Samstag , 24. Oktober 2020
Ulli Grätsch kann es kaum erwarten, bis der erste Gong für seine letzte Show für den guten Zweck ertönt. Am 14. März steigt in der Lopautalhalle in Amelinghausen ein „Promi-Boxen“. (Foto: bau)

Bocky Balboa gegen Popeye

Amelinghausen. 2018 ist er mit seiner Frau Gesa ausgewandert. Die kanarische Insel Lanzarote ist der neue Lebensmittelpunkt. Jetzt ist er wieder hier: Ulli Grätsch. Aber nur für ein „letztes, großes Ding“, sagt er. Und damit meint der in der Lüneburger Gastro- und Kneipenszene als Koch und zuletzt als Inhaber von Grätsch’s Gasthaus in Amelinghausen bekannte 56-Jährige eine finale Show-Veranstaltung für den guten Zweck. Damit möchte er sich endgültig von seiner alten Heimat verabschieden. Was es wird, weiß er schon: „Promi-Boxen“. Termin: Sonnabend, 14. März, ab 18.30 Uhr. Ort: Lopautalhalle Amelinghausen.

Organisator steigt selbst in den Ring

Ulli Grätsch strahlt. Sonnengebräunt. Es geht ihm gut – vor allem gesundheitlich. Das warme Klima lässt seine durch Arthrose verursachten Schmerzen mittlerweile ohne Medikamente ertragen. Er wirkt zufrieden mit seinem neuen Leben in Tinajo. „Ich bin viel im Garten, genieße die Zeit“, sagt Grätsch. Das Kochen hat er erst einmal hinter sich gelassen. Auf Lanzarote helfen seine Frau und er einem befreundeten Paar, das dort ein Immobilien-Maklerbüro betreibt.

Ulli Grätsch kennt sich aus mit Hilfsaktionen für den guten Zweck. 2017 und 2018 hat er heiße Koch-Duelle in seinem Gasthaus ausgerichtet. Bereits 1995 war er in seiner Zeit als Koch in der Lüneburger Gastronomie einer der Mitorganisatoren eines Benefiz-Fußballspiels zwischen den Kneipiers am Stint und der Schröderstraße. Tausende Besucher verfolgen den Kick. 10 000 Euro kamen für die Arbeiterwohlfahrt zusammen. Eine Summe, die Ulli Grätsch auch im März nach dem großen Finale wieder spenden möchte. Bedacht werden die Hamburger Vereine Kinderleben und das Kinderhospiz Sternenbrücke. Das Finale passt zu Ulli Grätsch. Er hat selbst schon die Handschuhe geschnürt. In den 2000er-Jahren entdeckte er das Boxen für sich. Damals lief für ihn beruflich einiges schief.

Boxen gegen Wut und Ärger

Das Box-Training half, Wut und Ärger abzubauen. Seine Kontakte in die Szene haben ihm jetzt geholfen, auch namhafte Mitstreiter und Gäste zu gewinnen. Für ihn steht fest: „Das wird ein Mega-Event.“ Die Idee dazu schmiedete er mit seinem Kumpel Achim Hoffmann. Obwohl er noch gar keine offizielle PR-Aktion gestartet hat, sind schon 70 Tickets verkauft. „Das ist der Hammer.“ Bis zu 300 Zuschauer erwartet Grätsch. Die Halle wird den Style eines Box-Tempels aus verruchten St. Pauli-Kiez-Zeiten haben. Selbst ein Wettbüro wird es geben. „Nichts Illegales“, sagt Grätsch lachend, „es gibt kleine Tombolapreise wie Gutscheine zum Essen für die Einsätze.“

Er freut sich sehr über viele helfende Hände. Die Verwaltung hat ihm die Halle für die Benefiz-Veranstaltung zur Verfügung gestellt. Die Feuerwehr sorgt auf dem Parkplatz für Ordnung. Ringarzt ist Christian Vahle von der Hausarztpraxis Amelinghausen. Die Heideböcke packen mit an. Der amtierende Bock Falko Gardlo hilft bei der Organisation vor Ort, wenn Grätsch auf der Insel weilt. Die Faslamsbrüder aus Soderstorf und Oldendorf/Luhe unterstützen durch Jonas Böttcher beziehungsweise Jonas Lange. Technik und Sound wird durch Lutz Schäffler zur Verfügung gestellt. „Jeder Athlet hat seine Hymne zum Einmarsch“, sagt Grätsch. „Vom Schlumpflied bis Rammstein ist alles dabei.“ Schauspielerin Nina Ramershoven und Lünepost-Kolumnist Ben Boles werden moderieren. Für Live-Musik sorgt Dennis Adamus.

Vier Showkämpfe mit allem, was dazugehört

Vier Promi-Showkämpfe sind angesetzt. Ulli Grätsch selbst wird auch die Handschuhe schnüren. Gleich im ersten Fight über drei Runden à zwei Minuten wird er unter seinem Kampfnamen „Die Küchenfaust“ gegen den Lauenburger Kneipier Andreas Stein („Walujew von der Schleuse“) antreten. Danach folgen „Bocky Balboa“ Falko Gardlo gegen „Popeye“ Basti Schwientek aus Stelle, „Bonecrasher“ Jacob Pohl (Faslamsbrüder Soderstorf) gegen „The Big Bugger“ Ben Bubble (Faslamsbrüder Oldendorf/Luhe) und „The Mean Old Man“ Gernot Tobinski gegen seinen Sohn „The Animal“ Marc.

„Der Spaß steht bei uns natürlich im Vordergrund“, sagt Grätsch. Keiner soll sich verletzen. Es wird aber auch professionell sportlich zugehen. Dafür sorgen Promi-Gäste wie Wolfgang Meyer und Björn Auringer. Die beiden werden fünf Runden lang Kickboxen vom Feinsten zelebrieren. Meyer war in den 1990er-Jahren Deutscher Meister im Vollkontakt. Er wird bei den anderen Kämpfen als Ringrichter fungieren. „Wie bei Box-Kämpfen üblich, werden auch Nummerngirls durch den Ring stolzieren“, sagt Grätsch. Er kann es kaum erwarten, bis der erste Gong für sein letztes, großes Ding ertönt. Karten für das Promi-Boxen gibt es im Gasthaus Grätsch, Preis pro Ticket: 25 Euro. Der Erlös wird dem sozialen Zweck gespendet.

Von Marcel Baukloh