Der Weg zum Erzieher ist vielfältig, unter anderem das wollen Schüler, Lehrer und Schulleitung der Abteilung Sozialpädagogik an der BBS III mit dem Tag der offenen Tür deutlich machen. (Foto: t&w)

Ein Beruf mit Perspektiven

Lüneburg. Mehr als 100 000 Erzieherinnen und Erzieher fehlen in Deutschland. Vor Ort versucht die Abteilung Sozialpädagogik der Berufsbildenden Schulen III dazu beizutragen, diesen Fachkräftemangel zu bekämpfen: Etwa 90 staatlich anerkannte Erzieherinnen und Erzieher verlassen in diesem Sommer die Schule mit dem Abschluss in der Tasche. Um mögliche Arbeitgeber mit den angehenden Fachkräften, aber auch künftigem Nachwuchs, in Kontakt zu bringen, fand jetzt an der Außenstelle Oedeme der Tag der offenen Tür statt.

Institutionen stellen sich und ihre Angebot vor

Insgesamt 28 Institutionen, die wiederum weit mehr Einrichtungen vertreten, waren mit ihren Ständen an der BBS vor Ort, um mit angehenden Erzieherinnen ins Gespräch zu kommen. Und dieses Zusammentreffen scheint erfolgversprechend: Im vergangenen Jahr, als die BBS erstmals zu einer ähnlichen Veranstaltung eingeladen hatte, hätten sich für einen der großen Anbieter gleich fünf Anstellungen von Lüneburger Absolventen entwickelt, wusste Dr. Michaela Kähler, Abteilungsleiterin Sozialpädagogik an der BBS III, zu berichten.

Von ähnlich guten Erfahrungen erzählte Günter Kalisch, Einrichtungsleiter des Albert-Schweitzer-Kinderdorfs in Alt Garge. „Zwei Arbeitsverträge mit Erzieherinnen haben sich im vergangenen Jahr aus dem Tag hier an der BBS ergeben. Dazu zahlreiche Praktika. Der persönliche Kontakt ist einfach wahnsinnig wichtig.“

Viele kleine Anbieter, aber auch große Arbeitgeber wie die Lebenshilfe Lüneburg-Harburg mit ihren verschiedenen Einrichtungen und die Stadt Lüneburg, waren in Oedeme vertreten. Mit einem Stand dabei war auch der Kinder- und Jugendhilfeträger WABE aus Hamburg, der in 29 Einrichtungen in mehreren Bundesländern etwa 3900 Kinder betreut.

Nach dem Abschluss direkt eine Anstellung

Auch die Samtgemeinde Gellersen ist für ihre sieben gemeindeeigenen Krippen und Kindergärten immer auf der Suche nach qualifiziertem Personal. „Das ist immer schwerer zu bekommen“, erklärte Samtgemeindebürgermeister Steffen Gärtner, als er seine Mitarbeiter am Stand besuchte. Der zuständige Amtsleiter Werner Sander freute sich über einen ansehnlichen Stapel von neun Bewerbungen und „ernsthaften Anfragen“ nach Arbeitsplätzen in den Einrichtungen der Samtgemeinde. „Und wir hatten auch viele Anfragen nach Praktikumsplätzen.“

Künftige Anbieter stellten sich am Tag der offenen Tür den künftigen Absolventen vor, für die Abteilung Sozialpädagogik sei der Tag aber auch eine gute Möglichkeit, sich den Einrichtungen in der Region zu zeigen, sagte Imke Thomsen, Leiterin des Bildungsgangsteams an der Fachschule Sozialpädagogik.

Die wartete im Zuge des Tags der offenen Tür auch mit überraschenden Zahlen auf: So wechseln 96 Prozent der staatlich anerkannten Erzieher an der BBS III nach ihrem Abschluss direkt in eine Anstellung. Kählau: „Wir bilden für den Arbeitsmarkt aus.“ Und während noch vor wenigen Jahren nur wenige männliche Schüler die Ausbildung zum Erzieher einschlugen, liegt der Anteil der jungen Männer in Lüneburg mittlerweile bei 20 bis 30 Prozent.

Rund 430 Schülerinnen und Schüler nutzen das Angebot

Organisiert hatten den Tag der offenen Tür die drei Abschlussklassen der Fachschule Sozialpädagogik mit ihren Lehrkräften. Für die Schülerinnen und Schüler bildeten Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung zugleich einen Baustein ihrer Ausbildung.

Rund 430 Schülerinnen und Schüler der BBS III, die in einem der vielen Zweige auf dem Weg zur staatlichen Anerkennung unterwegs sind, waren am Vormittag in den Räumen der BBS unterwegs. Am Nachmittag wurde es entspannter – da hatte die Schule vor allem Interessierte an einer sozialpädagogischen Ausbildung aus den umliegenden allgemeinbildenden Schulen eingeladen.

Von Ingo Petersen