Freitag , 2. Oktober 2020
Sylvio Keller, Rolf Sauer, Franziska Baron, Dominik Hübner und Kristina Dreser (v.l.) bieten seit einiger Zeit auch in Bad Bevensen Unterstützung für psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche an. Die Tagesklinik soll jedoch langfristig nach Uelzen ziehen. Foto: phs

Ein Schritt gegen die Unterversorgung

Bad Bevensen. Jahrelang hatte die Psychiatrische Klinik Lüneburg nach geeigneten Räumen für eine wohnortnahe Versorgung psychisch erkrankter Kinder und Jugendlicher in Uelzen gesucht. Inzwischen ist der Plan zumindest auf halber Strecke aufgegangen – und zwar in Bad Bevensen. Seit November 2018 ist die Tagesklinik übergangsweise in Räumen der Diana Klinik am Lerchenweg untergekommen. Was dort passiert, präsentierten die Mitarbeiter der neuen Tagesklinik jetzt der Öffentlichkeit.

Die Einrichtung ist eine Antwort auf die bis zuletzt vorherrschende Unterversorgung in der Region. „Wir hatten in der Vergangenheit nur einen Standort in Lüneburg – bezogen auf diese riesengroße Versorgungsregion mit rund einer Million Menschen“, erklärt Rolf Sauer, Geschäftsführer der Psychiatrischen Klinik Lüneburg (PKL) gegenüber der LZ. Kinder und Jugendliche aus sechs Landkreisen warteten mitunter monatelang auf einen Behandlungsplatz: „Es gab Zeiten, da standen 50 Kinder auf der Warteliste“, weiß Sauer. Bei einer durchschnittlichen Behandlungsdauer von drei Monaten habe durchaus die Gefahr einer Chronifizierung der psychischen Krankheitsbilder bestanden.

„Wir werden bald auch in Dannenberg eine Ambulanz eröffnen.“ – Rolf Sauer, Geschäftsführer der PKL

Die Arbeit in der Tagesklinik hätte eigentlich schon vor Jahren beginnen sollen. Lange glaubten die Lüneburger an einer Kooperation mit dem Helios Klinikum Uelzen – doch das Vorhaben platzte. Warum? Dazu hält sich Sauer bedeckt. Nur so viel: „Diana Klinik, die Brücke und die Psychiatrische Klinik sind Häuser, die sich ihrer regionalen Verantwortung bewusst sind.“ Die Diana Klinik in Bad Bevensen stellt übergangsweise die Räume im Lerchenweg zur Verfügung, der Verein „Die Brücke“ tritt als Investor für einen Neubau in Uelzen auf. Das Helios Klinikum ist raus.

Wann der Umzug der Einrichtung nach Uelzen ansteht, vermochte Sauer gestern noch nicht zu sagen. Das Haus, in dem Tagesklinik und Institutsambulanz zusammengeführt werden sollen, ist auf dem Papier geplant. „Was fehlt, ist der Bagger und alles, was damit zusammenhängt.“

Zehn Mitarbeiter und ein Therapie-Hund

Die Tagesklinik schließt eine Lücke zwischen ambulanter und vollstationärer Behandlung: Ob Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Bindungsstörungen oder Depressionen – bis auf Suchterkrankungen werden fast alle psychischen Krankheitsbilder am Standort Bad Bevensen behandelt. Zehn Mitarbeiter und Therapie-Hund Minna kümmern sich hier an fünf Tagen pro Woche um zwölf Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 16 Jahren. Morgens werden sie mit dem Taxi gebracht, nachmittags wieder abgeholt. Lehrkräfte von Schulen in der Region sorgen vor Ort dafür, dass die Ausbildung weitergehen kann. Doch damit ist der Bedarf an psychiatrischer Betreuung in der Region noch nicht vollständig gedeckt. „Wir werden bald auch in Dannenberg eine Institutsambulanz eröffnen“, kündigt PKL-Geschäftsführer Sauer gegenüber der LZ an. Erst dann sei das selbstgesteckte Ziel der Psychiatrischen Klinik Lüneburg zur Beendigung der akuten Unterversorgung erreicht.

Pflegedienstleiter Sylvio Keller weiß um den wachsenden Bedarf. Hintergrund sei jedoch – anders als häufig angenommen – nicht ein erhöhtes Aufkommen psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen, sondern ein sensiblerer Umgang mit dem Thema und in der Folge eine größere Bereitschaft, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Von Anna Petersen