Sonntag , 27. September 2020
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat Senioren dazu aufgerufen, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen. Einen Impfschutz gegen das Coronavirus gibt es noch nicht. Foto: Adobe Stock

Die drei tödlichen Gefahren

Lüneburg. Was kann jeder Einzelne neben sorgfältiger Hygiene tun, um sich bestmöglich vor einer Corona-Erkrankung zu schützen? Die LZ sprach mit dem Lüneburger Impfexperten Dr. Sebastian Graefe.

Herr Graefe, vor zwei Wochen haben Sie gesagt, für die Menschen hier in Lüneburg sei aktuell die Grippe noch die größere Gefahr. Wie ist der Stand heute?

Dr. Sebastian Graefe: Von den Fallzahlen her ist das nach wie vor so. Wir haben zahlreiche Grippe-Fälle, aber bislang nur einen bestätigten Corona-Fall. Natürlich kann sich das sehr schnell ändern. Wie schnell die Grippewelle jetzt abebbt, hängt entscheidend davon ab, wann es wärmer wird. Aber unter dem Strich klingt sie aus. Beim Corona-Virus haben wir bekanntlich gerade die gegenteilige Entwicklung.

Einen Impfschutz gegen das Corona-Virus gibt es noch nicht, stattdessen hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Senioren jetzt aufgerufen, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen. Warum?

Eine Pneumokokken-Impfung hilft zwar nicht gegen das Corona-Virus. Aber wir haben es derzeit mit drei Gefahren zu tun, die gerade Senioren oder Menschen mit einer Vorerkrankung schwer erkranken lassen oder sogar zum Tod führen können. Da ist zum einen das Corona-Virus selbst, zum zweiten die Grippe und zum dritten eine durch Pneumokokken ausgelöste Lungenentzündung, die häufig im Zusammenhang mit einer Grippe auftritt. Und gegen letztere ist die Pneumokokken-Impfung. Die Kombination Corona plus Lungenentzündung und/oder Grippe wird also vermieden. Die Impfung schützt allerdings nicht gegen eine Lungenentzündung, die direkt vom Corona-Virus ausgelöst wird.

Die Grippewelle selbst klingt doch jetzt ab?

Aber sie wird nächsten Winter wiederkommen und wir hätten dann die gleichen drei Probleme: eine womöglich schwerere Grippewelle samt Lungenentzündung plus Corona. Deswegen sind die Impfungen gegen Lungenentzündung und Grippe jetzt wichtiger denn je.

Wieso folgt auf eine Grippe häufig eine Lungenentzündung?

Durch die Grippeviren wird die Lunge geschädigt. Die dort ohnehin vorhandenen Pneumokokken vermehren sich stark und lösen eine bakterielle Lungenentzündung aus.

Wer kann sich gegen Pneumokokken impfen lassen?

Diese Impfung, die vor dem häufigsten Erreger der Lungenentzündung schützt, gibt es schon lange und ist eine Kassenleistung. Vielen Menschen ist das aber gar nicht bekannt. Sie wird empfohlen ab dem 60. Lebensjahr oder für Personen mit einer Grunderkrankung. Es gibt übrigens zwei Impfstoffe: Einen für Erwachsene und einen für Kinder schon ab dem ersten Lebensjahr. Bei Menschen mit Grunderkrankungen kann man auch beide Impfstoffe im Abstand von sechs Monaten verabreichen, um den Schutz noch breiter aufzustellen.

Wie lange ist man durch eine Impfung geschützt?

In der Regel fünf bis sechs Jahre, bei Personen mit bestimmten Grunderkrankungen wird zwei Mal im Abstand von sechs Monaten geimpft. Streng genommen schützt die Impfung übrigens nicht vor einer Lungenentzündung direkt, sondern vor den Komplikationen wie Blutvergiftung oder schwere Systeminfektion, die die schweren Krankheitsverläufe verursachen.

Von Thomas Mitzlaff

 

Mehr zum Thema Coronavirus lesen Sie hier