Mittwoch , 30. September 2020
Viele Urlauber sind verunsichert. Die Folge sind deutlich weniger Buchungen in den Reisebüros. Vor allem Kreuzfahrten sind davon betroffen. (Foto: Adobe Stock)

Corona vermiest die Urlaubsfreude

Lüneburg. Die Verunsicherungen rund um das Coronavirus haben inzwischen auch die Reisebranche erreicht. Wie lokale Reisebüros berichten, sind die Buchungszahlen im Vergleich zum Vorjahr spürbar zurückgegangen. Allerdings reagierten Reiseveranstalter bereits auf die aktuelle Lage. Tipps für Reisende gibt auch die Verbraucherzentrale.

„Es herrscht allgemein große Verunsicherung“, berichtet Marina Schulze-Köhn vom Reisebüro Adendorf. Während die Monate Januar bis März üblicherweise die buchungsstärkste Zeit des Jahres sei, reagierten die Kunden derzeit nur „sehr verhalten“. Genaue Zahlen wollte die Inhaberin des Reisebüros nicht nennen, die Umsatzeinbrüche seien aber „spürbar“.

Gleiches berichtet auch Karina Fischer von der Universal Reisen und Kreuzfahrten Agentur in Lüneburg: „Man merkt es deutlich.“ Besonders die Kreuzfahrten seien davon betroffen, hier sollen die Buchungen um rund die Hälfte zurückgegangen sein.

„Das Problem ist aber weniger die Angst vor einer Infektion als vielmehr die Sorge, irgendwo festzusitzen und nicht mehr zurück Hause zu kommen“, vermutet Karina Fischer. Dies erfahre sie immer wieder in Kundengesprächen.

Kostenlos stornieren möglich

Um der um sich greifenden Verunsicherung zu begegnen, haben die großen Reiseveranstalter TUI, Schauinsland, Alltours und DER Touristik inzwischen die Stornofristen gelockert. „Bis Ende April kann man kostenlos stornieren“, sagt Marina Schulze-Köhn. Konkret betrifft dies alle Neubuchungen für die Zeit vom 1. März bis 30. April und für Pauschalreisen. Ein Grund für die Stornierung müsse nicht angegeben werden.

Für vor dem 1. März gebuchte Reisen würden die üblichen Stornobedingungen gelten. Nachfragen bei den Reisebüros seien aber in jedem Fall sinnvoll, empfiehlt Karina Fischer. Die Veranstalter seien „momentan sehr kulant“.

Beide Reisebüros raten deshalb auch zu Gelassenheit. „Jetzt überstürzt alles stornieren ist nicht erforderlich“, sagt Karina Fischer. Vieles lasse sich auch kurzfristig noch lösen. Marina Schulze-Köhn ergänzt: „Wer weiß, wie die Situation Ende April aussieht.“ Dann würde manch einer vielleicht bedauern, seine Urlaubsreise zu früh aufgegeben zu haben.

Viele Anbieter sind kulant

Welche Rechte aber haben Urlauber vor dem Hintergrund der ausgreifenden Virus-Erkrankungen, von einer gebuchten Urlaubsreise zurückzutreten? Sabine Oppen-Schröder von der Verbraucherzentrale Niedersachsen in Lüneburg sagt: „Das hängt davon ab, ob man seinen Urlaub pauschal oder individuell gebucht hat.“ Für eine Pauschalreise gelte: „Solange das Auswärtige Amt keine offizielle Reisewarnung ausspricht, ist eine kostenfreie Stornierung nicht automatisch möglich.“ Möglicherweise reiche es aber, wenn die Reise durch Einreiseverbote nur erschwert durchgeführt werden kann. Auch hierüber informiere das Auswärtige Amt.

„Schauen Sie in Ihren Vertrag“, rät die Verbraucherberaterin. Dort seien auch die Konditionen zu den Stornokosten festgelegt. Die Höhe der Kosten richte sich nach dem Zeitpunkt des erklärten Rücktritts: „Je näher der Reisetermin rückt, desto höher fällt die Entschädigung aus.“

Auf jeden Fall sollte beim jeweiligen Reiseveranstalter nachgefragt werden. „Viele Anbieter sind kulant und bieten an, die Reise kostenfrei umzubuchen.“

Für einen individuell gebuchten Urlaub gebe es allerdings keine klar geregelten Ansprüche. „Unser Tipp: Wenden Sie sich an Ihren Anbieter: Diese kommen Reisenden häufig entgegen, bieten eine Umbuchung oder einen Gutschein an.“

Von Ulf Stüwe

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