Donnerstag , 1. Oktober 2020
LZ-"Wetterfrosch" Reinhard Zakrzewski. (Foto: privat)

Der feuchteste Februar seit 1853

Lüneburg/Wendisch Evern. Bis zum Wochenende schickt uns der Atlantik Wolken und Regen nach Norddeutschland. Danach könnte sich die Wetterlage ändern. Am Donners tag überquert uns zunächst ein Tief mit kräftigem Regen. Am Freitag und Sonnabend trocknet es nur zögerlich ab, denn es sind immer noch Regenwolken des Tiefs „Elli“ unterwegs. Die Höchstwerte steigen nur langsam von fünf Grad am Donnerstag auf etwa sieben Grad am Sonnabend an. Mit einem auf Südwest drehenden Wind geht es am Sonntag auf etwa zehn Grad nach oben. Dabei zeigt sich die Sonne zeitweise.

Für die zweite Märzwoche sind die Unsicherheiten noch groß. Einerseits besteht die Möglichkeit, dass ein Hoch aus Südwesten die Fühler zu uns ausstreckt. Anderseits könnte sich erneut eine windige und wechselhafte Wetterlage einspielen. Ein wirklich stabiles Hochdruckgebiet mit viel Sonne und Wärme ist aber nicht in Sicht – was angesichts der oft launenhaften Märzwitterung auch nicht zu erwarten ist. Der Februar endete als ein Monat der Superlative: Er war nicht nur der zweit- beziehungsweise drittwärmste seit Messbeginn, sondern auch der mit Abstand feuchteste seit fast 170 Jahren (Lüneburg 1853).

Bis zu 250 Prozent des Normalwertes

Mit 240 bis 250 Prozent des Normalwertes stieß der traditionell eher trockene Februar in völlig neue Dimensionen vor. Im nordöstlichen Niedersachsen wurden die alten Bestmarken selbst langer Klimareihen um 20 bis 30 Prozent übertroffen (Messreihe Lüneburg und Wendisch Evern bislang 101 Liter/qm/2002). Im Siebentage-Rhythmus sorgte die Jagd atlantischer Sturm- und Orkanwirbel über den Atlantik jeweils am Wochenende für schwere- bis orkanartige Sturmböen um 80 bis 100 km/h (Maximum 9./10. Februar, Orkantief „Sabine“) sowie für massive Wärmeschübe vom subtropischen Atlantik. Am 16. des Monats gipfelten diese in unserer Region in Höchstwerten von 16 bis 18 Grad, was sowohl neue Tages- als auch Dekadenrekorde bedeutete. Mindestens seit der Jahrtausendwende gab es nicht einen Monat, der windiger war als der vergangene Februar!

Insgesamt war der Winter 2019/2020 ein Reinfall: Nur Raureif konnte in diesem – nach 2006/2007 – zweitwärmsten Winter an einzelnen Tagen winterliche Stimmung verbreiten. Ein Novum: Es gab nicht einen Tag mit Dauerfrost (Eistag). So wundert es nicht, dass Narzissen und Forsythien schon Ende Februar ihre Blütenkelche öffnen konnten. Ursache der Wärme war eine intensive, dauerhafte Westwindströmung über dem Nordatlantik, die den meteorologischen Winter prägte.

Daten-Übersicht

Starke Abweichungen

Der Winter 2019/2020 in Lüneburg/Wendisch Evern:

  • Mitteltemperatur 4,9 Grad (Abweichung +3,3);
  • Niederschlag: 210 mm (119 Prozent vom Soll);
  • Sonne: 151 Std. (98 Prozent)

Der Februar im Vergleich zum Klimamittel (1981-2010):

  • Monatsmittel 5,6 Grad (+4,1)
  • Maximum 17,9 Grad (16. Feb.)
  • Minimum -1,8 Grad (5. Februar)
  • Frosttage (Min. unter Grad): 1 (normal 17)
  • Dauerfrosttage (Max. unter 0 Grad) 0 (normal 5)
  • Niederschlag 122 mm (62 Prozent vom Soll)
  • Sonnenschein 50 Std. (110 Prozent vom Soll)

Von Reinhard Zakrzewski