Sonntag , 27. September 2020
2020: Das Sanierungsprogramm steht. Die Fensterfronten sollen erneuert und Nachbesserungen beim Brandschutz getätigt werden. Zudem steht eine Schadstoffsanierung an. Foto: dth

Ein Kraftakt, aber schnell

Lüneburg. „Einer Burg der Gelehrsamkeit gleich ragt am Schwalbenberg neben dem Berufsbildungszentrum des Handwerks (BBZ) nun auch der Neubau der Berufsbildende Schule I über die Dächer der Lüneburger Altstadt“, hieß es im September 1980 zur Einweihung des neuen Gebäudekomplexes in der LZ. Heute müsste von einer Burg der Sanierungsbedürftigkeit die Rede sein. 40 Jahre nach der Einweihung mit dem damaligen Kultusminister Werner Remmers berieten nun Lüneburger Kreistagsabgeordnete im Hochbauausschuss über die notwendigen Erneuerungsmaßnahmen für die „4500 Quadratmeter überbaute Fläche“. Kostete der Schulbau damals rund 15 Millionen D-Mark, wird für die Sanierung nun mit 9,8 Millionen Euro gerechnet.

Bereits im September 2019 hatte sich der nichtöffentliche Kreisausschuss mit dem Sanierungsprogramm beschäftigt und sich dafür ausgesprochen, dafür acht Millionen Euro in den Haushaltsjahren 2020 bis 2022 bereitzustellen. Jetzt ist klar: Diese Summe wird nicht reichen. Nach Abschluss der europaweiten Ausschreibung der Architektenleistung hat das Hamburger Büro „Architekten Johannsen und Partner“ (AJP) den Zuschlag erhalten. Seit November 2019 konkretisierte der Fachdienst Gebäudewirtschaft des Landkreises zusammen mit dem Büro die weiteren Planungen. Architekt Matthias Johannsen stellte dem Hochbauausschuss nun die geplanten Maßnahmen vor und sprach von einem „Kraftakt“ und einer „sehr engen Zeitschiene“.

Ganz oben auf dem Aufgabenzettel steht die Schadstoffsanierung von Unterrichts- und allgemeinen Räumen in dem Gebäudekomplex sowie die energetische Sanierung der teils recht großzügigen Fenster und Glasfassadenelemente.

Alte Mängel im Brandschutz wieder aufgetaucht

Bislang war die Bauzeit auf 36 Monate angesetzt. Dabei sollte die Sanierung abschnittsweise von jeweils bis zu sechs Unterrichtsräumen umgesetzt werden. AJP schlägt allerdings vor, die Sanierungsabschnitte deutlich größer zu fassen und zwar jeweils bis zu zwölf Räume gleichzeitig. Damit könnten die Bauabschnitte von zwölf auf sechs halbiert und die Bauzeit um bis zu einem Jahr verkürzt werden, sagte Johannsen. Gleichzeitig steigt der Bedarf nach Containern als Ausweichklassenräume. Wegen des geringen Stellplatzangebots sollen die Container für maximal zwölf Unterrichtsräume laut Johannsen zweigeschossig aufgestellt werden. Zudem hatte der Architekt noch eine schlechte Nachricht für die Ausschussmitglieder.

Johannsen: „Was wir leider noch machen müssen: Es gibt immer noch keine mängelfreie Abnahme der Brandschutzsanierung vor unserer Zeit.“ Auf Nachfrage räumte Detlef Beyer vom Fachdienst Gebäudewirtschaft ein, dass bei einer früheren Brandschutzsanierung im Flurbereich des zweiten Obergeschosses anstelle der verabredeten Brandschutzdecke eine geschlossene Gipskartondecke eingebaut worden war. Zudem seien Elektroleitungen teilweise mit „falschem Material befestigt worden“, ergänzte Hans-Richard Maul von der Kreisverwaltung. Beyer: „Das ist außerordentlich ärgerlich. Wir werden dem noch nachgehen, wer da damals nicht genau hingeguckt hat.“

Neuorganisation des Koordinatorenbereichs

Eine Herausforderung für das Planungsbüro sind auch die Fenstersysteme, an denen Architekt von Mansberg das Urheberrecht hält. Johannsen: „Das ist der Mercedes unter den Beschlagsystemen, leider gibt es dafür aber kaum noch Ersatzteile.“ Zudem wünschte sich die Schulleitung eine räumliche Neuorganisation des Koordinatorenbereichs, was alleine mit Mehrkosten von 200.000 Euro zu Buche schlagen soll. Zudem soll die Schul-Cafeteria barrierefrei umgestaltet werden und auch das mehrstufige Schulforum soll erneuert und die unterste Ebene angehoben werden.

Ausschussvorsitzender Hans-Georg Führinger (CDU) befragte Schulleiter Heiko Lüdemann, welchen Sanierungszeitplan, ob 36 oder 24 Monate, er bevorzuge. Dazu Lüdemann: „Schnell daran, schnell davon.“ Auch Abgeordnete wie Wolfgang Marten (SPD) sprachen sich dafür aus, „dass wir das zügig abwickeln“. Schließlich stimmte der Ausschuss einhellig für die schnelle Lösung. Der Hinweis der Verwaltung, dass damit früher mehr Haushaltsmittel zulasten anderer Schulbauprojekte aufgewandt werden müssten, schien im Ausschuss zu verhallen.

Von Dennis Thomas