir aber so in der Klimafastenzeit nicht erreichen. Aber es geht ums Einsparen – und nicht allein um das Ziel, 100 Punkte einzuhalten. Also nehmen wir uns vor, da zu sparen, wo wir auch effektiv Einfluss nehmen können. Dies betrifft das Heizen und die Ernährung.

Eine Woche vor der Fastenwoche haben wir den Gasverbrauch und die Punkte für unsere Essgewohnheiten erfasst. Bei einstelligen Außentemperaturen kamen wir beim Heizen auf 130 Punkte pro Kopf, bei der Ernährung waren es im Schnitt 50, plus 20 für unseren Hund Gino.

Zur Reduzierung des Gasverbrauches mussten wir also unsere Heizgewohnheiten verändern. Die Thermostatventile an den Heizkörpern (außer im Bad) haben wir auf 14 Grad eingestellt und von etwa morgens 8 Uhr bis abends 22 Uhr das Haus mit dem Kaminofen beheizt – klimaneutral mit einheimischem Holz. Im Wohnzimmer war es tagsüber eher zu warm und in den Zimmern im Obergeschoss mit 16 Grad zum langen Verweilen zu kalt. Geht aber alles, wenn man nur seine Gewohnheiten anpasst. Für das Schlafzimmer sind die Temperaturen hinreichend, statt im Arbeitszimmer haben wir am Esstisch unsere Schriftsachen erledigt.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Wir haben 50 Prozent Gas eingespart, was 65 Punkten entspricht. Den Kaminofen als Dauerlösung sehen wir aber nicht, da der damit emittierte Feinstaub nicht unerheblich ist. Die Veränderung hinsichtlich der gewählten Temperaturen in den Räumen werden wir jedoch beibehalten – und uns zügig ein Angebot für eine Solarthermieanlage einholen.

Weintrauben aus Indien gehen natürlich nicht

Veränderungen bei der Ernährung haben wir uns leichter vorgestellt. Da Fleisch, Wurst, Butter und Käse hohe Punktwerte beitragen, wollten wir die Woche möglichst vegan leben. Also auf zum Händler, um viel Gemüse und Obst einzukaufen. Um den CO₂-Fußabdruck niedrig zu halten, müssen die Transportwege kurz sein, die Lebensmittel sollten außerdem nicht aus beheizten Gewächshäusern stammen.

Wir waren sehr erstaunt über die Herkunftsländer: Bohnen aus Kenia, Hokkaido-Kürbis aus Argentinien, Weintrauben aus Indien und Clementinen aus Israel. Geht gar nicht. Blumenkohl und Tomaten aus Gewächshäusern in Holland und Spanien landeten nur widerwillig in unserem Einkaufswagen. In dieser Jahreszeit auf heimisches Gemüse zu setzen, mag für eine Woche gehen. Pastinaken, Möhren, Kohlrabi und Kartoffeln geht mal für ein paar Tage, länger wohl nicht. Grünkohl vegan ist für uns auch keine Lösung. Für veganen Joghurt sind unsere Geschmacksnerven nicht ausgelegt. Wir haben in der Woche auch bei der Ernährung zwar die Punkte halbiert. Zukünftig weniger Fleisch und Käse nehmen wir uns zu Herzen. Veganer werden wir aber nicht.

Dass wir in der Woche mit dem Stornieren unserer Italienreise einen guten Beitrag zur CO₂ Reduzierung erreicht haben, war aber nicht der Fastenwoche geschuldet.

Von Sabine Dippner und Rudolf Wieland

 

Den ersten Teil der Serie gibt es hier zu lesen.