Dienstag , 27. Oktober 2020
Weil sich ein Lehrer infiziert hat, werden sämtliche Schüler und das Personal des Lüneburger Gymnasiums zu Hause isoliert. Foto: A/t&w

Mitarbeiter und Schüler des Johanneums unter Quarantäne

+++ Update: 16. März, 18.30 Uhr

Am Sonntag hatten Hansestadt und Landkreis eine gemeinsame Pressemitteilung zum Corona-Fall am Johanneum herausgegeben (siehe Update vom 15. März, 13 Uhr), in der Angehörigen der Schüler und Mitarbeiter „dringend“ dazu geraten wurde, „aufmerksam den Gesundheitszustand zu verfolgen und die Öffentlichkeit zu meiden“. In der jüngsten Pressekonferenz und auch in der Mail, die das Gesundheitsamt heute, Montag, über die Schulleitung an die Eltern hat verschicken lassen, wurde diese Aussage der Verwaltung deutlich abgemildert. „Die Quarantäne gilt ausdrücklich nur für die in den Schreiben genannten Personen, nicht für deren Haushalts-/Familienangehörige. Eltern, Geschwister, möglicherweise zu Besuch gewesene Freunde und Bekannte fallen nicht darunter und können sich frei bewegen“, ist darin zu lesen. Die Öffentlichkeit meiden sollen nur diejenigen, die selbst oder deren Kinder Symptome zeigen.

Das Gesundheitsamt hat mit der Mail ein Schreiben verschickt, in dem es um Verhaltensregeln in der Quarantäne geht.

+++ Update: 16. März, 11.50 Uhr

Hat sich der Lehrer des Johanneums gar nicht in Tirol angesteckt? Die Fahrt in die jüngst zum Risikogebiet erklärte Ski-Region liegt jedenfalls sehr viel länger zurück, als es bisher den Anschein hatte. Ulrike Lindemann, Schulleiterin des Johanneums, ist nicht glücklich über die Darstellung des Gesundheitsamtes im Fall der Schul-Quarantäne. „Der Ski-Kurs des 12. Jahrgangs in Tirol fand vom 24. Januar bis zum 3. Februar statt. Das habe ich dem Gesundheitsamt auch so mitgeteilt. Die verkürzte Rückbeziehung der Quarantäne-Maßnahme auf die Tirolfahrt ist für mich nicht nachvollziehbar.“

Die Quarantänemaßnahme für das Johanneum gelten auch nicht nur für Schüler und Lehrer, sondern für das gesamte Personal, etwa Sekretariat und Hausmeister. Die vom Bernhard-Riemann-Gymnasium abgeordneten Lehrer sind informiert, sie stehen nicht unter Quarantäne, dürfen aber auch nicht mehr in ihre Schule und können somit dort auch die Notfallversorgung nicht aufrechterhalten. „Von anderen Schulen wurde niemand zu uns abgeordnet“, sagt Lindemann.

Der Schulleiter der IGS Embsen hat sich an die Eltern gewandt, die folgende Mitteilung auch auf der Homepage veröffentlicht: „Aufgrund der Tatsache, dass dauerhaft Kollegen aus dem Johanneum bei uns im Einsatz waren und sind – und – jetzt alle Schüler und Lehrer des Johanneums anlassbezogen in Quarantäne sind, ist aus Sicht des Gesundheitsamtes die IGS Embsen mit ihrem Personal nicht geeignet, eine Notbetreuung anzubieten. Die Notbetreuung kann daher an der IGS Embsen nicht angeboten werden.“

 

Lüneburg. Die gesamte Belegschaft und alle Schülerinnen und Schüler des Lüneburger Johanneums werden häuslich isoliert. Das hat am Sonntagmittag das Gesundheitsamt des Landkreises Lüneburg entschieden. Der Auslöser: Bei einer Lehrkraft des städtischen Gymnasium wurde der Virus nachgewiesen und das Gesundheitsamt hat Erkenntnisse darüber, dass diese Person gemeinsam mit einer weiteren Lehrkraft und einer Schulklasse in Tirol war.

Aufgrund dieses größeren Kreises um die erkrankte Person hat das Gesundheitsamt des Landkreises Lüneburg entschieden, die gesamte Belegschaft und alle Schülerinnen und Schüler häuslich zu isolieren. „Wir haben die Schulleitung über diesen Schritt informiert, sie hat ein entsprechendes Schreiben an die Betroffenen weitergeleitet“, sagt Yvonne Hobro, Leiterin des Fachbereichs Soziales. „In diesem Schreiben ist genau erklärt, wie im Fall von Krankheitssymptomen vorgegangen werden muss.“ Sie rät dringend auch den Angehörigen, aufmerksam den Gesundheitszustand zu verfolgen und die Öffentlichkeit zu meiden. Die Quarantäne gilt – sofern keine Symptome festgestellt werden – bis voraussichtlich zum 25. März. Am Johanneum werden mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, rund 100 Lehrkräfte arbeiten dort.

Die Frage, wieso nicht auch die Familien unter Quarantäne gestellt werden, beantwortet Gesundheitsamtsleiterin Dr. Marion Wunderlich so: „Normalerweise verfahren wir bei einem bestätigten Fall so, dass die Kontakte ermittelt werden und die Angehörigen ebenso wie der Betroffene unter Quarantäne gestellt werden. Beim Johanneum ist es jetzt so, dass es sich um einen sehr großen Kreis handelt, der involviert ist und dadurch die Abfragen wesentlich langwieriger sind. Deshalb raten wir vorsichtshalber auch den Angehörigen dazu, die Öffentlichkeit zu meiden und auch den eigenen Gesundheitszustand genau zu beobachten.“ Es ginge also auch darum, das soziale Leben herunterzufahren.

Wohnung nicht verlassen, keinen Besuch empfangen

Aus dem Elternbrief geht hervor, was häusliche Quarantäne eigentlich genau bedeutet: „Es ist Ihrer Tochter/Ihrem Sohn in dieser Zeit untersagt, Ihre Wohnung ohne ausdrückliche Zustimmung des Gesundheitsamtes zu verlassen. Ferner ist es Ihrer Tochter/Ihrem Sohn in dieser Zeit untersagt, Besuch von Personen zu empfangen, die nicht Ihrem Haushalt angehören.“

Und es gibt weitere Anordnungen, die ein Isolierter einzuhalten hat, zum Beispiel: zweimal täglich die Körpertemperatur messen, täglich ein Tagebuch zu Symptomen, Körpertemperatur, allgemeinen Aktivitäten und Kontakten zu weiteren Personen führen. Außerdem sollen folgende Hygieneregeln beachtet werden: „In Ihrem Haushalt soll Ihre Tochter/Ihr Sohn nach Möglichkeit eine zeitliche und räumliche Trennung von den anderen Haushaltsmitgliedern einhalten.“ Mahlzeiten sollten also beispielsweise nicht gemeinsam, sondern nacheinander eingenommen werden.

„Beim Johanneum ist es jetzt so, dass es sich um einen sehr großen Kreis handelt, der involviert ist.“ – Dr. Marion Wunderlich

Bei der positiv getesteten Person handelt es sich um eine Lehrkraft, die in einem Nachbarkreis wohnt und daher dort auch statistisch festgehalten wird.  Die Gesundheitsämter der beiden Landkreise stimmen sich bei den Maßnahmen ab. Die Person ist häuslich isoliert und zeigt einen milden Krankheitsverlauf.

Die Schule bleibt unabhängig vom beschriebenen Fall mindestens bis zum 18. April 2020 geschlossen, es kann also auch keine Notbetreuung an der Schule stattfinden. Ansprechpartner für Notbetreuung an Schulen ist die Landesschulbehörde. Die dortige Hotline für Notbetreuung an Schulen ist am Sonntag (15. März) bis mindestens 14 Uhr, bei Bedarf auch länger erreichbar: (04131) 15-2222. ap

 

  • Das Bürgertelefon zum Corona-Virus ist unter der (04131) 26-1000 zu erreichen.
  • Über den aktuellen Stand zum Coronavirus in Lüneburg und Umgebung informieren wir Sie hier.
  • Eine Übersicht über alle Veranstaltungen, die in Lüneburg und Umgebung ausfallen, finden Sie hier.