Samstag , 26. September 2020
Oftmals fragwürdig sind Renditeversprechen, wenn sie ausschließlich per Internet angeboten werden. Foto: Adobe Stock

Statt Rendite kräftig Miese

Lüneburg. Auf dem Sparbuch bekommt man kaum noch Zinsen, da bieten sich angeblich Aktien als gute Kapitalanlage an. Wer da allerdings aufs Internet vertraut, kann böse überrascht werden. So wie ein Senior aus dem Landkreis Lüneburg. Er hat Zehntausende verloren. Entsprechende LZ-Informationen bestätigt die Polizei: „Es geht um deutlich mehr als 100.000 Euro.“

Das große Scheitern begann erst einmal vermeintlich lukrativ. Der Rentner hatte im Internet von angeblich guten Gewinnen mit Wertpapieren und Bitcoins gelesen. Er solle bei einem Anbieter ein Trading-, also ein Handelskonto einrichten. Das machte der Mitsiebziger. Er legte 200 Euro an. Tatsächlich kletterte der Kontostand immens. Was sollte schon schiefgehen?, dachte der Mann. Schließlich, so wurde es ihm vorgegaukelt, hätten Prominente wie die ehemalige SPD-Vorsitzende Andrea Nahles und Tennislegende Boris Becker gutes Geld mit dieser Anlage verdient. Beide haben mit diesem Angebot allerdings nichts zu tun. Beckers finanzielle Kompetenz ist übrigens zweifelhaft, Medien berichten regelmäßig über Insolvenzvorwürfe.

Polizei vermutet die Drahtzieher im Ausland

All das irritierte den Senior offenbar nicht. Er schob weiteres Geld hinterher. Ins Ausland. Spuren sollen nach England und Osteuropa führen. Doch die Ermittler vermuten eher, dass die Drahtzieher in Israel sitzen und dort Kasse machen.

Im Fall des Lüneburgers soll es besonders perfide weitergegangen sein. Als er den vermeintlichen Gewinn ausgezahlt haben wollte, bekam er eine Nachricht: Auf die Summe erhebe der Staat die sogenannte Quellensteuer, die müsse der Mann zunächst auf das Konto einzahlen. Da er das Geld aber gar nicht hatte, weil er all sein Vermögen in das „so sichere Geschäft“ gesteckt hatte, nahm er einen Kredit auf. Kein Pappenstiel, wie ein Ermittler verrät: „Es war eine fünfstellige Summe.“

Nun, nach einem guten halben Jahr, war nichts mehr zu holen, und der Kontakt endete abrupt. Der Senior hat nicht nur sein Geld verloren, sondern muss auch noch den Kredit abstottern.

Der alte Herr ist nicht allein, im Betrugskommissariat der Lüneburger Polizei Auf der Hude haben die Beamten regelmäßig mit der elektronischen Form der Abzocke zu tun. Dubiose Gewinnspiele enden, wie zu erwarten, mit ziemlich viel Pech – es gewinnt eigentlich stets nur einer: der Betrüger.

Von Carlo Eggeling

Tipps der Polizei

Gefahr im Netz

Generell sollten Anleger skeptisch bei übergroßen Renditeversprechen sein. Firmennamen sollte man mit einer kurzen Recherche im Netz prüfen, empfiehlt die Polizei. Häufig fällt schon bei einem Schnellcheck auf, dass der Anbieter einen zweifelhaften Ruf besitzt. Gewünschte Überweisungen auf Konten im Ausland sind immer verdächtig. Wer Fragen hat, wendet sich besser rechtzeitig an die Polizei: Tel. (04131) 83062215.