Montag , 28. September 2020
Innerhalb der Radbrucher Ortslage gibt es kaum verfügbare Baulücken zur Nachverdichtung. Deshalb wurden nun verschiedene Potenzialflächen in den Randbereichen gesucht. Foto: A/be

Radbruch stellt Weichen für künftiges Wachstum

Radbruch. Wo ist Platz für die Ansiedlung neuer Einfamilienhäuser oder für den Geschosswohnungsbau? Mit dieser Frage beschäftigt sich das „Entwicklungskonzept 2 035“ der Gemeinde Radbruch, über das sich die Ratsfraktionen seit Monaten mal mehr und mal weniger aufgeregt auseinandersetzen. Den aktuellen Entwurf stellte nun Radbruchs Bürgermeister Rolf Semrok (CDU) am Mittwochabend bei einer Einwohnerversammlung im Gasthaus Sasse mit insgesamt rund 40 Zuhörern vor. Unterstützt wurde er dabei von Daniel Cibis vom Planungsbüro Patt. Dabei wurde deutlich, dass die Kommune vor allem „kleinteilig und behutsam“ wachsen soll, heißt es in dem Konzeptentwurf. Ein Novum wäre der Bau von Mehrparteienhäusern durch die Gemeinde, um vor Ort auch günstige Mietwohnungen anbieten zu können.

A-Kategorie für den kurzfristigen Bedarf

Das jüngste Wohnbaugebiet Hofkoppeln ist bereits vollgelaufen. Doch die Nachfrage nach neuem Wohnraum sei auch in Radbruch weiterhin ungebrochen hoch, sagt Semrok. Allein die Möglichkeiten, im Innenbereich der bestehenden Radbrucher Siedlung nachzuverdichten seien kaum vorhanden. Semrok: „Wir haben die Grundstückseigentümer abgefragt, welche Baulücken nutzbar wären.“ Und die wenigen, die in Frage gekommen wären, seien bereits vergeben.

Mit dem Entwicklungskonzept 2035, erarbeitet vom Planungsbüro Patt, werden nun mögliche Potenzialflächen in den Blick genommen und in die Kategorien A, B und C unterteilt. Allein die A-Kategorie komme für eine kurzfristigere Planung in Betracht, heißt es. Semrok: „Die anderen Flächen sind nur angeguckt worden.“ Dazu zählen beispielsweise „Krankenwiese“ mit Platz für 35 Wohneinheiten von Einfamilien- bis Reihenhäusern oder der Bereich „Einemhofer Straße Ost“ mit Potenzial für bis zu 35 Ein- und Zweifamilienhäuser. Jene Flächen würden laut Semrock vermutlich für einen späteren Gemeinderat zumeist erst nach 2035 interessant.

Verkleinerung der Grundstücksgrößen

Als Entwicklungsziel ist eine Steigerung der Einwohnerzahl Radbruchs von derzeit rund 2250 auf insgesamt 2400 bis 2500 Einwohner angepeilt. Die Werte orientieren sich dabei auch an den Zielen des Entwicklungskonzepts der Samtgemeinde Bardowick, das für Radbruch bereits bis zum Jahr 2030 von einer Einwohnerzahl in Höhe von 2400 ausgeht. In der zurückliegenden Debatte machte gerüchteweise die vermeintlich angestrebte Einwohnerzahl von 3300 die Runde.

Ortsplaner Cibis sagte: „Aus fachlicher Sicht bieten sich einige sinnvolle Entwicklungsflächen für Wohnen an, das heißt aber nicht, dass die sofort bebaut werden.“ Zu den A-Flächen zählt beispielsweise der Bereich Am Rüdel / Eckernkoppel. Der bestehende Bebauungsplan könnte geändert werden: Beispielsweise könnte durch die Verkleinerung der Grundstücksgrößen und Erhöhung der Zulässigkeit von einer auf zwei Wohneinheiten pro Gebäude Potenzial für bis zu zehn Ein- und Zweifamilienhäuser geschaffen werden.

Konzeptentwurf liegt im Gemeindebüro öffentlich aus

Auch die Fläche „Am Rüdel-West“, nordöstlich des geplanten Feuerwehrhauses, könnte bis zu 15 Wohneinheiten aufnehmen. Verteilt auf Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Geschosswohnungsbau. Den Geschosswohnungsbau könnte laut Semrok die Gemeinde selbst in die Hand nehmen, um dort kostengünstig Mietwohnungen anbieten zu können. Das wäre auch ein Standortvorteil beispielsweise beim Anwerben von Fachkräften für den Kindergarten.

Zur Kategorie A gehört auch „Op‘n Donnerloh West“: Dort wäre laut Cibis Potenzial für bis zu zehn Ein- und Zweifamilienhäusern.

Laut Semrok sei das Entwicklungskonzept auch eine gute Grundlage für die laufende Arbeit beim Förderprogramm Dorfentwicklung. Gleichwohl sei noch offen, ob der Entwicklungsplan in der vorliegenden Form vom Rat beschlossen werde. Zumal: Der Konzeptentwurf liegt noch bis zum 26. Februar im Gemeindebüro während der Sprechzeiten öffentlich aus. Einwohner können noch bis zum 2. März Stellungnahmen zu dem Konzept abgeben, persönlich, per Post oder per Mail unter gemeinde@radbruch.de.

Von Dennis Thomas