Rettungssanitäter Florian Grunau vom Arbeiter-Samariter-Bund in Lüneburg ist für das LZ-Foto in die Schutzausrüstung geschlüpft. (Foto t&w)

Coronavirus: Große Verunsicherung, nüchterne Vorbereitungen

Lüneburg. "Reagieren mit Augenmaß" gibt die Fachbereichsleiterin Soziales beim Landkreis Yvonne Hobro als Richtschnur im Umgang mit dem Coronavirus vor. Gleichwohl fahren die Behörden hoch: Nachdem am Freitag eine Runde im Lüneburger Rathaus tagte, gab es am Montag ein Treffen des sogenannten kleinen Katastrophenstabes auf dem Michaeliskloster. Neben dem täglich tagenden Zirkel wird künftig ein größerer Kreis eingebunden, der zunächst einmal wöchentlich zusammenkommen soll, bei Bedarf öfter.

Der Informationsbedarf der der Bevölkerung ist groß, das zeigt sich an rund 100 Anrufen pro Tag am Bürgertelefon des Landkreises. Deshalb sollen dort künftig statt drei nun sechs Ansprechpartner zu erreichen sein. Wie berichtet, ist es montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr unter (04131) 261000 erreichbar. Dort gehe um ganz unterschiedliche Themen bilanzieren Yvonne Hobro und Kreissprecherin Katrin Holzmann: "Das reicht von fehlenden Produkten im Supermarkt bis zur Frage, wie einen der Hausarzt versorgen soll oder wo man einen Abstrich machen lassen kann."

Firmen setzen auf Homeoffice

Die Auswirkungen des Coronavirus spürt die Lüneburger Firma Sieb & Meyer bereits: Der Spezialist für Steuerungstechnik ist in China stark engagiert. Für Februar und März seien die Aufträge zurückgegangen, sagt Vorstand Markus Meyer. Das habe zwar auch mit dem chinesischen Neujahrsfest zu tun, doch es sei zu merken, dass Partner im Reich der Mitte ihre Produktion gedrosselt oder eingestellt haben. Sieb & Meyer hat Niederlassungen in China und Taiwan. „Bis auf einen haben wir unsere Mitarbeiter zurückgeholt“, sagt Meyer. Größere Sorgen macht sich der Manager aber um Europa: „Wie verbreitet sich das Virus und wie reagiert der Staat? Je restriktiver Maßnahmen ausfallen, desto stärker trifft es die Wirtschaft.“ Schließungen von Betrieben seien nicht ausgeschlossen. Auch deshalb setzt Sieb & Meyer auf Homeoffice.

Ähnlich reagiert der Hersteller von Frühstückszutaten, DeVauGe. Dort sagt der Lüneburger Werkschef und Vertriebsleiter Rüdiger Kühl, dass Kollegen von zu Hause aus arbeiten können. „Zudem haben wir Bürogemeinschaften aufgelöst und lassen Leute in Einzelbüros arbeiten.“ Überdies sei intern noch einmal auf Hygienevorgaben aufmerksam gemacht worden

Betriebe befürchten bald Lieferengpässe

Bei Elektronik-Experten Panasonic haben die Verantwortlichen Geschäftsreisen nach China und Italien absagen lassen. An einer Messe in Nürnberg vorige Woche habe man nicht teilgenommen, um Ansteckungsrisiken zu vermeiden, sagt Verena Carstens von der Unternehmensleitung, die Erklärung: „Dorthin reisen viele asiatische Lieferanten.“ Das Unternehmen achte darauf, möglichst wenige Besucher im Betrieb im Hafen zu haben: „Wir fragen, ob eine Konferenz auch per Skype möglich ist.“

Die Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg bilanziert vorläufig, Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert sagt: „In den größeren Unternehmen werden Pandemiepläne aktualisiert oder erarbeitet, um sich auf mögliche Infektionsfälle bei Mitarbeitern oder Kunden vorzubereiten. Ein Thema für eine Reihe von Produktions- und Handelsbetrieben sind die Lieferketten aus den betroffenen Ländern. Hier gibt es zwar aktuell noch keine gravierenden Auswirkungen, klar ist aber, dass unsere Unternehmen mit Lieferengpässen rechnen, sollte sich die Lage nicht stabilisieren.“

Von Carlo Eggeling

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