Mittwoch , 28. Oktober 2020
Es sind Bilder wie dieses aus dem vergangenen Sommer, als ein Segelflieger im Bereich Lüne-Moorfeld abgestürzt war, die bei der Bürgerinitiative für Schreckensszenarien sorgen: Sie wehren sich deshalb gegen die Verlängerung des Flugplatzbetriebes. Foto: A/be

Der Abend der Flugplatzgegner

Lüneburg. Rund 110 Bürger waren jetzt der Einladung der Bürgerinitiative „Lüneburg gegen Fluglärm“ gefolgt, die ihre Position erneut deutlich machte: Wenn der Pachtvertrag zwischen der Stadt und dem Luftsportverein Lüneburg Ende Oktober ausläuft, muss endgültig Schluss mit dem Flugbetrieb sein. Unterstützung erhielten sie im Haus „Zum Hägfeld“ von Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Der hatte bereits im Vorfeld des Ratsbeschlusses von 2014 erklärt, es gebe keine weitere Verlängerung, die Flächen sollten gewerblich genutzt werden.

„Gefahr von Abstürzen über Wohngebieten“

Silke Müller-Lange von der BI erläuterte, dass sich bereits Ende der 80er-Jahre Bürger im Osten der Stadt gegen den Ausbau der Landebahn und den Standort generell ausgesprochen hatten. Bei der Genehmigung des Sonderlandeplatzes gab es nur eine handvoll Starts und Landungen, die nahmen jedoch zu. 2008 habe dann der Luftsportverein eine drastische Erhöhung der Flugbewegungen von über 200 gefordert. Das führte dazu, dass sich die BI Anfang 2009 gründete. Durch zahlreiche Aktionen habe man es unter anderem geschafft, die Starts und Landungen zu reduzieren.

In der Satzung der BI ist als Ziel fixiert: die Ausweitung des Flugplatzes verhindern sowie langfristig eine Einstellung des Flugbetriebs erwirken. Gründe dafür seien der Fluglärm sowie „die Gefahr von Abstürzen über bewohntem Gebiet, die von jedem Start/jeder Landung ausgehen“, sagte Müller-Lange. Sieben Unfälle in der Zeit von 2002 bis 2019 habe es gegeben.

Silke Müller-Lange und Klaus Freytag mit Oberbürgermeister Ulrich Mädge (r.). Foto: us

Als der Rat beschloss, dass es keine Pachtverlängerung über Oktober 2020 hinaus geben würde, atmete die BI auf und ließ Aktionen ruhen. Doch der Luftsportverein stellte im August 2019 im Rat einen Antrag auf Pachtverlängerung. Auch der wurde mehrheitlich abgelehnt. Nachdem die Flieger nun aber ein Bürgerbegehren auf den Weg gebracht haben, das in einen Bürgerentscheid zum Weiterbestehen des Flugplatzes münden soll, habe für die BI festgestanden, dass sie wieder aktiv werden muss. Müller-Langes Appell an die Politik: Die Parteien sollen sich an ihre Wahlversprechen für ein endgültiges Auslaufen des Pachtvertrages erinnern.

Das sei auch die klare Aussage des Rates im vergangenen August gewesen, der gegen einen Antrag der Flieger auf Pachtverlängerung mit 26 zu 13 Stimmen votiert habe, sagte Mädge. Er bedankte sich bei der BI dafür, „dass wir Argumente des Rates vortragen dürfen“. Gründe für dessen Beschluss vom August seien, dass angrenzende Betriebe bereits seit Jahren einen Bedarf von Flächen zur Erweiterung angemeldet hätten, außerdem gebe es Anfragen für Neuansiedlungen. Insgesamt 50 Hektar habe eine Bedarfsanalyse für Lüneburg ergeben, doch es gibt derzeit kaum noch Flächen im Stadtgebiet. Mädge verwies auch auf den Einkreisungsvertrag mit dem Landkreis von 1977: Danach werde die Landebahn nur so lange geduldet, bis die Flächen für Industrieansiedlung benötigt wird.

Anrainer möchten mittelfristig erweitern

Anrainer des Flugplatzes seien „Hochleistungsbetriebe“, die sich mittelfristig erweitern möchten. Bei einer Pachtverlängerung von 15 Jahren, die der Luftsportverein per Bürgerentscheid nun auf den Weg bringen möchte, wäre das ausgeschlossen. Das birgt auch die Gefahr, dass Betriebe abwandern. Laut ersten Planungen könnten bei einer Gesamtfläche von 19,6 Hektar rund 8 Hektar für Gewerbe genutzt werden. Der Rest sei Ausgleichsfläche, und es könnten Solarfelder entstehen, erläuterte Mädge. Vorgeschaltet seien aber die Ergebnisse von Klima- und Umweltgutachten.

Mädge widersprach auch Behauptungen, die ein Flugblatt des Luftsportvereins aufgestellt hatte: „Die Kaltluftschneise sowie die Ausgleichsflächen bleiben erhalten. Der Feuerwehrflugdienst ist nicht gefährdet, er kann über mindestens zwei Flugplätze gewährleistet werden.“ Er machte darüber hinaus auch deutlich, dass der Entschuldungsvertrag mit dem Land die Stadt dazu verpflichte, über Grundstücksverkäufe Einnahmen zu generieren, um den millionenteuren Aus- und Neubau von Schulen, Kita, Klinikum, Radparkhaus zu finanzieren.

Komme es zu einer Pachtverlängerung, bestehe weiter Unfallgefahr und Lärm durch die Flugzeuge, so der Verwaltungschef. Über die Höhe des Pachtzins gelte es dann neu zu verhandeln – auch unter dem Aspekt, dass ohne die Grundstücksverkäufe viele Investitionen kreditfinanziert werden müssten.

Von Antje Schäfer