Mittwoch , 23. September 2020
Noch sind die Schwimmbecken im Adendorfer Freibad leer, in den nächsten Wochen sollen sie wieder gefüllt werden. Wohl im nächsten Jahr soll dann die große Sanierung beginnen. (Foto: be)

Geldregen für Adendorfs Freibad

Adendorf. „1,251 Millionen“ – eine reichlich krumme Zahl, die für die Verantwortlichen in Adendorf aber wie Musik in ihren Ohren klingt: Genauso viele Euro nämlich soll die Gemeinde aus dem Bundesförderprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ bekommen, um damit ihr Freibad gründlich zu sanieren.

„Mit dem Fördergeld können wir unser Freibad für die Anforderungen der Zukunft fit machen“, freut sich Bürgermeister Thomas Maack (SPD) über die millionenschwere Nachricht aus Berlin. Die Förderrichtlinien sehen vor, dass die Kommunen 55 Prozent der anstehenden Investitionen selbst stemmen sollen, 45 Prozent schießt der Bund zu.

Durchschnittlich 80 000 Besucher

Für Adendorf heißt das konkret: Insgesamt 2,78 Millionen Euro werden in den nächsten Jahren investiert. Das Freibad am Scharnebecker Weg wird im Durchschnitt von 80 000 Besuchern in jedem Sommer genutzt, sogar 135 000 waren es im Rekordsommer 2018. Dabei ist das Bad weit über die Gemeindegrenzen hinaus beliebt: Rund 44 Prozent der Besucher kamen nach einer Erhebung von 2016 aus Adendorf, 21 Prozent aus Lüneburg, knapp 13 Prozent aus Scharnebeck, die restlichen 22 Prozent aus dem weiteren Umkreis.

Gemeinde Radbruch geht leer aus

Kein Geld für neue Sportanlagen

So groß die Freude über den Geldsegen aus Berlin in Adendorf war, so groß war die Enttäuschung in Radbruch: Auch die Gemeinde hatte sich um die Aufnahme in das Förderprogramm beworben. Weil der TSV Radbruch durch Kündigung des Pachtvertrages für seine Sportflächen seine jetzige Heimat verliert, plant er an anderer Stelle einen kompletten Neubau der Sportanlagen.
„Für die Sportler des TSV Radbruch, die ein tolles Konzept für die Neuanlage vorgelegt haben, ist es bitter und tut es mir leid“, erklärte der Lüneburger Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols.

So beliebt das 1974 eröffnete Bad ist, so ist es in manchen Bereichen doch in die Jahre gekommen. Ein Schwerpunkt der jetzt kommenden Sanierung soll die Erneuerung der „Beckenköpfe“ sein, der Kantenbereiche der Becken. Äußerlich sehen die meisten Fliesen dort zwar gut aus, darunter befinde sich aber in weiten Bereichen maroder Beton, erklärt der stellvertretende Betriebsleiter Melvin Diekjobst.

Vorgesehen ist auch die Sanierung des 46 Jahre alten Kassen-, Sanitär- und Umkleidebereichs. „Wenn günstiger“, so heißt es in der Projektskizze der Gemeinde, sei „alternativ auch ein Ersatzbau“ möglich. Zu wenige Duschgelegenheiten, Umkleiden mit dem Charme der 1980er-Jahre und ein Dach, das nicht immer dicht ist, bestimmen den Bereich.

„Wie müssen jetzt noch auf den offiziellen Förderbescheid warten.“
Holger Schölzel, Fachbereichsleiter

Weiter von der Gemeinde vorgesehen sind die Erneuerung der Solaranlage, die Sanierung der Sprungturmanlage, die Barrierefreiheit im Eingangs- und Durchschreitebereich zu den Schwimmbecken sowie Garten- und Landschaftsarbeiten. „Wir müssen jetzt noch auf den offiziellen Förderbescheid warten“, sagt der zuständige Fachbereichsleiter Holger Schölzel.

Insgesamt wurden aus dem Förderprogramm des Bundes bisher 284 Projekte im Umfang von 540 Millionen Euro finanziert. Jetzt gab der Haushaltsausschuss des Bundestags noch einmal 200 Millionen Euro für weitere 120 Projekte frei. „Von denen sind sieben in Niedersachsen“, berichtet Lüneburgs Bundestagsabgeordneter Eckhard Pols (CDU). Mit den Millionen unterstütze der Bund in ganz Deutschland Städte und Gemeinden, um Sport-, Jugend- und Kultureinrichtungen vor Ort „zu zukunftsträchtigen Begegnungsstätten“ zu machen.

Für das Förderprogramm hatte sich die Gemeinde Adendorf schon im Sommer 2018 einmal beworben. Einen Bedarf in Höhe von etwa 2,78 Millionen hatte die Gemeindeverwaltung für das Bad errechnet und eingereicht. Auf 100 Millionen Euro war das Bundesprogramm damals zunächst ausgelegt, wegen des großen Interesses wurde der Fonds dann auf 200 Millionen Euro aufgestockt. Von 460 eingereichten Anträgen mit einem Antragsvolumen von 1,3 Milliarden Euro wurden am Ende gerade einmal ein Sechstel, also etwa 75, bewilligt. Adendorf war nicht dabei, ging Anfang dieses Jahres erneut ins Rennen. Das Förderprogramm war ursprünglich 2015 initiiert worden und soll die vielerorts in Deutschland in die Jahre gekommenen Hallen, Sportplätze und Schwimmbäder wieder für den derzeitigen Bedarf fit machen. Durch die verbesserten Sporteinrichtungen sollen nicht nur das Angebot für Kinder und Erwachsene im Breitensport ausgebaut werden, sondern es soll auch ein Beitrag zu kommunalem, sozialem Zusammenhalt geleistet werden.

Der Zeitplan für die Sanierung des Adendorfer Bads sieht für das laufende Jahr die notwendige Feinplanung vor, ab 2021 sollen die geplanten Arbeiten in mehreren Schritten durchgeführt werden. Die Öffnung des Freibads ist in diesem Jahr für Sonntag, 3. Mai, vorgesehen.

Dafür, dass Geld aus dem Bundesförderprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ nach Adendorf fließt, hatte die Gemeinde im Vorfeld auch die Bundestagsabgeordneten der Region angeschrieben und um Unterstützung gebeten.

Eckhard Pols hatte Bürgermeister Maack Anfang dieser Woche auf die frohe Botschaft vorbereitet. Mit den Mitteln solle „der langfristige Erhalt des Freibades in sichere Bahnen gelenkt werden“, erklärte Kirsten Lühmann (SPD).

Victor Perli (Linke) hatte im Sommer 2019 das Freibad besucht und Unterstützung zugesichert. „Die Fördergelder sind eine gute Nachricht für die Attraktivität von Adendorf und die Menschen vor Ort“, erklärte Ulla Ihnen (FDP).

Von Ingo Petersen