Donnerstag , 24. September 2020
Die vier Sonntage mit geöffneten Geschäften haben auch im vergangenen Jahr viele Besucher aus dem Umland nach Lüneburg gelockt. Foto: A/t&w

Es soll anders werden, aber wie?

Lüneburg. Sammelparkplätze vor der Stadt und von dort einen Busservice in die Stadt, mehr Raum im Verkehr für Radler, aber gleichzeitig genug Ausweichmöglichkeiten für Autofahrer, dazu neue Arbeitsplätze in der Stadt schaffen, damit viele der Zuzügler aus Hamburg eben nicht mehr an die Alster pendeln müssen, sondern hier ihr Geld verdienen können – in seiner Rede streifte Heiko Meyer einige Themen, die für Lüneburgs Zukunft eine Rolle spielen. Der Vorsitzende der Handelsorganisation LCM sprach bei der Jahresversammlung des Vereins vor gut 80 Zuhörern in der Diele der „Krone“.

Doch dieses Mal war es ein wenig anders als in den Vorjahren. Politischer. Das mag damit zu tun haben, dass Meyer als möglicher Oberbürgermeisterkandidat gehandelt wird. Er sitzt als Parteiloser für die SPD im Rat, doch in der Kommunalpolitik wird unter anderem gemunkelt, dass der LCM-Vorsitzende mit der CDU im Gespräch sei. Auf eine Nachfrage antwortete Meyer, dass doch nichts anders gewesen sei als sonst. Was allerdings die Höhe der Kreisumlage und der als zu hoch empfundene Anteil der Stadt sowie die „katastrophale Arena-Planung“ mit Einzelhandel und Gastronomie zu tun haben, lässt zumindest Raum für Spekulationen für mögliche Ambitionen.

Eine Rede, die auf OB-Ambitionen deutet

Meyer blickte auf ein aus ­seiner Sicht erfolgreiches Jahr für den Handel zurück. Die vier „Erlebnissonntage“, das Wort „verkaufsoffen“ ist nicht mehr so gelitten, habe viele Besucher aus dem Umland an die Ilmenau gelockt, mit Langzeitwirkung – auch im Nachhinein würden die Kunden wieder angezogen.

Der LCM-Vorsitzende ging auf den 2017 gestarteten Bürgerdialog ein. Zahlreiche Anregungen der Beteiligten wolle der Handel gemeinsam mit Politik und Verwaltung aufgreifen. Beispielsweise könne man an der Neuen Sülze den Überweg in Richtung Altstadt sicherer machen. Mehr Kontrollen für Autofahrer und rüpelige Radler waren ebenso ein Thema wie der Wunsch nach mehr Polizeipräsenz. Einem Anliegen trägt der Handelsverein – in Abstimmung mit der Stadt – Rechnung: Schon bald sollen 15 Sitzbänke in der Stadt aufgestellt werden, mancher habe um ein Plätzchen zum Ausruhen gebeten.

Zu Wort kam der Chef der Marketinggesellschaft. Lars Werkmeister präsentierte vor allem eine Analyse, die nicht ganz neu ist: Der Onlinehandel bedeute eine massive Konkurrenz für die Geschäftsleute zwischen Roter und Bardowicker Straße. Der 37-Jährige umriss den IKEA-Effekt: Der schwedische Möbelhändler biete Gastronomie, Kinderbetreuung und inzwischen einen Internet-Auftritt. Zudem gebe es inzwischen Showrooms in Städten, die Ware kann sich der Kunde nach Hause bringen lassen.

Eine neue Rolle für die Marketinggesellschaft

Daher solle ein Einkauf ein Erlebnis sein, das Umfeld müsse sauber, ansprechend und gut gelenkt sein, um Besucher in die Stadt zu ziehen. Es gelte zu überlegen, wie und wo man investiere. Interessant war in diesem Zusammenhang die Ansage, dass sich die Gesellschaft künftig eher als „Moderator“ sehe, der verschiedene Gruppen zusammenbringen will, um so Anliegen und Ideen zu entwickeln und umzusetzen.

Dahinter steht unschwer zu erkennen die Botschaft: Der Etat der Gesellschaft ist zu knapp bemessen, um weiterzumachen wie bisher. Wer Akteure gewinnen möchte, möchte sie auch finanziell beteiligen. Auf eine Nachfrage der LZ sagte Werkmeister, er wolle seine Konzeption zunächst den Gesellschaftern präsentieren. So blieb unkonkret, was künftig auf die Lüneburger zukommt.
Stadträtin Gabriele Lukoschek wies auf die Zusammenarbeit von Stadt und Handel hin. Sie hob vor allem auf die Verkehrspolitik ab: Radverkehr fördern, war einer der Aspekte. So solle beispielsweise ein drittes Fahrradparkhaus am Bahnhof entstehen, in dem E-Bikes und Lastenräder sicher abgestellt werden können.

Von Carlo Eggeling