Mittwoch , 30. September 2020
Boris Erb rückt in die Spitze des Bauernverbandes auf. Foto: t&w

Bauern zwischen Pest und Politik

Lüneburg/Erbstorf. Der Kreisverband Lüneburg im Bauernverband Nordostniedersachsen (BVNON) hat zwei neue Gesichter an der Spitze: Boris Erb und Johanna Nunnemann. Nachdem Jens Wischmann vor einem Jahr die Wahl zum Vorsitzenden abgelehnt hatte, blieb der Posten zunächst unbesetzt. Der mit Erb und Nunnemann nun wieder vollständige Vorstand will sich den künftigen Herausforderungen der Landwirtschaft gleichberechtigt stellen.

Sorgen um die Zukunft der Feldberegnung

Und das sind so einige, wie Landrat Jens Böther in seinen Grußworten im vollbesetzten Saal des Erbstorfer Restaurants Lim`s klarstellte. Preisverfall, Afrikanische Schweinepest, Klimawandel. „Ich weiß, dass sich viele von Ihnen Sorgen machen, wie es denn zukünftig mit der Feldberegnung aussehen soll“, sagte Böther. Um herauszufinden, wo in der Region dauerhaft wie viel Wasser entnommen werden kann, habe der Dachverband Feldberegnung mit Unterstützung des Landkreises ein Gutachten in Auftrag gegeben. „Wir wissen, dass Wasser endlich ist. Die Konkurrenz darum ist riesig.“

Der Schuh drückt aus Sicht der Landwirte allerdings auch noch an anderer Stelle gewaltig: Carsten Hövermann ging in seinem Vorstandsbericht auf die geplante Verschärfung der Düngeverordnung ein. Wie berichtet, wurde bei drei Brunnen der Region – in Reinstorf und Wulfsode im Landkreis Uelzen und in Dachtmissen – der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter überschritten.

Brief an Bundesagrarministerin Julia Klöckner

Messwerte, die Hövermann und viele seiner Kollegen für Zufallsergebnisse halten. Der Bauernverband habe darum beschlossen, das Wasser in den Beregnungsbrunnen im betroffenen so genannten „roten Gebiet“ analysieren zu lassen. Hövermann: „Es war kein einziger Wert im Landkreis Lüneburg, der über 50 Milligramm hatte.“

Ein Brief an Bundesagrarministerin Julia Klöckner führte zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis, der BVNON schickte seinen Vorsitzenden Thorsten Riggert nach Berlin. „Es scheint so zu sein, dass nun wenigstens ein bisschen Bewegung reinkommt“, berichtete Hövermann. Es gebe „politische Tendenzen“, die kleinteiligere rote Gebiete befürworteten, in denen die entsprechenden Einschränkungen bei der Stickstoffdüngung gelten sollen. Bislang sind nach Angaben des Verbandes rund 1000 Betriebe betroffen. Die neue Variante sei zwar noch immer nicht „verursachergerecht“, aber komme dem zumindest näher.

Gespräche mit Politikern

Mit einer Milliarde Euro will die Bundesregierung die Landwirte dabei unterstützen, die mehrfach verschärfte Düngeverordnung umzusetzen. Damit hat sie sich unter den Landwirten allerdings nicht nur Freunde gemacht: „Es geht ja nicht ums Geld“, erklärte Vorstandsmitglied Hubertus Meyer, sondern vielmehr um verlässliche Rahmenbedingungen, die ein nachhaltiges Wirtschaften ermöglichen. Mit diesem Ziel werden vom Bauernverband jährlich viele Briefe an Ministerien geschickt, Gespräche mit Politikern geführt und Projekte angeschoben – auch, um den Beitrag der Landwirtschaft zum Klimaschutz auszubauen. Als Beispiel stellte Geschäftsführer Johannes Heuer das Projekt „Klimabauern – Landwirtschaft macht Klimaschutz” vor – und ergänzte augenzwinkernd: „Das war für das Bundesumweltministerium auch mal was Neues, dass der Bauernverband sich um Fördermittel bewirbt.“

Darüber hinaus habe der Vorstand auch die Afrikanische Schweinepest (ASP) im Blick. Noch sei nicht zufriedenstellend geregelt, wie im Falle eines Ausbruchs in Deutschland eine Bekämpfung gelingen könnte, stellte Heuer klar. Zäune sollen verhindern, dass ASP-infizierte Wildschweine die Krankheit über die Grenzen bringen. Das Landwirtschaftsministerium habe 50 Kilometer Zaun eingelagert – zu wenig, kritisierte Heuer. Noch dazu sei nicht klar, wie der aufgestellt werden soll.

Johanna Nunnemann und Boris Erb neu im Vorstand

Mit Boris Erb wurde kein Unbekannter ins Vorstandsteam gewählt: Der 36-Jährige hatte federführend bei der Organisation der jüngsten Treckerdemos mitgewirkt. Deren Erfolg sei schwer zu messen, sagte der Rullstorfer. „Es gab natürlich keine 180-Grad-Wende.“ Sicher aber habe man eine neue Qualität der Diskussion erreicht. Den Vorstand des Kreisverbands Lüneburg im Bauernverband Nordostniedersachsen bilden künftig – neben Erb – die Vorstandsmitglieder Hubertus Meyer (Barskamp), Carsten Hövermann (Kirchgellersen) und Johanna Nunnemann (Neu Wendisch­thun) – sie wurde einstimmig als Nachfolgerin von Werner Oldenburg gewählt.

Von Anna Petersen