Donnerstag , 1. Oktober 2020
In der Hausarztpraxen in der Region Lüneburg geht es nach wie vor uaufgeregt zu. (Foto: Adobe Stock)

Händewaschen ist die wichtigste Maßnahme

Lüneburg. Dr. Jörg Berling ist nicht nur stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), die 14 600 Mitglieder, niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten, in diesem Bundesland vertritt. Er ist auch niedergelassener Arzt in Adendorf und somit prädestiniert, Fragen zum Praxisalltag und Coronavirus zu beantworten.

Herr Dr. Berling, wie ist Ihre Erfahrung und die Ihrer niedergelassenen Kollegen? Herrscht Panik unter den Patienten, die eine Praxis aufsuchen oder dort anrufen?

Dr. Jörg Berling: Nein.

Wie gehen Ärzte mit möglichen Verdachtsfällen um?

Unterschiedlich. Das hängt jeweils von den vorhandenen Räumlichkeiten und der Ausstattung mit Schutzbekleidung ab.

Nach welchen Kriterien entscheidet der Arzt am Telefon, ob der Patient in die Praxis kommen soll?

Nach den anamnestischen Anzeichen für eine Ansteckungsgefahr. Sprich, es wird abgeklärt, ob es Anzeichen einer akuten Atemwegserkrankung gibt und der Patient in einem Corona-Risikogebiet war oder ob er Kontakt zu einem bestätigten Corona-Fall hatte.

Berling
Dr. Jörg Berling. (Foto: privat)

Kommt es jetzt vermehrt zu Hausbesuchen?

Meiner Erfahrung und Kenntnis nach nein.

Sitzen Patienten, die zum Beispiel mit Husten oder anderen Erkältungsanzeichen in Ihre Praxis kommen, weiter im Wartezimmer oder gibt es einen separaten Raum?

Wir haben zwei Wartebereiche, aber eine Trennung, wie sie aus Pandemiegründen notwendig wäre, ist bei uns nicht möglich.

Bitte erläutern Sie noch einmal Symptome, die auf das Coronavirus hindeuten könnten, und welche Therapien zur Verfügung stehen?

Schnupfen, Husten, Kopf- und Halsschmerzen, eventuell Fieber und Atemprobleme. Eine gezielte Therapie gibt es bisher nicht, auch keine Impfung. Aber wie auch das Robert Koch-Institut deutlich gemacht hat, verlaufen nicht alle Erkrankungen nach Infektion mit dem neuartigen Coronavirus schwer, auch bei den meisten in China berichteten Fällen war der Krankheitsverlauf mild. Im Zentrum der Behandlung der Infektion stehen die optimalen unterstützenden Maßnahmen entsprechend der Schwere des Krankheitsbildes (zum Beispiel fiebersenkende Mittel, Ausgleich des Flüssigkeitshaushaltes, gegebenenfalls Antibiotikagabe zur Behandlung von bakteriellen Alternativ-/Begleitinfektionen) sowie die Behandlung von relevanten Grunderkrankungen.

Wird immer noch gefragt, ob man Kontakt zu infinzierten Patienten hat? Aufgrund der vielfältigen Kontakte, die man täglich hat, lässt sich das doch gar nicht sagen.

Es gibt ein Flußdiagramm des Robert Koch-Instituts, wie zu verfahren ist, und ein Frageschema der Kassenärztlichen Vereinigung zur Unterstützung der Hausärzte. Die erste Abklärung sollte nach Möglichkeit durch den Hausarzt telefonisch erfolgen. Durch gezieltes Nachfragen sollte der Hausarzt differenzieren, ob der Anrufer entweder tatsächlich Kontakt zu einem nachgewiesenen Corona – Infizierten hatte oder sich lediglich in einem der Risikogebiete aufgehalten hat. Im zweiten Fall geht es also um die Differentialdiagnose: Grippe, grippeähnlicher Infekt oder Infektion durch Coronaviren. Eine Abstrichuntersuchung verschafft Klarheit. Sie sollte vorzugsweise in den einzurichtenden Einrichtungen der Landkreise erfolgen.

Regelmäßiges intensives Händewaschen ist eine Schutzmaßnahme. Was kann man noch tun?

Händewaschen ist tatsächlich die wichtigste Maßnahme, jeweils mindestens 20 Sekunden und das mehrmals am Tag. Daneben sollte man vermeiden, sich die Hand zu geben, und Körperkontakte reduzieren.

Es sollen regionale Diagnosezentren entstehen. Können Sie schon sagen, wo und wie viele in Stadt und Landkreis Lüneburg? Und wie werden diese besetzt?

Wahrscheinlich wird es ein Diagnosezentrum pro Landkreis geben. Im Moment laufen die Vorbereitungen dafür. Abschließendes lässt sich noch nicht sagen.

Von Antje Schäfer