Trotz eines „schwierigen Umfelds“ sehen Sabine Schölzel und Torsten Schrell die Sparkasse für die kommenden Jahre gut aufgestellt. Foto: t&w

Sparkasse wird digitaler

Lüneburg. Die Sparkasse Lüneburg rüstet sich weiter für die digitale Zukunft. Gleich ein ganzes Paket an Neuerungen präsentierte der Sparkassen-Vorstand am Montag anlässlich der Vorstellung seiner Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr. Eine der Hauptbotschaften: Die Anzahl der Filialen bleibt zwar auch im kommenden Jahr erhalten, die Öffnungszeiten sollen aber dem jeweiligen Kundenbedarf angepasst werden. Dafür kommt ein neues digitales Beratungs-Center.

„Wir haben festgestellt, dass die Nachfrage nach Schalter-Service in unseren Filialen rückläufig ist“, sagt Sabine Schölzel vom Vorstand der Sparkasse. Grund sei ein verändertes Verhalten der Kunden, die „zunehmend digitale und mobile Lösungen nutzen, um ihre Finanzen zu managen“.

Beratung per Telefon und Videokonferenz

Weil die Öffnungszeiten „nicht mehr optimal auf die tatsächlichen Nutzungszeiten unserer Kundinnen und Kunden ausgerichtet“ seien, sollen diese noch in diesem Jahr an die jeweilige Kundenfrequenz pro Standort angepasst werden. „Das kann bedeuten, dass die Mittagspause in dem einen Fall verlängert und im anderen Fall abends früher geschlossen wird.“

Zu Lasten der Kunden soll dies jedoch nicht gehen, versichert Schölzel. „Persönliche Beratungen in den Filialen können auch zu den bisherigen Zeiten vereinbart werden“ – also selbst dann, wenn schon geschlossen ist. Ergänzend dazu soll im Laufe dieses Jahres das digitale Beratungs-Center kommen. Kunden können sich dann telefonisch und demnächst auch per Videokonferenz von einem Mitarbeiter zu allen Finanzthemen beraten lassen. Das Center soll von 8 bis 19 oder 20 Uhr erreichbar sein, ein genauer ­Zeitraum stehe aber noch nicht fest.

Neu hinzu kommen digitale Services wie Multibanking für die Führung mehrerer Konten auch von unterschiedlichen Banken sowie das Wertpapier-Portal „bevestor“ für die individuelle Geldanlage oder auch die Plattform „S-ImmoPreisfinder“ für die Bewertung einer Immobilie. Zudem soll Ende Februar ein Firmenkundenportal für gewerbliche Kunden eingeführt werden.

Die Neuerungen und Umstellungen fänden in einem „schwierigen Umfeld“ statt, machte der Vorstandsvorsitzende Torsten Schrell deutlich. Die anhaltende Niedrig- und Negativzinsphase, die Herausforderungen des digitalen Wandels und der Wettbewerbsdruck durch Online-Banken seien „Themen, die uns beschäftigen“.

Vorerst weiterhin keine Negativzinsen

Dies habe seine Spuren auch beim Zinsergebnis hinterlassen, das um 1,7 auf 38,7 Millionen Euro zurückging. Leicht gestiegen auf 22,9 Millionen Euro ist hingegen das Provisionsergebnis. Gleich geblieben seien wiederum die Zahlen für Personal- und Sachaufwand. Ein kräftiges Wachstum von 4,2 Prozent verzeichnete die Sparkasse beim Kundenkreditvolumen, das auf 2,3 Milliarden Euro kletterte. Besonderer Treiber hier ist die private Wohnungsbaufinanzierung.

Unterm Strich zeigte Schrell sich mit dem Geschäftsergebnis „zufrieden“, das einen Bilanzgewinn von 1,9 Millionen Euro aufweist und damit leicht über dem Vorjahresergebnis (1,7 Mio) liegt.

Mit 524 Mitarbeitern am ­Jahresende war auch der Personalstand nur geringfügig niedriger als im Vorjahr. Schrell machte aber deutlich, dass die Mitarbeiterzahl künftig durch eine „natürliche altersbedingte Fluktuation“ sinken werde.

Diese werde aber durch Digitalisierung in den Arbeitsabläufen ausgeglichen.

Sorgen, auch die Sparkasse könnte schon bald Negativzinsen auf die Guthaben ihrer Kunden erheben, erteilte Schrell eine Absage. Dies werde es auf absehbare Zeit für Privatkunden nicht geben. Auch Firmenkunden seien davon aktuell nur in wenigen Fällen betroffen. „Aber wir müssen das beobachten.“

Von Ulf Stüwe