Montag , 21. September 2020
Etwa 300 Landwirte aus der Region sind am Abend in Ohlendorf südlich von Seevetal an der A7 mit ihren Traktoren zum Protest aufgefahren (Foto: Erb)

Bauern-Protest vor Aldi

Lüneburg/Ohlendorf. Die Bauernproteste in der Region gehen in die nächste Runde: Nachdem Landwirte in der Vergangenheit mehrfach mit Treckerkonvois den Verkehr lahmgelegt hatten, um gegen die geplante Verschärfung der Düngeverordnung und für mehr Anerkennung zu demonstrieren, wurde am Sonntag Abend der Lebensmitteleinzelhandel bestreikt. Am Abend versammelten sich Bauern in mehreren Teilen Deutschlands vor den Aldi-Zentrallagern. Rund 80 Mitstreiter allein aus dem Landkreis Lüneburg fuhren nach Angaben aus Teilnehmerkreisen mit ihren Treckern vor dem Aldi-Zentrallager in Ohlendorf südlich von Seevetal im Landkreis Harburg vor. Unterstützung kam auch aus Uelzen, Lüchow-Dannenberg, Stade und Rotenburg mit rund 300 weiteren landwirtschaftlichen Maschinen.

Aus Sicht der Bauern gefährden die großen Ketten mit ihrer Marktmacht die Existenz der Betriebe. Organisiert wurde der Protest über soziale Netzwerke von den Landwirten selbst, nicht von der Initiative „Land schafft Verbindung“, wie deren Regionalsprecher Boris Erb betont.

Preissenkung für Bauern nicht nachvollziehbar

In einem Forderungspapier kritisieren die Landwirte, dass die Geschäftspraktiken der großen Akteure auf dem deutschen Lebensmittelmarkt die Mühen der hiesigen Landwirtschaft außer Acht ließen. „Aldi hat in der letzten Woche durch angekündigte harte Verhandlungen in Bezug auf die Milchlinie erneut bewiesen, wie der Lebensmitteleinzelhandel eine nachhaltige und mit höheren Standards belegte deutsche Landwirtschaft weiter in die Knie zwingen will.“ Die Einkaufsgemeinschaft von Aldi Nord und Aldi Süd habe mit Verweis auf den geschwächten Weltmarkt eine Preissenkung bei Milchprodukten angedeutet. „Das können wir nach Rücksprache mit unseren Molkereien nicht nachvollziehen“, sagt Erb. „Der Lebensmitteleinzelhandel diktiert die Bedingungen und eben auch den Preis der Waren, das geht so nicht weiter.“ Aldi Nord war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Daher der Protest vor dem Lager. „Wir wollen Druck auf Aldi ausüben, um eine Gesprächsbereitschaft zu erzeugen“, erklärte Erb.

Von Anna Petersen