Montag , 28. September 2020
Die Auszubildenden der Touristikklasse der Berufsbildenden Schule I sind stolz auf das, was sie auf die Beine gestellt haben. Foto: t&w

Neue Wege im Tourismus

Lüneburg. Zum zweiten Mal haben Schüler der Touristikklasse der Berufsbildenden Schule I die Veranstaltung „We meet! Reiseexperten von morgen“ organisiert, eine Messe für angehende Touristiker aus Norddeutschland. Eine der Projektleiterinnen, Merle Bachmann, war im vergangenen Jahr noch als Teilnehmerin dabei: „Ich fand die Idee damals schon toll. Hier wird über Inhalte gesprochen, die weder im Betrieb noch im Unterricht vermittelt werden. Wir können uns mit anderen Azubis aus der Region austauschen und die Veranstalter sind zum Greifen nah.“ Was ihr am Herzen liegt: „Hoffentlich nimmt jeder hier etwas für sich mit und erachtet den Tag nicht als verschwendete Zeit.“

Mehr als 200 Schüler aus Hannover, Bremen, Malente und Hamburg sind der Einladung der Lüneburger Touristiker gefolgt. In der vollbesetzten Aula wird deutlich: Die Tourismusbranche scheint vor allem für Frauen attraktiv zu sein, sie sind klar in der Überzahl, auch in der Gastgeberklasse sind ausschließlich junge Frauen. Für Projektleiterin Mounita Sturm war die Ausbildung genau die richtige Entscheidung. Sie wollte lieber eine Ausbildung machen, statt zu studieren. „Das, was wir machen, ist kein stumpfer Bürojob, wir machen Leute glücklich. Und für mich gibt es nichts schöneres als Reisen.“ Auch sie freut sich, an diesem Tag auf Gleichgesinnte zu treffen.

„Heute stehen die Leute nicht mehr Schlange, um einen Urlaub zu buchen.“ – René Morawetz, Reisebüro-Coach

Bis zum späten Nachmittag können sich die Auszubildenden Vorträge von hochkarätigen Referenten anhören, Themen sind unter anderem Krisenmanagement, der Vertrieb nachhaltiger Produkte, Kreuzfahrt als Boom und Nachhaltigkeit in der Kreuzfahrtbranche. Großen Anklang fanden außerdem Vorträge zum Thema Beratung der neuen Generation und Kundenbindung. „Die Leistung, die wir anbieten, braucht niemand mehr zwingend“, sagt Reisebüro-Coach René Morawetz. „Heute stehen die Leute nicht mehr Schlange, um einen Urlaub zu buchen. Umso wichtiger ist es, besser zu sein, cooler, freundlicher, kompetenter als es ein Online-Anbieter je sein kann.“

Lehrerin Maren Hoffmann, die die Schüler bei der Umsetzung des Projekts begleitet hat, glaubt, dass Krisen der Branche sogar in die Karten spielen können: „In Zeiten von Corona und Co. sind die Menschen umso glücklicher, wenn sie einen festen Ansprechpartner haben. Das Gefühl, gut aufgehoben zu sein, kann das Internet nicht ersetzen.“ Hoffmann ist stolz auf ihre Schülerinnen, die bereits im August mit der Vorbereitung der Veranstaltung begonnen hatten. Anderthalb Monate lang lernten die Schüler die Theorie, dann wurde einmal die Woche eine Doppelstunde lang geplant. „Nebenbei haben aber viele noch in ihren Betrieben und zu Hause weiter an dem Projekt gearbeitet“, weiß Hoffmann.

Veranstaltung soll alle zwei Jahre stattfinden

Auch für den Klassenzusammenhalt war das Projekt ein Erfolg. Die Schülerinnen hätten viel darüber gelernt, wie man im Team miteinander arbeitet, aber auch wie man Konflikte löst, wenn es mal hakt. In Zukunft soll die Veranstaltung im Zwei-Jahres-Turnus stattfinden. „So kann jeder im Laufe seiner Ausbildung teilnehmen. Neue Trends zeichnen sich etwa alle zwei Jahre ab und es ist natürlich auch nicht einfach, jedes Jahr aufs Neue spannende Referenten zu finden, die bereit sind, unentgeltlich hier zu sprechen“, erklärt Hoffmann.

Eine gute Übung für die Praxis sei die Organisation von „We meet!“ gewesen, sagt Merle Bachmann: „Alles, was wir gemacht haben, lässt sich auch auf eine Reise übertragen. Wir mussten die Finanzen im Blick behalten, uns um Räume und Referenten kümmern, koordinieren und kommunizieren. Das war schon ein Stück Arbeit, bis das große Ganze stand. Es gab stressige Phasen, aber wir haben immer eine Lösung gefunden. Und jetzt sind wir zufrieden.“ Enden wird der Stress für die Berufsschüler jedoch nicht: Im April beginnen ihre Abschlussprüfungen.

Von Lea Schulze