Samstag , 26. September 2020
Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Hans-Peter Bartels (l.) stattete den Lüneburger Aufklärern um Kommandeur Oberstleutnant Hendrik Staigis einen spontanen Informationsbesuch ab. Foto: Radke/Bundeswehr

„Anwalt der Soldaten“ in Lüneburg

Lüneburg. Der Bundeswehrstandort Lüneburg genießt bei Soldaten einen exzellenten Ruf, gilt als äußerst attraktiv. Für Unterkünfte, Sportanlagen, Hallen und Funktionsgebäude der Theodor-Körner-Kaserne gilt dieses Lob allerdings schon lange nur noch bedingt – die militärische Liegenschaft ist in die Jahre gekommen. Davon überzeugte sich jetzt auch Hans-Peter Bartels (SPD).

Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages hatte dem Aufklärungsbataillon 3 unangemeldet einen Besuch abgestattet. Themen, die den „Anwalt der Soldaten“ besonders interessierten, waren neben der allgemeinen Personal- und Materiallage vor allem die infrastrukturellen Probleme in der Kaserne. Oberstleutnant Hendrik Staigis, Kommandeur der Lüneburger Aufklärer und zugleich Standortältester, nutzte die Chance und machte dem Besucher aus Berlin deutlich, wo nicht nur aus seiner Sicht die Soldaten der Schuh drückt. Aber auch mit den Kompaniechefs und Kompaniefeldwebeln sowie den Vertrauenspersonen des Verbandes suchte Bartels das Gespräch.

27 Millionen Euro für Modernisierungen

Sorgen bereiten Staigis und seinen Untergebenen vor allem die Unterkünfte in der Theodor-Körner-Kaserne, der letzten noch verbliebenen militärischen Liegenschaft in der traditionsreichen Garnisonsstadt. „Von den 22 Unterkunftsgebäuden sind 14 gesperrt oder teilweise gesperrt“, berichtet Staigis – weil die Elektrik im Gebäude marode sei, aus Brandschutzgründen, aber auch wegen mangelhafter Sanitär- und Wasserversorgung. Bereits vor zwei Jahren wurden deshalb schon vor manchen Wohnblöcken Sanitärcontainer aufgestellt – „doch das kann auf Dauer keine Lösung sein“, moniert der Kommandeur.

„Nach den eingeleiteten Trendwenden bei Finanzen, Personal und Material sehe ich nun die Modernisierung der Infrastruktur als eine ganz besondere Aufgabe der Bundeswehr“, betonte vor wenigen Monaten im Gespräch mit der LZ auch Oberst Christian Freuding, Kommandeur der Panzerlehrbrigade 9 mit Sitz in Munster.

Rund 27 Millionen Euro sind in den nächsten Jahren für die Modernisierung der Theodor-Körner-Kaserne vorgesehen, davon acht Millionen für die Herrichtung von Unterkunftsgebäuden. „Und hier kann die Devise jetzt nur lauten Neubau vor Sanierung“, machte Staigis gegenüber dem Wehrbeauftragten seine Position deutlich. Denn längst gilt in der Truppe der neue „Unterkunftsstandard für Einzelunterbringung.“ Demnach soll jeder Dienstgrad im „Rahmen der Steigerung der Attraktivität der Unterbringung“ eine mindestens 13,5 Quadratmeter große Einzelstube mit eigenem Duschbad erhalten. „Die alten, nicht denkmalgeschützten Unterkünfte entsprechend umzubauen wäre wohl erstens zu aufwändig und zweites auch zu teuer“, glaubt Staigis.

Auch Funktions- und Dienstgebäude sind gewünscht

Der Oberstleutnant macht angesichts der desolaten Gebäude Druck: „Wesentliches Ziel muss es sein, dass sich bis Ende des Jahrzehnts die Unterkunftssituation in der Kaserne deutlich verbessert!“

Und mit dem Neubau der Unterkunftsgebäude wünscht sich Staigis auch neue Funktions- und Dienstgebäude – und zwar in räumlicher Nähe zu den Soldaten. Denn zurzeit haben Kompaniechefs und Kompaniefeldwebel ihre Diensträume weit entfernt von ihren Untergebenen – „das wollen wir im Zuge der Infrastrukturmaßnahmen auch ändern“, erklärt Hendrik Staigis.

Nun gibt es in der Kaserne aber auch denkmalgeschützte Gebäude und Gebäude-Ensembles – das Stabsgebäude etwa, der alte Tower und auch das „Olympische Dorf.“ Gerade letzteres ist für Staigis wichtig in seiner Gebäudeplanung: „Dort könnte beispielsweise die RSU-Kompanie ihre Heimat finden“, schlägt Staigis vor, der sich auch durchaus vorstellen könnte, das „Dorf“ als ein „Military-Hostel“ zu nutzen. „Etwa bei Übungen zur Landes- und Bündnisverteidigung für Reservisten, aber auch für unsere Nato-Partner.“ RSU steht für Regionale Sicherungs- und Unterstützungskräfte.

Viele Ideen und Überlegungen also, die der Wehrbeauftragte von seinem Spontan-Besuch in Lüneburg nun mit nach Berlin nimmt.

Von Klaus Reschke