Dienstag , 29. September 2020
Die Familie ist Elfriede Rohmann wichtig. So wie hier Urenkelin Lina Pahl. Foto: fr

„Da tanz‘ ich auf dem Tisch“

Lüneburg. Aus Hamburg, Berlin, Süddeutschland und sogar aus Kanada reisen die Gäste heute, Mittwoch, an zu ihrer „Elfi“. Aus gutem Grund: Elfriede Rohmann feiert ihren 100. Geburtstag – mit der ganzen Familie und Freunden. Das Geheimnis eines langen und glücklichen Lebens lüftet die Jubilarin nicht. Aber sie verrät, was ihr im Leben besonders wichtig war.

Elfriede Rohmann wuchs als eines von sechs Kindern in Danzig auf. Bis heute erinnert sie sich an die Flucht vor der Roten Armee. „1945 bin ich nach Dänemark geflohen. Mit drei Kindern!“, erzählt sie. Die damals 25-Jährige hatte 1938 geheiratet und zwei Töchter und einen Sohn bekommen. Während ihr Mann als Soldat im Krieg eingesetzt war, ging es für Elfriede Rohmann und die Kinder mit dem Schiff über die Ostsee nach Kopenhagen. Von dort kamen sie in das Internierungslager Kløvermarken. Im Alter von sechs Jahren verstarb dort der Sohn.

Singen im Chor und viele Reisen

Ihren Mann fand Rohmann zwei Jahre nach der Flucht wieder. Er hatte nach dem Krieg Unterschlupf auf einem Bauernhof in der Nähe von Schleswig gefunden und sich beim Suchdienst des Roten Kreuzes gemeldet. Doch nach der Familienzusammenführung hatte er andere Pläne als Elfriede Rohmann: „Er wollte auf dem Land bleiben und Bauer werden“, erzählt sie. Aber sie habe gestreikt und gesagt: „Ich bin ein Stadtmensch, du kannst mich doch nicht aufs Dorf pflanzen!“

Also zog sie mit ihrem Mann und den zwei Töchtern nach Hamburg. Drei Jahre lang teilten sie sich zu viert ein Zimmer zur Untermiete von etwa zwanzig Quadratmetern, bevor sie sich eine eigene, größere Wohnung in Hamburg-Langenhorn leisteten. 1972 verstarb der Ehemann. „Aber das Leben geht weiter“, sagt Rohmann. Sie begann an einem Buffet am Hauptbahnhof zu arbeiten, später fand sie eine Stelle in der Buchhaltung.

Einsam sei die Jubilarin nie gewesen. Im Chor habe sie gesungen und verreist sei sie viel: Nach Teneriffa, Marokko, Kanada, Portugal und an die Ostsee. Wohlgemerkt: Elfriede Rohmann reiste nur zur Hauptsaison, schließlich sei dann ordentlich was los gewesen am Strand. Ruhe könne die 100-jährige Frau bis heute nicht gebrauchen. „Ich bin ein Quirl“, sagt sie. Früher wie auch heute feiere und tanze sie gerne. Rohmann erzählt: „Ich habe immer alle zu mir nach Hause eingeladen – das ist doch schön.“ Besonders berühmt sei sie für ihre Weihnachtsbäckerei gewesen. Zur Adventszeit habe sich ihre Wohnung in eine Stollenfabrik verwandelt: Acht bis zehn Stollen habe sie jedes Jahr für die Familie und Freunde gebacken. „Und die haben geschmeckt – ehrlich!“, schwärmt Rohmann.

Viel Bewegung ist das Geheimnis

Bis vor drei Jahren wohnte Elfriede Rohmann in ihrer Wohnung in Hamburg. Doch nach einer schweren Magenoperation 2016 war es mit ihrer bis dahin gut funktionieren Selbstständigkeit zu Ende und sie kam in ein Hospiz. „Da hat meine Familie gedacht, ich geh ade – aber ich wollt‘ noch nicht“, erzählt die 100-Jährige. Bei guter Gesundheit wohnt sie heute im Senioren- und Pflegeheim Domizil in Lüneburg, nur einen guten Kilometer von ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn entfernt. Mit ihrer besten Freundin Lisa nimmt das heutige Geburtstagskind an allem teil, was das Heim zu bieten hat.

Was also ist ihr Geheimnis eines langen Lebens? Gesund habe Elfriede Rohmann gelebt und sich viel bewegt. Noch immer ginge sie ab und zu eine Stunde im Kurpark spazieren oder gucke in die Geschäfte in der Innenstadt. Dankbar sei sie hauptsächlich für eines: Kinder, Schwiegersöhne, Enkelkinder, Urenkel und Freunde hätten immer gut zusammengehalten. Darum freue sie sich auch schon auf ihre Geburtstagsfeier, rund zwanzig Gäste werden kommen. Rohmann verspricht: „Da tanz‘ ich auf dem Tisch.“

Von Franziska Ruf