Freitag , 30. Oktober 2020
Die Sport- und Eventhalle Arena Lüneburger Land steht vor einer weiteren Hürde. Foto: t&w

Beirat: Arena-Planung grenzt Behinderte aus

Lüneburg. Die Sport- und Eventhalle Arena Lüneburger steht vor einer weiteren Hürde: Sie sei in weiten Bereichen nicht barrierefrei, weise hier erhebliche planerische Mängel auf und „widerspricht eklatant der UN-Behindertenrechtskonvention“, hat der Vorsitzende des Lüneburger Behindertenbeirates, Jörg Kohl-stedt, nach einer ersten Prüfung einzelner Planungsunterlagen festgestellt.

„An vielen Stellen stellt die Planung eine Diskriminierung für Menschen mit Behinderung dar“, heißt es in einem Schreiben, das Kohlstedt am Wochenende Landrat Jens Böther (CDU) und den Vorsitzenden der Kreistagsfraktionen zugeleitet hat. Der Architekt, der über langjährige Erfahrung mit der Planung und Umsetzung von Großprojekten verfügt, hat die Mängel auf 18 Seiten festgehalten.

„Ein Leuchtturmprojekt von überregionaler Bedeutung“

„Wir erklären ausdrücklich, dass wir der Umsetzung der Arena in der vorliegenden Form widersprechen und eine Überarbeitung fordern“, unterstreicht der Vorsitzende der Interessenvertretung, die im Landkreis rund 20.000 Menschen mit Behinderung vertritt. Kohlstedt hat auch die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung, Petra Wontorra, eingeschaltet. Schließlich handele es sich „um ein Leuchtturmprojekt von überregionaler Bedeutung“.

Der Beiratsvorsitzende verweist darauf, dass die Arena nach derzeitigem Stand der Planung nicht ohne fremde Hilfe auffindbar und zugänglich sowie in weiten Teilen nicht für Menschen mit Behinderung nutzbar sei. Kohlstedt kritisiert: „Menschen mit Behinderung werden mit dieser Planung von Teilhabe, Teilnahme und Teilgabe am Leben in der Gesellschaft bei kulturellen und sportlichen Veranstaltungen bewusst ausgeschlossen.“

„Wir sind enttäuscht und verärgert“

Als „eklatanteste Mängel“ listet die Stellungnahme die „komplette Unnutzbarkeit der Arena für Sportveranstaltungen von und mit Menschen mit Behinderung aufgrund der nicht nutzbaren Umkleide- und Sanitärräume“ auf. Die Garderobe sei für Menschen mit Behinderung ebenso wenig zugänglich wie die Premiumflächen im 2. Obergeschoss sowie die Konferenzräume und Büroflächen im 1. Obergeschoss. In den Zuschauerbereich im 1. Obergeschoss gehe es für Rollstuhlfahrer nur über den einzigen Aufzug im VIP-Bereich.

„Wir sind von der uns vorliegenden Planung enttäuscht und verärgert“, schreibt Kohlstedt an Böther. Er moniert, dass der Beirat in den Planungsprozess „erst spät, zu spät“ einbezogen worden sei: „Hier handelt es sich um eine Bringe- und nicht um eine Holschuld“. Die Mängel zu beseitigen, werde in der Planung und aufgrund der bereits fortgeschrittenen Bautätigkeit zu erheblichen Kosten führen, schätzt der Vorsitzende des Behindertenbeirates.

Während auf der Baustelle an der Lüner Rennbahn nach etlichen Verzögerungen und einer Verdoppelung der Kosten auf 23 Millionen Euro inzwischen alles nach Plan zu verlaufen scheint, steht der Landkreis nunmehr neben der erneuten Diskussion über die Betreiberfrage vor einem weiteren Punkt, wo Nachbesserungen nötig sind. Der in der heutigen (Montag) Kreistagssitzung vorgesehene Sachstandsbericht zur Arena bekommt jedenfalls neue Brisanz.

Von Marc Rath