Donnerstag , 1. Oktober 2020
Schulleiterin Viola Fischer (l.) und Freia Srugis vom Fachdienst Schule freuen sich über mehr Vielfalt in der Bildungslandschaft des Landkreises. (Foto: t&w)

Oberschule mit gymnasialem Zweig

Lüneburg. Wer die Wahl hat, hat die Qual: So geht es zurzeit Eltern, deren Kinder im Sommer nach der vierten Klasse von der Grund- auf die weiterführende Schule wechseln. Mit ihren verschiedenen Konzepten stellen sich Gymnasien, Ober- und Integrierte Gesamtschulen derzeit bei Informationsveranstaltungen den Müttern, Vätern und Kindern vor. Denn der Elternwille zählt bei der weiteren Laufbahn der Mädchen und Jungen. Rechtzeitig zu diesen Terminen wird die Bildungslandschaft im Landkreis Lüneburg noch bunter, ein neues Angebot kommt nach den Sommerferien hinzu: Die Oberschule Oedeme erhält dann einen gymnasialen Zweig bis zur zehnten Klasse.

Das Konzept stellten jetzt Leiterin Viola Fischer und Freia Srugis, zuständige Fachdienstleiterin beim Schulträger Landkreis Lüneburg, vor. „Die Kinder, die im Sommer bei uns in die fünfte Klasse kommen, werden die ersten sein, die in diesem neuen Zweig unterrichtet werden können, wenn dies ihren Fähigkeiten nach der sechsten Klasse entspricht“, sagt Viola Fischer.

Frustration bei Schülern vermeiden

Denn nach dem sechsten Schuljahr trennt die Hanseschule künftig, entscheidet dann anhand der Zensuren, wer in Haupt-, Realschule und künftig im gymnasialen Zweig unterrichtet wird. Bis dahin findet die Zusammenstellung der Haupt- und Realschulklassen noch, wie bisher, nach dem siebten Schuljahr statt.

Mit dem neuen Konzept will die Hanseschule nicht nur die Angebotsvielfalt vergrößern, sie will auch Frustration bei Schülern vermeiden. „Der sofortige Besuch des Gymnasiums führt bei vielen Schülern zu Misserfolgen, welche dann, mit dem Gefühl gescheitert zu sein, an die Oberschule überwiesen werden“, sagt Schulleiterin Fischer.

„Hier gehören die Schüler zur Leistungsspitze, anstatt trotz hoher Bereitschaft am Gymnasium Misserfolge zu erleben.“ – Viola Fischer, Schulleiterin

Daher kommt sie zu dem Schluss, dass Rückläufer vom Gymnasium an einer Oberschule mit gymnasialen Zweig besser aufgehoben seien. „Hier gehören die Schüler zur Leistungsspitze, anstatt trotz hoher Bereitschaft am Gymnasium Misserfolge zu erleben.“ Zudem trage die Schule dem Wunsch von Schülern und Eltern nach einem stabilen und konstanten Lernumfeld in den Klassenzusammensetzungen Rechnung. „Im bisherigen Kurs-System gehen die Kinder verloren.“

Freia Srugis berichtet, dass die Genehmigung der Landesschulbehörde für das neue Angebot seit Januar vorliegt, das Vorhaben politisch durch den Kreisausschuss im vergangenen September grünes Licht erhalten habe. „Die Hanseschule ist die erste Oberschule im Landkreis, die einen gymnasialen Zweig erhält“, sagt Srugis. Mit der Oberschule in Bardowick strebt eine weitere Schule einen solchen Zweig an. „Bevor es zu einer Entscheidung darüber kommt, tragen wir zunächst die Erfahrungen in Oedeme zusammen“, erklärt sie. Als Zeitfenster dafür rechnet sie mit rund drei Jahren.

Auch Kreiselternrat und Kreisschülerrat haben zugestimmt

Viola Fischer ist froh, dass auf dem Weg zum gymnasialen Zweig alle an der Hanseschule an einem Strang gezogen haben: „Der Wunsch kam aus der Schule heraus, vom Schulvorstand, dem Schüler, Lehrer und Eltern angehören“, betont sie. Auch Kreiselternrat und Kreisschülerrat haben zugestimmt.

Elternbefragungen bei Dritt- und Viertklässlern im Schuljahr 2018/19 haben überdies ein gutes Ergebnis für die Oberschule mit gymnasialem Zweig gebracht.

Auf dem neuen Weg werde die Hanseschule eng mit dem Gymnasium Oedeme, das nach den Worten von Viola Fischer den Schritt der Oberschule begrüßt, und den Berufsbildenden Schulen zusammenarbeiten. „Damit wir immer genau wissen, was unsere Schüler für einen erfolgreichen Übergang in die Oberstufe benötigen.“

Von Stefan Bohlmann