Montag , 26. Oktober 2020
Der Teichbelüfter, hier ein Archivbild aus 2016, wird auf dem Göxer Bachteich von Mitarbeitern der AGL in eine sonnenbeschienene Position gebracht. Foto: AGL

Auf den Teichen wird weiter gerührt

Lüneburg. Besonders beeindruckend ist das Gerät eher nicht, seine Wirkung dafür umso mehr: Der solarbetriebene Teichbelüfter, zuletzt auf einem der Bockelsbergteiche im Einsatz, hat offenbar das Zeug dazu, sauerstoffgefährdete Gewässer zu neuem Leben zu erwecken. Zu diesem Ergebnis kommt die Abwasser, Grün und Lüneburger Service GmbH (AGL), die das Gerät über mehrere Jahre hinweg getestet hat. Auch in diesem Jahr soll die Anlage wieder zum Einsatz kommen.

Bereits am kommenden Donnerstag, 27. Februar, geht die Anlage wieder in Betrieb. Rühren, rühren, rühren heißt es dann wieder, denn mithilfe eines kontinuierlich arbeitenden Rührwerks, das auf der schwimmenden Plattform angebracht ist und von Solarzellen angetrieben wird, entsteht eine leichte, aber stetige und gerichtete Oberflächenströmung. Sie wiederum bewirkt, dass die auf der Oberfläche sich ausbreitende Wasserlinse, im Volksmund auch Entengrün oder Entenflott genannt, zurückgedrängt wird. Der Teichbelüfter sorgt dadurch für einen höheren Lichteinfall und verbessert den Sauerstoffeintrag in das Gewässer. Die Folge: Das Algenwachstum wird dadurch eingeschränkt, was sich ebenfalls positiv auf die Gewässerqualität auswirkt.

Wie gut das funktioniert, konnte die AGL im vergangenen Jahr feststellen. Von März bis November war die Anlage auf dem Inselteich, einer der großen Wasserflächen am Bockelsberg, im Einsatz, „die Ergebnisse waren sehr zufriedenstellend“, sagt AGL-Geschäftsführer Lars Strehse. So hätten durch die Belüftung während des trockenen und extrem warmen Sommers der Sauerstoffgehalt und die chemisch-physikalischen Parameter auf einem guten Niveau gehalten werden können, obwohl der Wasserpegel in den Sommermonaten stark abgefallen war. „Die Gewässerqualität konnte sogar verbessert werden, sodass wir in einigen Proben sogar wieder Larven der Eintagsfliegen nachgewiesen haben – ein Indiz für gute Qualität“, macht Strehse deutlich.

Gestank wird wohl weiter anhalten

Allerdings gab es auch Kritik. So würden Strehse zufolge zwar viele den Einsatz des Geräts begrüßen, andere aber störten sich an den Betriebsgeräuschen des Belüfters. „Dass die Betriebsgeräusche in dieser ruhigen Umgebung auffallen, ist nachvollziehbar. Jedoch ist der Lärmpegel des Belüfters äußerst gering. Während der Nachtstunden geht das Gerät zudem außer Betrieb“, sagt Strehse.

Hoffnungen vor allem vieler Bockelsberger, angrenzender Kleingartenpächter und Spaziergänger, der zum Teil heftige Gestank durch das faulige Wasser in den übrigen Teichen könnte schon bald ein Ende haben, erteilt Strehse aber eine Absage. An die Anschaffung zusätzlicher Belüfter sei „zurzeit nicht gedacht.“ Seine Lösung: Man werde das Gerät umsetzen, sollten sich auch woanders Probleme ergeben. Auf den Hinweis, dass die aber längst offenkundig sind und ein Umsetzen die Probleme lediglich verlagern werden, ging der AGL-Chef nicht ein.

Um Mitwirkung beim Schutz der Teiche bat Strehse dennoch. Auch Waldbesucher könnten ihren Beitrag zur Verbesserung der Gewässerqualität leisten, indem sie auf die Fütterung von Enten verzichten. Dadurch würde der schädliche Eintrag von Nährstoffen, die das Algenwachstum ankurbeln, in die Gewässer verringert.

Von Ulf Stüwe

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