Freitag , 2. Oktober 2020
Vor knapp einem Jahr wurde die Asphaltdecke der Ortsdurchfahrt Amelinghausen erneuert. Nun ist die Oldendorfer Straße an der Reihe. Hier wird es aber Schutzmaßnahmen geben. (Foto: A/bau)

Schadstoffe im alten Asphalt

Amelinghausen. Alte Asphaltdecke abfräsen, neuer Belag drauf, fertig. Das ist der normale Ablauf bei Straßensanierungen. Amelinghausen stehen aber ungewöhnliche Bauarbeiten in der Oldendorfer Straße bevor. Schuld daran ist eine mit Schadstoffen belastete Fahrbahn.

Der alte Asphaltbelag ist mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet. Herausgekommen ist das bei Voruntersuchungen. „Diese sind obligatorisch“, sagt Dirk Möller. In den Bohrkernen seien PAK nachgewiesen worden. Eine solche Belastung sei aber die Ausnahme, nicht die Regel. Zuletzt habe es vor rund drei Jahren einen Fall bei der Sanierung der Ortsdurchfahrt Garstedt gegeben, sagt der Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV), Geschäftsbereich Lüneburg.

Fräsarbeiten mit Absaugvorrichtung

Während der Bauarbeiten in Amelinghausen gibt es besondere Schutzvorkehrungen. „Wir werden einen Schwarz-Weiß-Bereich errichten. Hier können die Bauarbeiter ihre Stiefel und ihre Oberbekleidung dekontaminieren lassen und sich anschließend saubere Bekleidung besorgen.“ Damit Schadstoffe nicht in die Umgebung gelangen, werden bei den Fräsarbeiten auch Absaugvorrichtungen genutzt. Zudem sorgen Bauzäune dafür, dass niemand unbefugt in die Baustelle gelangen kann. Und ein Sicherheitskoordinator wird die Bauarbeiten überwachen. Angesichts dieser Maßnahmen bestehe keine gesundheitliche Gefährdung für die Bürgerinnen und Bürger, so Behördenleiter Möller.

Was ist wann genau geplant? Fest steht, dass es am Montag, 16. März, losgeht. Innerhalb der Ortsdurchfahrt Amelinghausen ist ab dann im Verlauf der Landesstraße 234 mit Behinderungen zu rechnen. In drei Bauabschnitten werden hier Arbeiten zur Erneuerung der Fahrbahn an der Oldendorfer Straße durchgeführt. Die Vollsperrung des ersten Bauabschnittes beginnt am 16. März. Der erste Bauabschnitt beginnt im Ort an der B 209 (Lüneburger Straße) und endet hinter der hinteren Zufahrt (Richtung Oldendorf) zum Busbahnhof. Der zweite Bauabschnitt endet an der Wohlenbüttler Straße. Der dritte Bauabschnitt endet an der Ortstafel Amelinghausen.

Die Kreuzung der Oldendorfer Straße mit der Wohlenbüttler Straße/Im Dorfe wird in allen drei Bauabschnitten befahrbar sein. Die Umleitungen sind ausgeschildert, teilte die Behörde mit.

Busbahnhof wird nicht angefahren

Probleme könnte es beim Busverkehr geben. Denn während des ersten Bauabschnittes vom 16. März bis 14. April wird der Busbahnhof von Bussen nicht angefahren. Die Busse werden an der B 209 halten. Ersatzhaltestellen werden entsprechend eingerichtet.

„Aus Sicht der Gemeinde Amelinghausen ist die Baumaßnahme natürlich zu begrüßen, der Zustand der Oldendorfer Straße ist schon länger nicht mehr der beste“, teilte Christoph Palesch, Leiter des Geschäftsbereichs Bürgerservice, Bauen und Ordnung mit. Im Zuge der Straßensanierung wird auch ein Teil des Gehwegs (im Bereich der Kreuzung Oldendorfer Straße/Im Dorfe) erneuert, der Regenwasserkanal saniert und der Schmutzwasserkanal punktuell ausgebessert. Es ist geplant, auch die Bushaltestellen im unteren Bereich der Oldendorfer Straße beidseitig barrierefrei herzustellen. „Eine wirtschaftliche Auswirkung auf das Grundzentrum Amelinghausen ist nicht absehbar, wir gehen nicht davon aus, durch diese Maßnahme wirtschaftlich beeinträchtigt zu werden. Das eigentliche Grundzen­trum ist weiterhin gut erreichbar. Natürlich ist es denkbar, dass Betriebe in der Oldendorfer Straße leichte Beeinträchtigungen spüren, die aufgrund der Planung allerdings so gering wie möglich ausfallen sollen“, teilte die Samtgemeinde weiter mit.

Arbeiten sollen bis Mitte Juli dauern

Ansprechpartner für diese Maßnahme ist die NLStBV Lüneburg. Wie im zweiten oder dritten Bauabschnitt die dort ansässigen Unternehmen erreichbar sein werden, steht noch nicht fest. „Wir werden aber für Erreichbarkeit sorgen“, sagt Möller. Details der Umleitungen wird seine Behörde rechtzeitig vor dem Beginn der weiteren Arbeiten bekannt geben.

Die Bauarbeiten werden voraussichtlich bis Mitte Juli 2020 andauern. Die Kosten der Maßnahme belaufen sich auf rund eine Million Euro und werden vom Land Niedersachsen getragen.

Zur Sache

Seit Jahrzehnten im Visier der Experten

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) bilden eine große chemische Stoffgruppe von organischen Verbindungen. Sie bestehen aus mehrgliedrigen Ringen aus Kohlenstoff- und Wasserstoffatomen (überwiegend Benzolringen), die über gemeinsame Seiten miteinander verbunden sind. Durch die Kombinationsvielfalt der Ringe gibt es etwa 10 000 verschiedene Stoffe. PAK sind natürlicher Bestandteil von Erdöl und Kohle. Sie gelangen durch die Verbrennung fossiler Energieträger in die Umwelt. Die Stoffgruppe steht seit Jahrzehnten wegen ihrer problematischen Eigenschaften für Mensch und Umwelt im Fokus der Wissenschaft. PAK können die Haut, Augen und Atemwege schädigen. Einige PAK sind als krebserregend eingestuft. Problematisch ist auch, dass die Stoffe lange in der Umwelt bleiben und laut Umweltbundesamt kaum abgebaut werden.

Von Werner Kolbe