Freitag , 7. August 2020
Der HSV-Kaffeebecher stand schon am ersten Tag auf dem Schreibtisch des neuen Landrats Jens Böther, die Bilder an der Wand sind im Laufe der ersten 100 Tage dazugekommen. Foto: t&w

„Verstehen, warum was wie ist“

Lüneburg. Weit mehr als 400 Termine in 100 Tagen und 5127 Kilometer unterwegs im Dienstwagen: Drei arbeits- und zeitintensive Monate liegen hinter Jens Böther (CDU) seit seinem Amtsantritt als Lüneburgs Landrat am 1. November 2019. „Für ein Zwischenfazit ist es zu früh, aber für einen ersten Eindruck reicht es“, sagt der 53-Jährige bei einem Pressegespräch im Kreishaus.

Dabei macht Böther keinen Hehl daraus, dass es „nicht von Nachteil ist, viele Mitarbeiter und Abläufe in der Verwaltung zu kennen“. Bis 2006 arbeitete der Echemer selbst in leitender Funktion im Kreishaus und ging dort in der Folgezeit auch als hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Bleckede ein und aus.

Gleichwohl musste und muss sich der neue Landrat in viele Themen erst noch einarbeiten, agierte deshalb in vielen Sitzungen bislang eher zurückhaltend. „Mein Anspruch ist es aber schon, mich einzumischen“, nennt Böther sein Ziel. Erste Akzente habe er bereits bei den Beratungen über den Haushalt 2020 setzen und mit dem Kreistagsbeschluss Ende Januar umsetzen können. Als Bespiele nennt der Verwaltungschef die Planungskosten für die Elbbrücke zwischen Darchau und Neu Darchau sowie für ein Radverkehrskonzept. Wichtig war ihm aber auch ein ausgeglichener Haushalt „nach der schwierigen Zeit der Haushaltsdefizite, die wir gerade erst haben abbauen können“.

Der Prozess läuft

Eines der intensivsten Themen sei die Arena Lüneburger Land gewesen. „Für mich ging und geht es darum, aufzuarbeiten und zu verstehen, warum was wie ist, um das Projekt erfolgreich zum Laufen zu bringen“, sagt der neue Landrat. Dabei habe er auch die Arbeit und den Nutzen der Reese Baumanagement GmbH schätzen gelernt, die im Mai 2019 die Projektsteuerung übernommen hat. Geklärt werden müsse nun noch, wie der Betrieb der Arena organisiert werden soll. Darüber entscheidet der Kreistag in einer Sondersitzung am 24. Februar. „Zudem gibt es noch den Auftrag der Politik, die Verantwortlichkeiten für Fehler zu klären, die in der Vergangenheit gemacht worden sind. Der Prozess läuft, für Aussagen dazu ist es aber noch zu früh“, wiegelt Böther ab.

Dass Ende Januar der Streit mit dem Land über 700.000 Euro Planungskosten für die Elbbrücke bei Neu Darchau beigelegt werden konnte, will Böther nur zum Teil für sich verbuchen. „Da sind im Vorfeld auch schon viele Gespräche gelaufen.“ Entscheidend ist aus seiner Sicht aber, „dass der Kreis deutlich gemacht hat, das Projekt ernsthaft zu verfolgen“. Und weiter: „Wir wollen die Brücke bauen. Das ist in Hannover angekommen.“ Und damit könnte dann doch der Böther-Faktor gegriffen haben. Schließlich gehört er der gleichen Partei an wie Wirtschafts- und Verkehrsminister Bernd Althusmann, und außerdem schränkt Lüneburgs neuer Landrat sein Bekenntnis zur Brücke nicht im gleichen Atemzug mit Verweis auf die Kosten wieder ein – wie sein Vorgänger Manfred Nahrstedt (SPD) es stets getan hatte.

„Inzwischen erhalte ich weniger E-Mails“

Neue Wege gehen will Böther auch verwaltungsintern. Der Fachkräftemangel treibt auch ihn um. „Wir haben zwar gerade erst viele neue Stellen im Haushaltsplan eingerichtet, nur stellt sich die Frage, ob wir sie in Zukunft noch besetzen werden können?“ Deshalb will der Landrat die „Digitalisierung der Verwaltung vorantreiben, Geschäftsprozesse schlanker gestalten“. Bis Ende des Jahres, so Böther, soll die Projektsteuerung für das Vorhaben stehen.

Die meisten Hinweise von Bürgern hat der neue Landrat in seinen ersten 100 Tagen zum neuen Nahverkehrsplan und dem Konzept „Lünebus“ erhalten. „Inzwischen erhalte ich weniger E-Mails. Schließlich haben wir nachgebessert und sind auch noch nicht am Ende.“ Gelernt hat Böther, „wie komplex dieses System ist“ und dass „die Masse der Beschwerden aus der Stadt und den angrenzenden Gemeinden kommt“.

Weit mehr positive Rückmeldungen kämen hingegen aus der Fläche. Und vielleicht verschafft sich der „Neue“ in den nächsten 100 Tagen ja selbst einen Eindruck – und fährt zu einem seiner vielen Termine mit dem Bus.

Von Malte Lühr