Montag , 26. Oktober 2020
Stephan Scheer vor dem denkmalgeschützten Gebäude an der Egerstorffstraße, das viele bauhistorische Schätze enthält, die er für die Gäste des zukünftigen Hotels sichtbar und erlebbar machen möchte. In den Anbau kommt die Whisky-Destille. Foto: t&w

Engel schaut beim Schlummern zu

Lüneburg. Für den Syndikus hatte die Stadt im 15. Jahrhundert ein schmuckes Haus auf dem Windberg errichtet. Mit einer repräsentativen Gestaltung der Decken und Wände, wie das für jene Zeit üblich war. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Gebäude immer wieder verändert und unterschiedlich genutzt. Zuletzt verfiel es – bis der Bleckeder Unternehmer Stephan Scheer es erwarb. Seit gut zweieinhalb Jahren setzt er alles daran, das denkmalgeschützte Haus sensibel zu sanieren. Einziehen soll ein Hotel mit 26 Zimmern und Whisky-Destille. Es wird voraussichtlich im Mai eröffnen. Einem Stück Bauhistorie werden Gäste dann gleich in der Lobby gewahr, und in einem Zimmer kann unter einer historisch einzigartigen Engelsdecke geschlummert werden.

Der Ursprung des Hauses an der Egerstorffstraße geht auf 1439 zurück. Es gab einen Hauptbau sowie einen Flügelbau, der zur Straße Hinter der Bardowicker Mauer gelegen war. „Die Holzdecken im Eingangsbereich sowie im Flügelbau waren mit dekorativen Malereien versehen, wie das bei diesem Typus Haus vom 15. bis 18. Jahrhundert üblich war“, erläutert Cornelia Abheiden von der Denkmalpflege. Weitere Beispiele dafür seien im Heinrich-Haus-Haus mit dem heutigen Trausaal sowie im Brömsehaus zu finden. Auch Wandmalereien gehörten in jenen Jahrhunderten zum Interieur. „Gut erhaltene gibt es selten, weil zum Beispiel im Zuge von Feuchtigkeit Putz bei Sanierungen abgeschlagen wurde.“

Malerei ist mehrere Jahrhunderte alt

Pausbackige Engel schweben sozusagen im Flügelbau in einem Zimmer an der Decke, das den Bewohnern vielleicht einst als Gesellschaftsraum gedient haben mag. Dafür spreche, dass dieses Zimmer einen Kamin besaß, erklärt Restaurator Gerold Ahrends. Die Engelchen sind der Mittelpunkt von Kassetten, die aufs Holz gemalt wurden. Das gehörte zum Einrichtungsstil in der Zeit um 1700, „jede Epoche transportiert ihren Zeitgeist ja auch in der Malerei“, sagt Ahrends. Gleichwohl sei dies nur eine von drei Farbschichten von Malereien, die im 15. und 16. Jahrhundert sowie um 1700 übereinander entstanden seien. Während die älteste in Öl gehalten sei, seien die jüngeren Malereien mit Temperafarben entstanden. Sichtbar wird dies noch an einigen Stellen, wo Rauten und Eckornamente in schwachem Gelb sichtbar werden unter den Engelsmalereien.

Bauherr Stephan Scheer ist es wichtig, dass das Gebäude auch als Hotel seine Geschichte präsentiert und für jeden sichtbar macht. Deshalb bekommt die Wand, die die Engelsdecke in Zimmer und Flur teilt, im oberen Bereich Aussparungen, in die Konferenzglas eingesetzt wird. „So hat jeder Gast den Blick auf diese besondere Decke“, sagt Scheer. Begeistert ist er, dass die Hotellobby hin zur Egerstorffstraße gleich mit einem Highlight empfängt. Die Beschlagwerkornamente aus dem 17. Jahrhundert sind bereits aufwendig restauriert. Eine Herausforderung, weil sich an vielen Stellen Farbschichten sowie Leinwandstreifen über den Brettfugen gelöst hatten und alles mit dicken Staubschichten überzogen war. Hier musste erst einmal behutsam gereinigt und konserviert werden, bevor es an die Restaurierung der Malerei gehen konnte. Dabei wurde auch eine kleine Fläche freigelegt, „die ältere florale Malereien vermutlich aus dem 16. Jahrhundert zeigt – sozusagen ein Fenster zur Geschichte“, sagt der Restaurator.

Großteil der Innenarbeiten ist abgeschlossen

Denkmalpflegerin Cornelia Abheiden bezeichnet die Decken als einzigartig und bedeutend für das Haus. „Sie machen unter anderem für den Besucher erkennbar, dass es in mehreren Epochen erweitert wurde.“

In den vergangenen zweieinhalb Jahren wurde viel Arbeit in die Gründung des Hauses, Mauer- und Fassadensanierung investiert. Inzwischen ist auch ein Großteil der Innenarbeiten abgeschlossen. „Für die Destille wurde die letzte Betondecke gegossen. Anfang März wird der Zoll sie abnehmen“, sagt Scheer. Am 1. Mai soll das Hotel Wyndberg seine Türen öffnen.

Von Antje Schäfer

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