Montag , 21. September 2020
Bei der Pflege von Senioren ist Nähe unvermeidlich. Die Mitarbeiter der hiesigen Heime aber sind entsprechend sensibilisiert, fast überall gibt es einen Plan für den Fall der Fälle. Foto: Adobe Stock

„Panik wäre ein schlechter Ratgeber“

Lüneburg. „Wir sind ohnehin immer adrenalingesteuert, da setzt das Coronavirus nur noch einen drauf.“ Andrea Peters, Leiterin des Lüneburger Seniorenheims Lüner Hof, spricht aus, was in den meisten Heimleitungen derzeit gedacht wird. Während „in Süddeutschland schon Heime um Hilfe betteln“, wie Andrea Peters weiß, ist der Seuchenzug in der Region noch eine Sache der Planung. Und geplant wird derzeit in den Lüneburger Senioren- und Pflegeheimen, wie eine stichprobenartige Umfrage der LZ ergab.

Der Pandemie-Plan im Lüner Hof sieht nach Anweisung des Landkreises unter anderem vor, dass Besucher aus „Risikogebieten“ tunlichst das Haus nicht betreten sollen. Andrea Peters will „so wenig Unruhe wie möglich“ aufkommen lassen, dennoch will sie derzeit nach Möglichkeit „keine neuen Bewohner aufnehmen“.

Sabine Andersen, Leiterin des Posener Altenheims, hat bereits eine Geburtstagsfeier abgesagt, zu der Angehörige aus Nordrhein-Westfalen und Hamburg anreisen wollten. „Da unsere Bewohner Einzelzimmer haben, wäre die Durchführung von Quarantänen kein Problem“, sagt sie. Das Heim habe mehr Lebensmittel und Hygieneartikel als üblich gebunkert. Sollte das Coronavirus das Heim entern, dürften Mitarbeiter mit chronischen Atemwegserkrankungen zu Hause bleiben. Ein generelles Besuchsverbot plant die Einrichtung nicht. „Wir haben die Sorge, dass das nur Hysterie auslöst.“

„Unsere Bewohner sind sehr selbstbestimmt, die gehen unter Menschen.“ – Heimleiterin Katja Putensen

Katja Putensen leitet das Domicil Seniorenheim im Roten Feld. „Wir haben am Dienstagabend alle wohnbereichsübergreifenden Gemeinschaftsveranstaltungen abgesagt.“ Auch die Jahresversammlung des Freundeskreises Hospiz fiel dem Virus zum Opfer. Damit folge man einer Empfehlung des städtischen Gesundheitsamtes. Besuchseinschränkungen würden nicht viel bringen. „Unsere Bewohner sind sehr selbstbestimmt, die gehen unter Menschen.“ Zur Domicil-Gruppe zählen rund 40 Einrichtungen. Deswegen sieht sich Katja Putensen gut vorbereitet: „Es gibt ein eigenes Domicil-Pandemie-Team. Bei Material- oder Personalengpässen könnten sich die Einrichtungen gegenseitig unterstützen.

Wie auch in allen anderen Einrichtungen seien derzeit auch in der GBS-Seniorenresidenz Umarmungen eher unerwünscht, sagt die Leiterin Andrea Petrick. „Das Personal ist geschult. Wir haben nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes auch Schutzkleidung vorrätig.“ Da die Bewohner in eigenen Appartements leben, dürften auch mögliche Quarantänefälle handhabbar sein.

Verbreitet scheint in den Heimleitungen die Zuversicht, gestählt durch Herausforderungen der Vergangenheit wie Norovirus-Fälle. „Panik wäre ein schlechter Ratgeber“, sagt deshalb auch Katja Putensen vom Domicil.

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Von Joachim Zießler