Dienstag , 29. September 2020
Clara Bökelheide (l.) und Maxime Frey sind schon auf der Suche nach geeigneten Flächen. Foto: phs

Lücken füllen mit Kunst

Lüneburg. In drei Monaten ist es wieder so weit: Die Mensawiese verwandelt sich zum Schauplatz des lunatic-Festivals. Bands treten auf, Künstler präsentieren ihre Werke, Initiativen stellen sich vor und einiges mehr. Damit im Juni alles rundläuft, sind die Vorbereitungen bereits in vollem Gang. Eine studentische Gruppe hat eine besondere Idee, wie sie sich auf das lunatic vorbereiten will.

Clara Bökelheide, Maxime Frey und Pauline Hagen bilden das Kunst-Team in der Organisation des Festivals. Sie suchen die Künstler aus, die das Gelände optisch gestalten werden, und planen deren Ausstellungen. Weil das diesjährige Festival-Motto „Räume“ zum Ausdruck gebracht werden soll, kamen die Studentinnen auf eine Idee: „Wir haben uns Gedanken über Leerstände in der Innenstadt gemacht. Wir sehen immer wieder Lücken und dachten uns, dass es schöner wäre, wenn da etwas los wäre“, erzählt Frey.

Leerstehende Gewerbeflächen bespielen

Ihr Konzept nennen die Studentinnen „kreative Zwischenraumnutzung“. Als Vorveranstaltung des Festivals planen sie, für ein Wochenende eine leerstehende Gewerbeimmobilie künstlerisch zu bespielen. „Wir stellen uns beispielsweise vor, an einem Tag eine Kunstausstellung mit einer Vernissage zu machen, am zweiten Tag vielleicht eine Lesung oder eine Diskussion und am dritten Tag ein kleines akustisches Konzert“, erklärt Clara Bökelheide. Fest stehe das Programm noch nicht, aber vielseitig solle es werden und mit dem Thema „Räume“ zu tun haben.

Ziel der Gruppe sei es, auch die Menschen in der Stadt anzusprechen, die normalerweise nicht auf das Lunatic-Festival gehen. Außerdem sehe sie die Vorveranstaltung als Übung: „Das ist für uns ein Erfahrungsgewinn im Team. Wir merken, ob wir gut zusammenarbeiten können“, sagt Bökelheide. Eingenommene Spenden und Eintrittsgelder würde das Team zur Finanzierung des Projekts und bei Gewinn zur Realisierung des Festivals verwenden.

„Wir haben in Lüneburg Luxusleerstände. Zum größten Teil verlangen die Vermieter zu viel Geld.“ – Heiko Meyer, LCM-Vorsitzender

Aktuell sind die Studentinnen noch auf der Suche nach einem leerstehenden Geschäft, das sie nutzen können – keine leichte Aufgabe. Clara Bökelheide erzählt: „Wir haben schon bei Immobilienmaklern angerufen und gefragt. Aber die Verantwortlichen sitzen teilweise in Süddeutschland und interessieren sich nicht für unser Projekt.“

Heiko Meyer, Vorsitzender des Lüneburger Citymanagements, gefällt die Idee der Studentinnen, allerdings kenne auch er das Problem: „Es ist schwer an die Leute ranzukommen. Die Geschäfte haben viele private Eigentümer, aber auch Fonds aus Düsseldorf oder Frankfurt.“ Auf die Frage, warum es zu Leerständen käme, sagt er: „Wir haben in Lüneburg Luxusleerstände. Zum größten Teil verlangen die Vermieter zu viel Geld.“

Die Studentinnen seien zuversichtlich, dass sie für ihr Projekt noch ein Geschäft finden werden, und machen sich weiterhin auf die Suche. Clara Bökelheide sagt: „Bisher sind wir nicht im Stress. Aber im April oder Anfang Mai wollen wir die Aktion durchführen.“

Wer den Studentinnen mit einem Geschäftsraum helfen möchte, kann sich unter kunst@lunatic-festival melden.

Von Franziska Ruf