Dienstag , 22. September 2020
André Reinhold Cohn (l.) und Jan Tiwisina zeigen ein H und ein B in Gebärdensprache. Die Buchstaben stehen für ihr Konzept „HörBar“. Foto: t&w

Pac-Man spielen zwischen ausgestopften Tieren

Lüneburg. Mit dem Projekt „Raum m“ will das Museum Lüneburg junge Menschen anlocken. Im Untergeschoss des Gründungsbaus entstehen derzeit fünf Räume, in denen verschiedene Projekte Platz finden sollen. Ideen dafür hat sich das Museum von Leuphana-Studenten geholt: In einem Seminar wurden elf Konzepte entwickelt, drei von ihnen haben sich in einem Wettbewerb durchgesetzt und sollen im Laufe des Jahres umgesetzt werden.

Den ersten Platz belegten Leonard Schöning (22) und Riccardo Müller (21) mit „Retrogaming“. „Das Projekt soll Generationen verbinden“, erklärt Müller. „Unsere Idee ist es, in dem Raum Veranstaltungen zu organisieren, an denen Menschen gemeinsam Spiele auf alten Konsolen spielen können.“ Denn das Gemeinschaftgefühl beim „Gaming“ habe in den vergangenen Jahren durch das Internet deutlich abgenommen. Mario Kart, Supermario, Tetris, Pac-Man oder Space Invaders: Diese Spiele sollen dann im Museum gespielt werden können. „In Hamburg gibt es ein Unternehmen, das sowas schon anbietet“, weiß Schöning, „mit denen können wir zusammenarbeiten.“

„Vintage Clothing Event“

Ähnlich sieht es bei dem zweiten Platz, dem „Vintage Clothing Event“, von Maja Siebenbrodt (21) und Sophie Exner (21) aus. „Wir planen mehrere Events, bei denen Besucher Second-Hand-Kleidung zu Kilopreisen kaufen können“, erklärt Maja Siebenbrodt. „Die Firma Vinokilo organisiert solche Veranstaltungen deutschlandweit, sie sehen auch in Lüneburg das Potential.“

In eine andere Richtung geht das Projekt HörBar, das zu der Initiave Enactus Lüneburg gehört. In interaktiven Workshops sollen Menschen für die Situation von Gehörlosen sensibilisiert werden. „Wir wollen Inklusion anders leben: Nicht die Minderheit in die Mehrheit integrieren, sondern andersrum“, verdeutlicht Jan Tiwisina (20).

„Unsichtbare Behinderung“ einmal selbst erleben

Dabei sollen gehörslose und schwerhörige Menschen die Veranstaltungen selbst durchführen, sie sollen einbringen können, was ihnen wichtig ist und worauf sie aufmerksam machen wollen. „Geplant sind mehrere Events, an denen man am eigenen Leib erfahren kann, wie das Leben mit dieser ‚unsichtbaren Behinderung‘ ist.“ Zum Beispiel soll dies mit Noice-Cancelling Kopfhörern simuliert werden, auch könnte es Kurse zu Gebärdensprache geben.

Der „Raum m“ wird beim fünften Geburtstag des Museums am Sonntag, 1. März, geöffnet. Erste Veranstaltungen soll es ab Mai geben, die Umsetzung der Studenten-Konzepte wird allerdings noch etwas länger dauern. „Wir planen das für die zweite Jahreshälfte ein“, kündigt die Pressesprecherin des Museums, Hanna Heberlein, an.

Von Lilly von Consbruch