Sonntag , 25. Oktober 2020
Höhepunkt beim Tanztee im Glockenhaus ist stets das Kappenfest. Dabei schmeißen sich die Teilnehmer besonders in Schale. (Foto: fr)

Mit der „Köhlerliesel“ in Schwung

Lüneburg. Als Adrian Bartels sich die Träger seines Orgelakkordeons um die Schultern hängt und die ersten Töne von „Anneliese“ anstimmt, suchen sich die Gäste schon einen Partner und ziehen auf die Tanzfläche. Im Takt gleiten sie fröhlich über das Parkett, drehen und wiegen sich zur Musik. Die eine oder andere Strophe wird lauthals mitgesungen. Es ist wieder Tanztee im Glockenhaus – für einige Gäste ein besonderes Highlight des Monats.

„Jeder kann mitmachen, der Spaß an Musik und Unterhaltung hat“, sagt Bruno Franz, Vorsitzender des Sozialverbandes (SoVD) Lüneburg, der den Tanz-tee leitet. Jeden Monat findet der Treff im Glockenhaus statt, es gibt Kaffee, Kuchen und Live-Musik. Etwa dreißig bis vierzig Gäste aus der „reiferen Jugend“ fänden sich jedes Mal zusammen, darunter auch Menschen, die „anders sind als andere“, wie Franz erklärt. Inklusion besitze für die Veranstaltung grundsätzlich einen hohen Stellenwert.

Nach vier Titeln gönnt der Musiker Tänzern eine Pause

Heute ist Kappenfest, die Gäste haben sich besonders in Schale geworfen. Mit Hemd und Zylinder sowie mit Blümchen im Haar, bunten Kleidern und hochhackigen Schuhen wirbeln Männer und Frauen über die geräumige Tanzfläche. Die dicken Backsteinmauern, das massive Fachwerk und das gedämmte Licht verleihen dem Saal sein gemütliches Flair. Adrian Bartels spielt die Lieblingslieder der Gäste – der „Maus Polka“ oder die „Köhlerliesel“ dürften nie fehlen. „Die Gäste können sich aber auch gerne Lieder wünschen“, sagt der 30-jährige Musiker. Nach vier Stücken legt er ein paar Minuten Pause ein, die Tänzerinnen und Tänzer platzieren sich wieder an die Kaffeetische, um die spannendsten Ereignisse der vergangenen Tage zu bereden.

Helmut Pumpe ist Stammgast des Tanztees. Er sagt: „Ich tanze sehr gerne, schon seit ich Kind bin. Und hier kann ich mal etwas anderes denken und sehen als im Alltag.“ Alleine zu kommen mache ihm nichts aus – man lerne ja immer jemanden kennen. Dieses Mal sitzt er mit Monika Hippler am Tisch. Die Lüneburgerin fährt stets mit einer Freundin zum Tanzen. Über mehr Männer würde sie sich freuen – die seien bei der Veranstaltung unterrepräsentiert. Auch wer nicht tanzt, fühle sich beim Tanztee wohl: So wie Irene Blank, die mit ihren Freundinnen die Unterhaltung genießt. „Ich finde es schön, gemeinsam Kaffee zu trinken und Musik zu hören“, erzählt sie, „zu Hause kann ich noch lange genug sitzen.“

Zur Finanzierung sind mehr Teilnehmer erforderlich

Doch um den Fortbestand und neue Gäste des Tanztees habe der Organisator Bruno Franz derzeit zu kämpfen. Grund sei die Finanzierung, wie er erklärt: „Wir müssen die Miete für das Glockenhaus, Versicherungen, Gema und die Musik zahlen, aber dürfen keine Mitgliedsbeiträge verlangen. Trotzdem soll am Ende des Jahres eine schwarze Null stehen.“ Mit den vier Euro Eintritt, die der Tanz-Treff kostet, sei das nicht zu schaffen. Ein großer Dank gehe daher an die Sparkassenstiftung, die das Projekt fördert.

Franz liegt es am Herzen, dass die Besucher hier für ein paar Stunden ihre Sorgen und Probleme des Alltags vergessen können. Für den 70-Jährigen sei es am schönsten, wenn sie „mit einem Lächeln aus der Veranstaltung rausgehen und die positive Schwingung mit nach Hause nehmen“. Wer demnächst auch seinen Körper zum langsamen Walzer, Cha-Cha-Cha oder seinem Lieblingslied schwingen möchte – oder auch nur den Fuß wippen und sich unterhalten will –, ist herzlich willkommen beim nächsten Treff am Sonntag, 5. April, von 15 bis 18 Uhr.

Von Franziska Ruf