Samstag , 24. Oktober 2020
Ein Blick in die leeren Regale im DM-Markt am Garbers-Center. Fotos: ca

Der Run aufs Klopapier

Lüneburg. Im DM-Markt im Garbers-Center in Rettmer hatten die Mitarbeiter gerade zwei Paletten mit Klopapier abgestellt. Normalerweise reicht das tagelang. Nicht dieses Mal. Eine Verkäuferin sagt kopfschüttelnd: „Das war in vier Stunden weg. Leer!“ Nudeln, Reis, Seife, Milch – auch binnen kürzester Zeit ausverkauft.

Auch Klopapier ist Mangelware.

So wie am Häcklinger Weg in Lüneburg sah es auch bei Aldi in Adendorf aus. Eine Kassiererin sagt: „Am Wochenende hatten wir kein Klopapier mehr. Wasser war aus, Konserven wurden viel gekauft.“ Gestern Morgen hingegen sah es aus wie immer, kein Nachschubproblem zu erkennen. Anders im Rossmann-Markt im Ortskern. Dort herrschte ein Mangel an Utensilien für die besondere Körperhygiene. Allerdings trug eine Frau – stolz wie ein Jäger – als Beute gleich drei Tüten mit Klopapier zum Auto.

Dosen-Ravioli finden großen Absatz

Das Coronavirus treibt offenbar viele um, sie fürchten anscheinend den Zusammenbruch der Versorgungskette. Meike Bergmann, deren Familie in Lüneburg und Adendorf drei Supermärkte betreibt, vermutet, dass sich mancher durch den vermeintlichen Mangel anstecken lässt und so selbst zum Hamsterkäufer wird. „Wir hatten an der Saline am Dienstag den Gang mit Mehl und Zucker aufgefüllt, jetzt ist er wieder leer“, sagte sie gestern Vormittag. Aber auch billiges Mineralwasser, Nudeln und Reis seien gefragt, ebenso Trockenlinsen: „Das kauft wohl eher die ältere Generation.“ Beliebt seien sogar Dosen-Ravioli: „Die gehen sonst schleppend.“

Natürlich hätten die Handelszentralen Schwierigkeiten, alles im gewohnten Rhythmus zu liefern: „Damit hatte keiner gerechnet. Das könnte man in diesem Bereich mit Weihnachten vergleichen.“ Sie sagt aber einen Satz, der auch in anderen Geschäften zu hören ist: Von einem Notstand sei man weit entfernt.

Hygiene-Artikel sind nahezu ausverkauft.

Gar nicht mehr zu bekommen sind vielerorts Desinfektionsmittel: Im Bergmann-Markt im Loewe-Center an der Erbstorfer Landstraße sind die Regale ebenso leer wie eine Tür weiter bei Rossmann. Gleiches Bild in Märkten an der Feldstraße und Drogeriefilialen in der Innenstadt.

Gründliches Händewaschen reicht aus

Auch Apotheken müssen passen. „Wir sind ausverkauft“, hieß es gestern in mehreren Häusern im Lüneburger Stadtgebiet auf die Frage nach Reinigungsflüssigkeit. Was man zum Sterilisieren brauche, sei ausverkauft. Wann nachgeliefert werden könne, sei ungewiss.

In einer Filiale am Sand erzählte eine Mitarbeiterin, dass Kunden mangels Schutzmasken nach Mundspülung fragten, um so vermeintlich Keime abtöten zu können. Das sei alles ein großer Unsinn, sagte die Kollegin: „Bringt gar nichts.“ Auch die irre Nachfrage nach Desinfektionsmitteln für die Hände sei letztlich sinnlos: „Ärzte sagen, dass gründliches Händewaschen reicht.“

In Kürze

Das Virus und die Folgen

Das Lüneburger Gesundheitsamt weist darauf hin, dass die Verwendung von Desinfektionsmittel außerhalb der Pflege von Menschen in Heimen, Krankenhäusern, Krippen (Wickeln) oder in der ambulanten Krankenpflege nicht sinnvoll sei. Dies gelte auch für öffentliche Einrichtungen wie Rathäuser, Bibliotheken und Schulen. Stattdessen sei es wichtig, in den Toilettenräumen genügend Seife und Papierhandtücher zur Verfügung zu stellen. Jeder Einzelne sollte auf regelmäßiges Händewaschen achten.

Das Krankenhaus in Winsen meldet den Diebstahl mehrerer Desinfektionsflaschen aus den dort aufgestellten Spendern. Angela Wilhelm, Sprecherin der Gesundheitsholding Lüneburg, sagt: „Das ,Diebstahl-Phänomen‘ lässt sich für das Klinikum Lüneburg nicht bestätigen.“

Die Lüneburger Feuerwehr sagt wegen des Virus ihre für Freitagabend geplante Jahresversammlung ab. Mehr als 300 Mitglieder sowie Gäste der Wehren aus dem Landkreis kommen in der Regel. Stadtbrandmeister Thorsten Diesterhöft sagt: „Die Gefahr ist zu groß, dass wir im Zweifel einen Verdachtsfall hier haben und dann alle unter Quarantäne stellen müssen. Dann legen wir die Feuerwehren platt.“ Noch steht kein neuer Termin fest, vermutlich könne es Sommer werden.

Die Industrie- und Handelskammer hat eine Blitzumfrage zu den Auswirkungen des Coronavirus gestartet. „Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Virus beeinträchtigen unsere Mitgliedsunternehmen immer stärker“, bestätigt IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert, worüber die LZ am Dienstag berichtet hatte. Die Befragung ist unter www.ihk-lueneburg.de/corona-umfrage abrufbar, sie endet am Freitag, 6. März.

Die Stadt Lüneburg hat Spender mit Desinfektionsmitteln in mehreren öffentlichen Einrichtungen und auch in Kitas aufgestellt und wirbt – insbesondere in Bereichen mit viel Publikumsverkehr – dafür, sich nicht mehr mit Handschlag zu begrüßen.

Am Bürgertelefon des Landkreises werden Fragen zum Coronavirus beantwortet. Es ist erreichbar montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr sowie freitags von 8 bis 12 Uhr unter (04131) 261000.

Von Carlo Eggeling