Samstag , 19. September 2020
Die Mitglieder des Lüneburger Stadtrates haben eine gemeinsame Erklärung verfasst und der Opfer des Anschlags von Hanau gedacht. (Foto: t&w)

Haltung nach Hanau

Lüneburg. Mit einer gemeinsamen Erklärung haben die Mitglieder des Lüneburger Stadtrates Donnerstag Abend einstimmig der Opfer des Anschlags von Hanau gedacht. „Diese brutale, grausame, menschenverachtende und rassistisch motivierte Tat erfüllt uns mit Schrecken. Sie erfüllt uns mit tiefer Sorge. Sie droht uns einmal mehr sprachlos zu machen“, heißt es in dem gemeinsam von SPD, Grünen, CDU, FDP und Linke eingebrachten Dringlichkeitsantrag.

„Es ist ein gutes und ermutigendes Zeichen, dass eine so breite Mehrheit sich diesem Antrag anschließen konnte“, freute sich Friedrich von Mansberg (SPD), der im Namen der Antragsteller die Erklärung vortrug.

Es gehe darum, sich mit aller Kraft den Tätern und „denjenigen entgegenzustellen, die zu diesem furchtbaren Verbrechen applaudieren“. Dies gelte auch gegenüber denjenigen, „die diese Taten heimlich gutheißen“ und die angesichts dieser Taten gleichgültig bleiben oder sie relativieren.

Weiter heißt es: „Ganz besonders aber müssen wir uns denjenigen entgegenstellen, die das gesellschaftliche Klima für diese Verbrechen schaffen, die die Gesellschaft spalten und die Menschen gegeneinander aufhetzen, die Rassismus, Menschenverachtung und Ausgrenzung zum politischen Programm erheben, die den Respekt vor dem anderen, jedwedem anderen mit Füßen treten.“ Sie endet mit der Selbstverpflichtung, „Lüneburg zu einem Ort zu machen, an dem wir miteinander ins Gespräch kommen und Argumente austauschen. Wo wir uns mit Respekt begegnen und unterschiedliche Sichtweisen gelten lassen – denn das Wesen der Demokratie ist nicht der Streit, sondern das Argument.“

Ohne Debatte stimmten dem alle Mitglieder des Stadtrates zu – auch die vier Vertreter der AfD.

Ratsvorsitzende Christel John (CDU) hatte die Sitzung mit einer Gedenkminute eröffnet und dazu aufgerufen, zu zeigen, „wie es schon so viele Tausend Menschen in ganz Deutschland in den vergangenen Tagen getan haben: Wir sind mehr!“

Von Marc Rath