Sonntag , 20. September 2020
Andreas Kelm beantwortet Fragen zum Coronavirus über das Bürgertelefon. Foto: t&w

Die Corona-Erklärer

Lüneburg. 15 Anrufe in eineinhalb Stunden – das Bürgertelefon, das der Landkreis Lüneburg zum Coronavirus eingerichtet hat, ist durchaus gefragt am Donnerstagmorgen. Aber der erste große Ansturm ist inzwischen abgeklungen. Andreas Kelm ist einer der Gesprächspartner, er teilt sich die Leitung mit fünf Kollegen aus der Kreisverwaltung. Zu sechst stehen sie montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und Freitags von 8 bis 12 Uhr für Fragen rund um das Virus zur Verfügung. Seit gut einer Woche gibt es das Angebot, nach einem anfänglichen Ansturm ist die Nachfrage mittlerweile spürbar zurückgegangen.

Eingerichtet wurde das Telefon am Donnerstag vergangener Woche, erzählt Pressesprecherin Katrin Holzmann. „Nachdem es in Lüneburg den ersten Verdachtsfall gab, häuften sich die Anrufe beim Gesundheitsamt.“ Um die dortigen Ärzte zu entlasten, beschloss die Kreisverwaltung das neue Serviceangebot.

Der erste große Ansturm ist inzwischen abgeebbt

„Am letzten Freitag klingelte das Bürgertelefon ununterbrochen“, erinnert sich Holzmann. Zu dieser Zeit waren nur drei Mitarbeiter in die Arbeit eingebunden, für ihre „normalen Tätigkeiten“ hatten die kaum noch Zeit. Deshalb wurden in dieser Woche drei weitere Kollegen ins Boot geholt. Andreas Kelm ist einer von ihnen, er arbeitet eigentlich in der Kommunalaufsicht und ist als Pressesprecher im Katastrophenschutzstab aktiv.

Dadurch hat er bereits Erfahrungen mit Bürgertelefonen, zudem hatte er sich privat bereits intensiv mit dem Thema Corona auseinandergesetzt. Und obwohl er, anders als die ersten drei Mitarbeiter, keine extra Schulung erhalten hat, fühlte er sich durch die umfangreichen Hausinformationen des Landkreises für diese Aufgabe gewappnet.
„Außerdem haben wir zwei Ärztinnen im Hintergrund“, sagt der 56-Jährige. Diese könnten immer dann zu Rate gezogen werden, wenn die Mitarbeiter am Bürgertelefon eine Frage nicht beantworten können.

Das komme allerdings nicht allzu häufig vor, beteuert Kelm. „Viele rufen an, weil sie unsicher sind. Wir können dann unterstützen und beraten.“ Gestern hatte er eine Frau am Apparat, die gerade zwei Wochen zu Hause geblieben war. „Die Vertretung ihres Hausarztes habe ihr dazu geraten. Sie wollte nun von mir wissen, ob sie jetzt wieder vor die Haustür darf“, sagt Kelm. „In solchen Fällen verweise ich natürlich auf den Hausarzt zurück, schließlich liegt die Entscheidung in seiner Hand.“

Auch mit dem ehemaligen Lüneburger Verdachtsfall hatte Kelm gestern Morgen bereits gesprochen. „Die Person hatte natürlich keine Fragen mehr zum Virus an sich, sondern Verwaltungsfragen, zum Beispiel wo er seine Rechnungen einreichen muss. Auch da können wir weiterhelfen.“

Lieber Händewaschen statt Desinfektion

Häufig werde Kelm auch gefragt, ob der Landkreis nun, ähnlich wie die Stadt, an öffentlichen Orten Desinfektionsbehälter aufstellen werde. „Das kann ich verneinen“, sagt Kelm. Übermäßiges Händedesinfizieren könne gar negative Folgen haben. „Daraus können sich resistente Keime entwickeln, deshalb raten wir zum einfachen Händewaschen.“

Da bundesweit immer mehr Großveranstaltungen abgesagt werden, stellen sich auch Menschen aus Lüneburg die Frage, ob sie ihre geplante Party besser platzen lassen sollten. „Zurzeit gibt es diesbezüglich noch keine Vorgaben vom Gesundheitsamt. Vor allem gegen lokale Veranstaltungen spricht überhaupt nichts, schließlich haben wir hier aktuell weder einen Verdachtsfall noch einen bestätigten Fall“, betont Kelm. Indes: Eine Absage gibt es dennoch: Wie berichtet, verzichtet die Lüneburger Feuerwehr aus Sorge zunächst auf ihre Jahresversammlung, um einer Ansteckungsgefahr aus dem Weg zu gehen.

Panik kann Kelm am Bürgertelefon nicht spüren. „Natürlich ruft mal jemand an, der etwas aufgeregt ist. Aber Panik hat eigentlich niemand.“ Das sei auch nicht nötig, betont Katrin Holzmann, schließlich sei die aktuelle Situation mitnichten ein Katastrophenfall. „Wir würden nicht mal von einer Krise sprechen.“

Dass die Nachfrage nun abebbt, ist deshalb auch ein gutes Zeichen, findet Kelm. „Die häufig gestellten Fragen sind ja auch auf unserer Internetseite einsehbar. Und wer trotzdem lieber schnell durchrufen möchte, für den sind wir natürlich weiterhin erreichbar.“

Das Bürgertelefon ist erreichbar unter (04131) 261000.

Von Lilly von Consbruch