Dienstag , 22. September 2020
Die Sturmflut sorgt auf der Elbe für Wellengang. Foto: t&w

Sturmflut lässt Pegel der Elbe ansteigen

Bleckede. Orkantief Sabine hat an der Nordseeküste und im Elbegebiet zwischen Cuxhaven und Hamburg eine Serie von zum Teil schweren Sturmfluten ausgelöst. Steig ende Pegel sind in der Elbe jedoch weit bis ins Binnenland spürbar, selbst noch in Bleckede, das fast 150 Kilometer Luftlinie von der Mündung in die Nordsee entfernt ist. Das berichtet Ansgar Dettmer, Geschäftsführer des Artlenburger Deichverbandes (ADV), der für den Hochwasserschutz in den Kreisen Lüneburg und Harburg an der Elbe verantwortlich ist.

„Vor der ersten Sturmflut am Montag stieg der Wasserstand in Bleckede um rund 10 Zentimeter in sechs Stunden. Mit dem Flutereignis dann um 10 Zentimeter in drei Stunden“, hat er anhand der Ganglinie des Pegels Bleckede festgestellt. Noch erkennbarer war die Auswirkung in Hohnstorf, einige Kilometer weiter flussabwärts.

Sieben Zentimeter über dem Wert

„Dort ist in der Pegelkurve vom Montag ein Anstieg um 75 Zentimeter zu beobachten, von 4,59 Meter um 16.50 Uhr auf 5,34 Meter um kurz nach 19 Uhr“, sagt er. In den darauffolgenden Stunden sank der Wasserstand dann wieder auf 4,66 Meter ab. „Damit lag er um sieben Zentimeter über dem Wert von dem, der vor der Sturmflut gemessen wurde, die sich somit tatsächlich spürbar bei uns auswirkt“, so Dettmer.

Der wesentliche Grund für den Anstieg insgesamt sei, dass das Wasser nicht wieder abfließen könne, weil es sich wegen der Sturmflut im Unterlauf aufstaue. Mit jeder weiteren Sturmflut schaukelt sich der Wasserstand hoch. Doch nicht nur. Denn durch die starken Niederschläge füllt sich die Elbe auch im Oberlauf zusehends mit Wasser, das ebenfalls in die Region fließt. Daher ist in Bleckede die Auswirkung der Sturmflut nicht in so erheblichem Maß zu erkennen. „Weil auch das Wasser aus dem Oberlauf zusätzlich den Pegel ansteigen lässt.“

Beides gleichzeitig wäre gefährlich

Anschwellende Pegel ja, akute Hochwassergefahr nein: So bringen Dettmer und Deichhauptmann Hartmut Burmester die aktuelle Lage an der Elbe im Landkreis Lüneburg auf den Punkt. „Wir haben Glück, dass wir vor der Sturmflut-Serie einen sehr niedrigen Wasserstand hatten“, erklärt Burmester.

Anders wäre die Situation, wenn gleichzeitig zu einer Sturmflut noch ein Winterhochwasser im Fluss auflaufen würde, wie etwa das Januar-Hochwasser 2011. „Beides gleichzeitig wäre für uns gefährlich, würde die Pegel kräftig steigen lassen. Weil es sich von der einen Seite aufstaut und von der anderen viel Wasser flussabwärts fließt“, erläutert er.

Da helfe dann auch das Stauwehr Geesthacht nichts. „Über dieses läuft die Flut hinweg, es ist kein Sperrwerk. Es regelt nur den Wasserabfluss, verhindert aber nicht, dass Hochwasser flussaufwärts drücken kann“, sagt Burmester.

Von Stefan Bohlmann