Donnerstag , 24. September 2020
Die Wandrahmstraße/Willy-Brandt-Straße, wo heute das Museum steht, vor 75 Jahren: Der schwere Luftangriff hat deutlich seine Spuren hinterlassen. Repro: Sammlung Hans-Joachim Boldt

Der Tod kam aus der Luft

Lüneburg. Heute vor 75 Jahren hat Lüneburg den schwersten Luftangriff seiner Geschichte erlebt: An jenem Donnerstag, 22. Februar 1945, zwischen 10.10 bis 14.15 Uhr bombardierten 39 Flugzeuge den Bahnhof und seine Umgebung. Dabei wurden mehrere Splitterschutzgräben sowie der Luftschutzbunker des Bahnhofs von Bomben getroffen.

Der Lehrer Herbert Ahlers hielt chronistisch die Ereignisse fest, über die der Chefredakteur der LZ Helmut C. Pleß in seinem später erschienenen Buch „Lüneburg 1945“ schreibt: 350 Menschen kamen ums Leben. Die Eisenbahnbrücke über die Dahlenburger Landstraße stürzte ein. In den Wohngebieten um den Bahnhof herum entstanden vor allem in der Wandrahmstraße, Altenbrückertorstraße, Schießgrabenstraße, am Schifferwall und am Lüner Weg schwere Gebäudeschäden. Auch am Rotenbleicher Weg, Am Schwalbenberg und Am Altenbrücker Ziegelhof wurden Wohnhäuser vollständig zerstört. In der Wandrahmstraße wurde das Museum Lüneburg, dessen Bestände nicht vollständig ausgelagert waren, völlig zerstört. Schwer beschädigt wurden unter anderen der Endbahnhof der Bahnstrecke Lüneburg-Bleckede, der Rangierbahnhof, eine Molkerei am Lüner Weg und eine Fabrik in der Straße „Am Schwalbenberg“.

Herbert Ahlers mit Kind vorm Splitterschutz und Luftschutz „Am Schifferwall“ in Lüneburg.

Im Auswertungsreport schreibt Pleß von 462 Bomben, von denen nach Auswertung von anglo-amerikanischer Seite 330 Einschläge und von deutscher Seite 270 Einschlagtrichter zu identifizieren und lokalisieren sind. Die 8. USA Air Force setzte Bomber und Kampfflugzeuge gegen 41 Ziele in Nord- und Mitteldeutschland ein, verlor selbst bei dem Einsatz lediglich einen Bomber beim Abschuss durch eine Me 262. 85 Bomber wurden durch die deutsche Flakabwehr beschädigt. Die am stärksten betroffenen Ziele an diesem Tag waren neben Lüneburg unter anderen Wittenberge, Stendal, Uelzen, Salzwedel und Ludwigslust.

Im Internet gibt es auch ein Video der Operation

Die „Operation Clarion“, wie sie hieß, war der Codename der größten und weiträumigsten anglo-amerikanischen Luftangriffskampagne im Zweiten Weltkrieg. Das Ziel war die Zerstörung zahlreicher Verkehrsanlagen innerhalb von 48 Stunden im Deutschen Reich. Gleichzeitig sollte die absolute Luftüberlegenheit der alliierten Luftstreitkräfte demonstriert werden.

Die Ziele wurden entgegen der üblichen Mindest-Einsatzhöhe von durchschnittlich 6500 Metern in einer Höhe von nur 3000 bis 3900 Metern überflogen, um eine möglichst hohe Treffergenauigkeit zu erreichen. Die Operation Clarion ist auch im Internet als Video der 8. US Air Force Report unter www.PeriscopeFilm.com zu sehen.

Von Hans-Joachim Boldt