Montag , 28. September 2020
Obwohl schon einige Jahre fertig, sorgt der „Libeskind-Bau“ noch für Ärger. (Foto: t&w)

Uni lässt das Land warten

Lüneburg. Obwohl die Endabrechnung für das Zentralgebäude seit nunmehr fünf Monaten vorliegt, kann das Kapitel längst nicht geschlossen werden. Ende Januar stand der „Zwischenbericht über den Fortgang der Prüfung der dritten Nachtragsplanung“ auf der Tagesordnung des Haushaltsausschusses des Landtags. Die Mitglieder hatten viele Fragen und sparten auch nicht mit Kritik. Bekanntlich muss eine solche Unterlage von der Uni ausgearbeitet und umfänglichst geprüft werden, wenn die zuletzt genehmigten Kosten um mehr als 15 Prozent überschritten werden.

Das war zum dritten Mal der Fall, der letzte Nachtrag wurde 2016 mit einer Summe von etwas mehr als 87 Millionen Euro abgesegnet. Seit September vergangenen Jahres, mehr als acht Jahre nach der Grundsteinlegung, ist klar, dass der Bau 109,3 Millionen Euro gekostet hat (LZ berichtete).

Personalwechsel soll zu Verzögerung geführt haben

Die baulichen Unterlagen zur dritten Nachtragsplanung, die die Leuphana vorgelegt hatte, waren nicht ausreichend. Das wurde in der jüngsten Ausschusssitzung deutlich. Das Ministerium für Wissenschaft und Kultur, kurz MWK, hat Klärungsbedarf vor allem bei der Finanzierung. Bekanntlich hatte die Uni mitgeteilt, die Lücke selbst zu schließen – durch Rücklagen aus dem Investitionshaushalt und durch Einnahmen aus der Verwertung von Liegenschaften. „Auch, weil es hier um längere Vermietungszeiträume geht, ist eine gründliche Untersuchung erforderlich. Die erläuternden Unterlagen dazu konnte die Universität noch nicht beibringen, was ausgesprochen bedauerlich ist“, wird ein MWK-Vertreter zitiert. Die Leuphana sei in deutlicher Form auf die Notwendigkeit der Vorlage dieser Unterlage hingewiesen worden.

Wieso die lange Wartezeit? Die soll die Universität dem MWK gegenüber mit einem Personalwechsel begründet haben. So hat die Projektverantwortliche für den Libeskind-Bau die Uni verlassen – und mit ihr ist, so wird ein Mitarbeiter des Landesrechnungshofes im Protokoll zitiert, „eine Wissensträgerin verloren gegangen“. Deshalb sei die Universitätsverwaltung in einer schwierigen Situation.

Wie kann Projektwissen verloren gehen?

Was in dem Zusammenhang verwundert: Obwohl die Projektleiterin seit dem 1. September nicht mehr auf dem Uni-Campus arbeiten soll, lag 18 Tage später die Endabrechnung vor. Und: Wie kann Projektwissen verloren gehen, wenn die Person, die 25 Jahre an der Leuphana beschäftigt war, nur die Seiten wechselt – von intern zu extern? Sie arbeitet jetzt nämlich in dem Hamburger Architektenbüro, das von April 2014 bis zur Fertigstellung im März 2017 den Auftrag für die Projektsteuerung des Zentralgebäudes der Lüneburger Uni hatte. Zumindest wird sie auf der Homepage als Teammitglied aufgeführt.

Über mehrere Jahre hinweg hat sie mit den dortigen Architekten und Ingenieuren eng ­zusammengearbeitet, das Projekt „Zentralgebäude“ gesteuert und geleitet, der LZ in dem Zusammenhang gemeinsam mit einem der Geschäftsführenden Gesellschafter ein Interview gegeben.

Angeforderte Dokumente liegen Inzwischen vor

Angesprochen auf das Thema weist Uni-Pressesprecher Henning Zühlsdorff darauf hin, dass bei der Erstellung von Unterlagen für die Landesverwaltung oder das Parlament stets größte Sorgfalt gefragt sei. „Der Weggang einer erfahrenen Mitarbeiterin beschleunigt diesen Vorgang natürlich nicht. Die Annahme, dass Projektwissen verloren gegangen sein könnte, ist aber falsch. Das gesamte Projekt wurde selbstverständlich umfänglich dokumentiert.“

Inzwischen liegen die angeforderten Dokumente auch vor, das hat eine Nachfrage bei der Uni und im Ministerium ergeben. Diese würden jetzt geprüft und im Nachgang dem Landesrechnungshof vorgelegt, teilt MWK-Sprecherin Margit Kautenburger mit. „Dieser hat dann ebenfalls Gelegenheit zur Prüfung und Stellungnahme. Anschließend wird eine entsprechende Beratungsunterlage dem zuständigen Ausschuss für Haushalt und Finanzen vorgelegt.“ Parallel dazu erarbeite die Uni den Verwendungsnachweis für das gesamte Vorhaben, dieser müsse dann ebenfalls geprüft werden. Also: Ein Ende ist noch längst nicht in Sicht.

Zahlen

Das Finanzierungskonzept

So setzt sich der Gesamtbetrag des Finanzierungskonzepts zusammen:

  • Land Niedersachsen: 35,8 Millionen Euro
  • EU: 13,9 Mio.
  • Stadt Lüneburg: 5 Mio.
  • Landkreis: 2 Mio.
  • Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: 3,4 Mio.
  • Landeskirche Hannover und Bistum Hildesheim: je 200 000 Euro
  • Rheinzink GmbH: 500 000 Euro

Hinzu kommen:

  • Verkauf einer Liegenschaft: 2,8 Mio.
  • Mieterlöse: 21 Mio.
  • Aufgabe von Fremdanmietungen: 3,2 Mio.
  • Vermietung von Veranstaltungsflächen: 1,5 Mio.
  • Eigenmittel aus Investitionsbudgets der Uni: 16,4 Mio.

Von Anna Paarmann