Samstag , 19. September 2020
Prof. Dr. Peter Dall arbeitet nun mit Dr. Anke Iptchiler zusammen. Foto: Gesundheitsholding LG

Altes Wissen in der Krebsbehandlung

Lüneburg. Operation, Chemo- und/oder Strahlentherapie sowie Immuntherapien gehören zu den Behandlungsmethoden für an Krebs erkrankte Patientinnen des Brustzentr ums und des Gynäkologischen Krebszentrums am Lüneburger Klinikum. Als Ergänzung zu diesen therapeutischen Möglichkeiten der sogenannten „Schulmedizin“ soll nun ein Angebot der „Komplemen-tärmedizin“ gemacht werden. Prof. Dr. Peter Dall, Chefarzt der Frauenklinik und Leiter der beiden Tumorzentren, ist dazu eine Kooperation mit Dr. Anke Iptchiler eingegangen, die eine Arztpraxis für traditionelle chinesische Medizin (TCM) in Lüneburg hat.

Konventionelle Krebstherapien bleiben unverzichtbar

Es gebe inzwischen zahlreiche Studien, die belegen, dass komplementäre Verfahren Nebenwirkungen der schulmedizinischen Therapien lindern und damit die Lebensqualität der Patientinnen verbessern können, sagt Dall, der aber auch betont. „Dabei geht es um die Ergänzung von anerkannter Krebsmedizin, nicht um Alternativen.“ Diese Einschätzung gibt auch die Deutsche Krebsgesellschaft: „Es empfiehlt sich, bei ihrem Einsatz keinesfalls auf Krebstherapien der konventionellen Medizin zu verzichten, deren Effektivität in zahlreichen Studien nachgewiesen wurde.“

„Komplementäre Verfahren verbessern Lebensqualität der Patientinnen“

Zunehmend werde er von Patientinnen gefragt, was man gegen Nebenwirkungen wie zum Beispiel Übelkeit, Entzündungen der Mundschleimhaut, Gelenk- und Muskelschmerzen oder Infektanfälligkeit tun könne, die auch zu psychischer Instabilität führen können. Unterstützend wirke eine gesunde Lebensführung, was zahlreiche Studien untermauern, erläutert Dall. Dazu gehört eine vielseitige, mediterrane Vollwertkost, die fettarm ist sowie der Verzicht auf Alkohol. „Täglich eine halbe Stunde Ausdauersport wie Radfahren, Laufen oder Schwimmen reduziert messbar das Rückfallrisiko der Krebserkrankung. Auch die Nebenwirkungen einer Chemotherapie oder antihormonellen Therapie werden verringert.“ Des Weiteren werden Yoga, Tai-Chi und Qigong Krebskranken häufig empfohlen.

Traditionelle chinesische Medizin ist immer gefragter

Auch die traditionelle chinesische Medizin ist ein ziemlich häufig gefragtes komplementäres Therapiekonzept. So lassen sich zum Beispiel mit Hilfe von Akupunktur Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Muskel- und Gliederschmerzen, Schlaflosigkeit in Folge eine Chemotherapie mindern. Auch das belegen Studien.

„Die TCM ist eine Medizin, in welcher der Mensch als Ganzes mit seinem Umfeld und seiner Lebensart gesehen wird“, beschreibt Dr. Anke Iptchiler. Für eine Diagnose wird der gesamte Körper durchgesprochen, aber auch die Seele mit einbezogen. „Nach streng analytischen Gesichtspunkten wird dann eine Therapie individuell auf den Patienten abgestimmt.“

Dazu gehören neben Akupunktur unter anderem auch pflanzliche oder mineralische Arzneimittel sowie Qigong. Westliche und östliche Medizin könnten sich sehr gut ergänzen, ist die Ärztin überzeugt.

Private Krankenkassen übernehmen die Kosten

„Wir wollen in einer Pilotphase testen, wie groß der Bedarf an einer solchen Kooperation ist“, sagt Dall. Patientinnen der beiden Tumorzentren sollen künftig Informationen zu dem Angebot erhalten. Dazu gehört auch der Hinweis, dass private Krankenkassen die Kosten für die Behandlung der Komplementärmedizin übernehmen, Mitglieder der gesetzlichen Kassen sollten eine mögliche Übernahme im Vorfeld abklären.

„Komplementäre Behandlungsmethoden bei Brust- und Unterleibskrebs“ sind auch Thema im Gesundheitsforum am Dienstag, 10. März, 19 Uhr im Hörsaal des Klinikums.

Von Antje Schäfer