Dienstag , 29. September 2020
Intensive Feldberegnung – wie hier im Hitzejahr 2018 – führt zu einer deutlich überhöhten Entnahme von Grundwasser. (Foto: be)

Der Druck soll steigen

Lüneburg. Dass es an dem Abend, als die frisch gegründete Bürgerinitiative „Unser Wasser“ zu ihrem ersten Arbeitstreffen im Museum der Zukunft zusammenkam, Bindfäden regnete, war von vielen wohl als gutes Omen verstanden worden. Denn mit gut 60 Teilnehmern war das Interesse an dem Thema wie auch an einer weiteren Mitarbeit in der BI hoch. Dazu trugen auch Zahlen bei, die zwar nicht brandneu, dafür aber nicht weniger besorgniserregend sind.

35 Millionen Kubikmeter – es war diese Zahl, die an dem Abend bei den Teilnehmern regelrecht Empörung auslöste. Diese Menge war im Hitzesommer 2018 im Landkreis Lüneburg (ohne Stadt Lüneburg) dem Grundwasser entnommen worden. Das waren fünf Millionen Kubikmeter mehr als genehmigt.

Moore, Tümpel, Teiche und Kleingewässer trocknen aus

Lüneburgs Nabu-Vorsitzender Thomas Mitschke hatte die Zahlen mitgebracht und auch gleich auf das Problem aufmerksam gemacht: „Wir schlittern einer riesigen Katastrophe entgegen.“ Schon jetzt trockneten Moore, Tümpel, Teiche und Kleingewässer aus, etwa 80 Prozent davon seien nach seiner Schätzung bereits bedroht. Ein weiteres Problem: Der Landkreis habe erst auf Hinweise des Nabu angefangen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. „Die hatten noch nicht mal gewusst, wie viele Moore wir hier überhaupt haben.“ Zwar seien diese jetzt erfasst, ihr Zustand sei aber noch immer nicht ermittelt worden. Zugleich nahm Mitschke den Landkreis in Schutz: Nach Abschaffung der Bezirksregierung seien die Aufgaben an den Landkreis übertragen, dieser dafür aber personell nicht ausgestattet worden.

Die von Mitschke vorgetragenen Zahlen entstammen der Grundwasserbilanz 2018, die der Landkreis im Oktober vergangenen Jahres vorgelegt hatte. Da­raus geht hervor, dass der größte Teil auf die Feldberegnung in der Landwirtschaft entfällt. Stefan Bartscht, Fachdienstleiter Umwelt beim Landkreis Lüneburg, sprach dabei von einigen Bauern, die sich nicht an die Vorgaben gehalten hätten. Er sagte aber auch, das Problem mache deutlich, dass das gesamte System auf den Prüfstand gehöre (LZ berichtete).

Nicht nur auf Coca-Cola schauen

Mitschke appellierte daher auch, den Blick nicht nur auf Coca-Cola zu richten, „wir müssen das System komplett überdenken“. Dem stimmte auch BI-Initiatorin Cornelia Höllger zu, sie merkte aber an: „Bei Coca-Cola können wir direkt etwas tun.“ Jede Maßnahme zähle.

Unterstützung gab es dafür von Mitstreiterin Eleonore Tatge. Sie erinnerte an eine Aussage von Coca-Cola, wonach das Unternehmen damals versichert habe, dass die genehmigten 350 000 Kubikmeter ausreichten. „Jetzt aber wollen sie das Doppelte. Deshalb glaube ich nicht, dass es dabei bleibt.“

Enttäuscht zeigte sich Bettina Schröder-Henning, die über das Gespräch der BI mit Landrat Jens Böther berichtete. Sie habe dabei nicht den Eindruck gewinnen können, dass der Landkreis das Grundwasserproblem aktiv genug angehe und zu sehr auf Hannover verweise. Auch bemängelte sie die nach ihrer Einschätzung ungenügende Faktenlage, im Kreishaus seien offenbar wichtige Daten zu den aktuellen Grundwasserständen nicht vorhanden.

Ein Teilnehmer des Abends reagierte prompt: „Wir müssen den Druck erhöhen.“ Bettina Schröder-Henning nahm den Hinweis auf und appellierte ihrerseits, sich rege an der Arbeit der BI zu beteiligen. „Wir haben den Stein ins Wasser geworfen. Jetzt hoffen wir, dass er Wellen schlägt.“

Vio-Produktion

Absatzentwicklung bei Coca-Cola

Der Umsatz der Mineralwasser-Marken Apollinaris und Vio war 2019 rückläufig. Zur Begründung sagte Coca-Cola, das im Vergleich zu 2018 geringere Verkaufsvolumen sei vor dem Hintergrund eines sehr starken Vorjahres zu betrachten. Eine deutliche Steigerung habe es hingegen bei den Vio-Biolimonaden und -Schorlen gegeben. Coca-Cola kündigte zudem an, seinen Standort in Hamburg-Bramfeld Ende September zu schließen und dessen Aktivitäten auf andere Standorte zu verlagern. Lüneburg sei davon nicht betroffen.

Von Ulf Stüwe