Sonntag , 20. September 2020
Hildegard Strampe (l.) und Christa König sind Neetzer Landfrauen der ersten Stunde: Seit über 50 Jahren freuen sich die beiden am Austausch untereinander. Foto: t&w

Das Dorfleben profitiert

Neetze. Monika Schröder ist erleichtert: Knapp ein Jahr lang hat die zweite Vorsitzende der Landfrauen Neetze gemeinsam mit der ersten Vorsitzenden Gisela Geßle r das große 60-jährige Bestehen organisiert. „Natürlich war ich vorher ein bisschen aufgeregt, habe mich gefragt, ob ich an alles gedacht habe, aber irgendwann hat man es ja auch nicht mehr in der Hand.“ Programm, Gäste einladen, Gastredner, Posaunenchor, Lokalität organisieren, Business-Coach Beate Recker für einen Vortrag gewinnen: Das alles war viel Arbeit, räumt Schröder ein. Arbeit, die Spaß gemacht hat. Nun kann sie sich zurücklehnen: Alle sind zufrieden, die Feier ein Erfolg. Die Damen lassen es sich gutgehen bei kräftiger Rinderbouillon und Quiche, es gibt viel zu lachen und der Gesprächsstoff geht nie aus.

Die Gastreden machen eines klar: Ohne die Landfrauen würden in Neetze viele Dinge auch laufen. Aber sehr viel schlechter. Die zumeist männlichen Gratulanten wissen, was sie an den Landfrauen haben: Samtgemeindebürgermeister Norbert Meyer, Gemeindebürgermeister Carsten Johansson und Landrat Jens Böther überschlagen sich in ihren Reden schier mit Lob.

1958 trat das Gesetz der Gleichberechtigung in Kraft

„Vielen Dank für alles, das Leben hier wäre ärmer ohne ihre vielfältigen Veranstaltungen“, sagt Norbert Meyer, dessen Mutter bereits Landfrau in Reinstorf war. „Auch meine Kinder haben schon von Ihrem Engagement profitiert“, freut sich Carsten Johansson, der bei dem Versuch scheitert, alle Aktivitäten des Neetzer Traditions-Vereins aufzuzählen.

Jens Böther stellte die politische Bedeutung der Landfrauen in den Vordergrund: „1958 trat das Gesetz der Gleichberechtigung in Kraft. Zwei Jahre später gründeten 14 mutige und wissbegierige Frauen aus den Gemeinden Neetze und Boltersen den Dorffrauenverein, der den Frauen sicher einen gehörigen Schub Selbstbewusstsein verpasste.“ Im Laufe der Zeit haben sich die Landfrauen gewandelt. „Früher waren sie Bäuerinnen, heute bietet der Landfrauenverein in Neetze ein Forum für alle Frauen, die auf dem Land leben. Ihr Ziel ist es, das Leben hier attraktiver zu machen. Und das gelingt ihnen wunderbar.“

Kontakte sind Gold wert

Mitglieder der ersten Stunde sind Hildegard Strampe und Christa König, sie sind seit 55 und 58 Jahren dabei. „Den Kontakt zu den anderen, das wollte ich mir nicht nehmen lassen, da musste mein Mann dann auch mal alleine zurechtkommen“, erinnert sich Strampe.

Viele der heutigen Mitglieder wurden in den Verein „hineingeboren“, kamen durch ihre Mütter und Großmütter zu den Landfrauen. Monika Schröder hingegen stieß vor 17 Jahren über eine Computerfortbildung dazu – und war begeistert.

„Die Landfrauen haben ein irre großes Fortbildungsangebot. Und mich haben dann das Miteinander und die Gemeinschaft vollends überzeugt.“ Vor allem aber sei es immer ein Geben und ein Nehmen. „Die Gespräche und die Kontakte sind Gold wert“, schwärmt sie.

Wie andere Vereine haben auch die Landfrauen Nachwuchs­probleme. Monika Schröder sagt dazu: „Wir müssen uns mehr als früher um neue Mitglieder bemühen. Wir wissen, dass wir innovativer werden müssen, aber das netzwerken klappt schon ganz gut.“

Von Lea Schulze