Dienstag , 29. September 2020
Von Lüneburg nach Berlin, das geht mit dem Interregio-Express schnell und günstig - zumindest theoretisch. Foto: be

Bahn bessert beim Berlin-Ticket nach

Lüneburg. Er ist die einzige Direktverbindung von Lüneburg in die Bundeshauptstadt und er ist ein Sorgenkind der Deutschen Bahn: Der Interregio-Express (IRE), der eigentlich täglich zwischen Lüneburg und Berlin verkehrt, verärgerte bislang gleich in doppelter Hinsicht die Fahrgäste. Dabei ist das Angebot eigentlich durchaus attraktiv: Ohne umzusteigen ist man in zweieinhalb Stunden an der Spree und das je nach Wochentag und Verfügbarkeit für einen Preis zwischen 14,90 und 22,90 Euro. Mit dem ICE über Hamburg ist man auch nicht schneller – ganz abgesehen davon, dass die Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug der Deutschen Bahn deutlich teurer ist, wenn man nicht Monate vorher einen Sparpreis ergattert hat.

Soweit die Theorie. Denn in der Praxis gab es um die Tickets für die Direktverbindung bislang jede Menge Ärger, wenn der Interregio-Express ausfiel. Und das war in 2019 häufig der Fall, laut Medienberichten fuhr allein im Oktober jeder dritte Zug nicht. Der Grund: Lokführermangel.

Und wer dann am Morgen um 7.35 Uhr auf Gleis 1 des Lüneburger Bahnhofs steht, um festzustellen, dass die Verbindung wieder einmal kurzfristig gestrichen wurde, hatte gleich in doppelter Hinsicht ein Problem: Zum einen musste er sich flugs eine Alternativroute suchen, mit der er unter dem Strich mindestens eine Stunde später sein Ziel erreichte, zum anderen war seine IRE-Fahrkarte für keine andere Verbindung gültig. Hieß konkret: Zwar bekam man die 19,90 Euro nach dem üblichen Formular-Procedere zurück, auf den 55,70 Euro, die etwa die Fahrt über Büchen kostet, blieb man aber sitzen. Die Berlin-Reise war plötzlich drei Mal so teuer.

Streiks machten die Fahrt dreimal so teuer

Jetzt aber soll bei einem Zugausfall nicht mehr der Kunde der Dumme sein: ,,Wir haben da Druck gemacht“, sagt Peter Cornelius, Landesvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn in Berlin-Brandenburg, zur LZ. Die neue Regelung sehe vor, dass der Fahrgast beim Ausfall eines Interregio-Express zwar zunächst eine teure Fernfahrkarte kaufen muss, diese dann aber beim Service-Center Fahrgastrechte einreichen kann. Dort erstattet man ihm dann die ICE- oder IC-Fahrkarte, der Kunde zahlt nur den IRE-Preis.

Aber warum fielen im Jahr 2019 so viele Verbindungen der Linie Hamburg-Lüneburg-Uelzen-Salzwedel-Berlin aus? Der Grund sind schlicht finanzielle Erwägungen. Denn die DB Regio Nordost betreibt den IRE auf eigene Kosten, während sie andere Nahverkehrsverbindungen auf Bestellung der Länder betreibt. Fallen letztere aus, muss die DB Regio Strafe zahlen, beim IRE ist das dagegen nicht der Fall. Fehlen also Lokführer, werden zunächst die Interregio-Express-Züge gestrichen.

Das sei aber mittlerweile nur noch selten der Fall, betont man bei der Bahn. ,,Das läuft jetzt deutlich besser“, erklärt ein Sprecher. Einen Termin sollten sich Fahrgäste aber schon jetzt vormerken. Am 16. Februar fährt der IRE Lüneburg und Uelzen nicht an. Grund sind diesmal Bauarbeiten.

Von Thomas Mitzlaff