Dienstag , 20. Oktober 2020
Ursprünglich war man von einem Schaden von drei Millionen Euro ausgegangen, doch diese Summe wird wohl deutlich überschritten. (Foto: t&w)

Panasonic kämpft sich aus der Krise

Lüneburg. Vier Wochen nach dem Brand beim Elektronik-Spezialisten Panasonic kämpfen die Mitarbeiter noch immer mit den Folgen des Feuers, das in einer Entwicklungsabteilung ausgebrochen war. So sind ein wichtiges Labor sowie viele der Büros weiterhin nicht zu nutzen. Geschäftsführer Udo Bachsmann und seine Kollegin Verena Carstens und ihre rund 400 Mitarbeiter haben auf Krisenmodus geschaltet – doch es geht voran. „Seit einer Woche können die Kollegen wieder arbeiten“, sagt Verena Carstens. Allerdings nicht am angestammten Schreibtisch, doch in einem Firmengebäude in der Nachbarschaft, wo rund 100 Angestellte sitzen: „Wir haben dort Flächen angemietet.“ Andere sind im Home Office beschäftigt.

Großeinsatz der Feuerwehr

Wie berichtet, entwickelt Panasonic im Gewerbegebiet Hafen spezielle Steuerungsteile für die Autoindustrie. Die durchlaufen Testreihen. In einem zugekauften Gerät war es in der Nacht zum 10. Februar zu einem Kurzschluss gekommen. Der Schwelbrand dehnte sich aus – Großeinsatz der Feuerwehr. Die konnte zwar das Gebäude retten, doch Ruß und Qualm waren durch die Halle gezogen. Die Partikel haben sich auf Leiterplatten und Instrumenten festgesetzt. Läuft Strom durch die feinen Adern, könnte es wieder brizzeln und brennen.

Lange Lieferzeit für neue Geräte

Geschäftsführer Bachsmann hat eine Reinigungsfirma engagiert, die sozusagen ganz besonders sauber machen kann. Sie war bereits in Lüneburg im Einsatz, als es im Sommer 2018 im Museum am Wandrahm gebrannt hatte, auch da waren Spezialisten gefragt. Doch die Frage ist, ob die Profis wirklich alles perfekt reinigen können. So geht es um Neuanschaffungen von Gerätschaften. „Da die sehr teuer sind, müssen wir uns in solchen Fragen mit der Versicherung abstimmen“, sagt Verena Carstens. Nicht das einzige Problem: Für manchen Apparat geben Firmen eine Lieferzeit von eineinhalb Jahren vor. Bachsmann hatte kürzlich berichtet, dass Panasonic gemeinsam mit Kunden versuchen wolle, die Hersteller zu schnellerer Hilfe zu überreden.

„Alle ziehen mit, auch wenn die Bedingungen nicht optimal sind.“ – Verena Carstens , Panasonic

Verena Carstens schildert, dass Mitarbeiter dabei sind, ein weiteres Labor im Laufe der nächsten Woche wieder in Betrieb zu nehmen. Doch zum einen können die Testreihen aus dem anderen Labor nicht eins zu eins fortgesetzt werden, weil zum Teil andere Geräte im Einsatz sind. Zum anderen ­werden auch in diesen Räumen gerade Versuchsreihen durchgeführt; „Wir müssen also priorisieren und hoffen, das ­Dringendste abarbeiten zu können.“

Schaden viel höher als angenommen

Sie lobt die Belegschaft: „Alle ziehen mit, auch wenn die Bedingungen nicht optimal sind.“ So versuche man, einen Teil der Tests in Werke in der Slowakei, die ebenfalls zum japanischen Großkonzern gehören, sowie zu Kunden der Autoindustrie auszulagern.

Eins steht inzwischen fest. Der ursprünglich geschätzte Schaden von drei Millionen Euro, wird wohl deutlich überschritten. Doch um wie viele Millionen höher die Rechnung am Ende ausfallen wird, sei derzeit absolut noch nicht abzuschätzen.

Von Carlo Eggeling

Mehr dazu:

Millionenschaden nach Brand