Samstag , 24. Oktober 2020
Die Ansicht zeigt, wie das Mehrparteienhaus sowie die Reihenhäuser an der Wismarer Straße aussehen sollen. Visualisierung: bloomimagines Planerkollektiv

Dörflich wohnen in der Stadt

Lüneburg. Philip Schumann, seine Frau Kristina und ihre beiden Kinder fühlen sich in Lüneburg wohl. „Hier möchten wir sesshaft werden“, sagt der 34-Jährige, der seine Kindheit im Wendland verbracht, aber auch viele Jahre in Hamburg gelebt hat. Auf der Suche nach einer Immobilie stieß er im Internet auf eine Projektidee und den Entwurf für ein gemeinschaftliches und generationsübegreifendes Wohnprojekt, das im Hanseviertel-Ost an der Wismarer Straße entstehen soll. Schumann und seine Familie waren begeistert von der Idee des gemeinschaftlichen Planens und Bauens. Der 34-Jährige ist eines der Gründungsmitglieder des Wohnprojekts „Lubuntu“. Er sagt: „Wohnen in einer lebendigen Nachbarschaft hat für mich auch etwas Dörfliches.“

Baugruppe mit jungen Familien und Senioren

Mehr als eineinhalb Jahrzehnte ist es her, dass die Gruppe LeNa aufbrach zu einem generationsübergreifenden Wohnprojekt am Brockwinkler Weg. Seither haben sich in der Stadt an verschiedenen Standorten Wohnprojekte unterschiedlicher Größe entwickelt. Auch im Hanseviertel-Ost ist der Erschließungsträger, die Sparkassen Hanse Immobilien GmbH (SHI), per städtebaulichem Vertrag dazu verpflichtet, dass dort auch Baugruppen Grundstücke erhalten. Die SHI habe unter anderem die Conplan als Projektentwicklungsgesellschaft angesprochen, sagt deren Mitarbeit Lars Straeter.

Nachdem die Projektidee, ein Entwurf und Kostenplan im Internet eingestellt waren, fanden sich schnell Interessenten. Sie gründeten im vergangenen November die Baugruppe Lubuntu. „L“ steht für Lüneburg und „ubuntu“ (ist Zulu) für Gemeinsinn. Es ist eine buntgemischte Baugemeinschaft, deren jüngstes Mitglied 1 Jahr jung, das älteste 82 Jahre alt ist. Dazu gehören Familien, Paare und Singles. Sie alle eint der Wunsch, etwas gemeinschaftlich zu tun und zu leben. „Allerdings“, macht Schumann deutlich, „jeder hat auch jederzeit die Möglichkeit auf seinen Rückzugsort, kann auch die Tür zumachen“.

Geplant sind sieben Reihenhäuser mit Wohnflächen von 105 bis 137 Quadratmetern, „um so den Bedürfnissen unterschiedlich großer Familien gerecht zu werden“, erläutert Straeter. Außerdem soll ein Mehrfamilienhaus mit 18 Wohneinheiten entstehen, von 46 bis 104 Quadratmeter groß.

Klaus Bergmann und seine Lebensgefährtin wollen hier jeweils in eine Wohnung einziehen. Für ihn habe schon seit Jahren festgestanden, dass er sein letztes Lebensdrittel in einer gemeinschaftlich lebenden Wohngruppe verbringen wolle, sagt der 64-Jährige. Durch die Sparkasse habe er dann vom Projektentwickler Conplan gehört, der bundesweit Wohnprojekte entwickelt und begleitet.

Ungezwungenes Nehmen und Geben als Zielsetzung

Für ihn sei der Schritt in die neue Lebensphase und das Wohnprojekt auch damit verbunden, Ballast hinter sich zu lassen und sich zu reduzieren. Das gelte auch für die Quadratmeterzahl der Wohnfläche. Anstelle dessen sieht er viel Bereicherndes, was durch die nachbarschaftliche Gemeinschaft erlebbar wird. Wie das genau ausgefüllt wird, zeige sich meist erst, wenn man gemeinsam unter einem Dach lebe, weiß Straeter. Philip Schumann bringt es so auf den Punkt: „Bestenfalls gibt es ein ungezwungenes Geben und Nehmen.“ Zurzeit geht es erst einmal darum zu planen, welche Räume zum Beispiel für gemeinschaftliche Zwecke in das Projekt integriert werden könnten.

Was für alle 13 Parteien, die bisher zur Baugruppe gehören, auch wichtig ist, ist der hohe ökologische Anspruch des Projekts. Straeter: „Die Häuser werden in Holzbauweise ausgeführt und mit hohem energetischen Standard gebaut. Die Dächer werden begrünt beziehungsweise mit Photovoltaik ausgestattet.“ Angedacht ist bei dem Eigentumsprojekt die Teilnahme an Carsharing sowie die Bereitstellung von Lastenrädern.

Die Baugruppe sucht noch Mitstreiter. Mit dem Bau wird voraussichtlich Anfang 2021 begonnen.

Weitere Informationen – auch zu den regelmäßigen Treffen – gibt es unter www.wohnprojekt-lubuntu.de im Internet.

Von Antje Schäfer